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Ex-Bayern-Präsident Uli Hoeneß (rechts) war nicht der erste der den Bayerischen Verdienstorden zurückbrachte. Ex-Journalist Franz Schönhuber (links) gab seinen Orden 1992 demonstrativ zurück, als seine rechtsextremen „Republikaner“ vom Verfassungsschutz beobachtet wurden.

Hoeneß war nicht der erste

Bayerischer Verdienstorden: Wer ihn zurückbrachte

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München - Wer den Verdienstorden erhält, muss Herausragendes für Bayern erbracht haben. Immer wieder stellt sich aber ein Ordensträger später als nicht so geeignet heraus. Uli Hoeneß war nicht der erste, der das schmucke Kreuz zurückbrachte.

Unheimliche Szenerie in der Münchner Residenz: Zu Mozartmelodien kredenzte Ministerpräsident Alfons Goppel (CSU) dem Diktator von Paraguay, Alfredo Stroessner, nicht nur fränkischen Lammrücken. Sondern auch einen Orden – den Bayerischen Verdienstorden. Münchens SPD-Stadtspitze, sonst eingeladen, drückte sich vor dem Termin, ebenso wie Kirchenoffizielle.

Im Sommer 1973 war das. Stroessner ist längst tot, ebenso wie eine andere zwielichtige Figur, Étienne Gnassingbé Eyadéma, der togolesische Staatschef, den Franz Josef Strauß 1984 mit dem Verdienstorden beglückte. Diese Fälle zeigen: Nicht immer hat Bayerns Staatsspitze eine glückliche Hand bei der Auswahl der Ordensträger.

Insgesamt wurde der Orden bisher, so hat es der Münchner Heimatforscher Ralf Empl recherchiert, 5405 Mal verliehen. Aktuell gibt es – ohne Uli Hoeneß – 1696 lebende Träger. Die Zahl könnte demnächst sinken. Denn eine Reihe von Ordens-Trägern hat unlauteres Gebaren an den Tag gelegt. Da ist der frühere CSU-Fraktionschef im Landtag, Georg Schmid, der im Zuge der Verwandtenaffäre alle Ämter verlor und 2015 seinen Prozess erwartet.

Ebenfalls Ordensträger: Miesbachs Ex-Landrat Jakob Kreidl (CSU), der sich von der Sparkasse üppig die Geburtstagsfeier zum 60. sponsern ließ. Der spätere Augsburger Bischof Walter Mixa, damals noch in Eichstätt, erhielt den Orden am 14. Juli 2005. 2010 trat er wegen Misshandlungs- und Veruntreuungsvorwürfen zurück. Der CSU-Haushälter Georg Winter, der über die nicht justiziable, aber moralisch anrüchige Beschäftigung minderjähriger Kinder stürzte. Oder der ehemalige Sparkassen-Präsident Siegfried Naser, Ordensträger seit 2004: Auf ihn kommt wegen der Schieflage der BayernLB eine Schadenersatz-Klage in Höhe von 200 Millionen Euro zu; ein Untersuchungsausschuss im Landtag hatte ihn sogar mal mit Beugehaft bedroht.

Unklar ist der Fall des früheren kroatischen Ministerpräsidenten Ivo Sanader, der 2007 mit dem Verdienstorden bedacht wurde – im selben Jahr übrigens kam es zum Einstieg der BayernLB bei der Hypo Alpe Adria, die in Kroatien eine rege Geschäftstätigkeit entfaltete. Sanader wurde im November 2012 wegen Korruption zu zehnjähriger Haft verurteilt. Ob er den Orden zurückgegeben hat, will die Staatskanzlei auf Anfrage nicht mitteilen.

Dass (wie Hoeneß) jemand einen hohen Orden wieder abliefert, ist selten. Die Verfassungsmedaille wurde in ihrer Geschichte seit 1961 kein einziges Mal zurückgegeben, sagt ein Landtagssprecher. Beim Verdienstorden ist das anders: Das Ordensstatut verpflichtet den Träger zur Rückgabe, wenn er „wegen einer auf ehrloser Gesinnung beruhenden Handlung rechtskräftig verurteilt worden ist“. Hoeneß einer „ehrlosen Gesinnung“ zu bezichtigen, würde die Staatskanzlei nie wagen – daher erfolgte der Wink zur Rückgabe ja auch nicht durch den Ordensbeirat, sondern durch den diskreten Anruf einer hohen Beamtin.

Bayerischer Verdienstorden: Sie gaben ihn zurück

In anderen Fällen lief es wohl ähnlich: Der Münchner CSU-Stadtratsfraktionschef Gerhard Bletschacher gab seinen 1971 erhaltenen Verdienstorden in den 90ern zurück, als er über eine Affäre um abgezweigte Spendengelder stürzte. Rund ein halbes Dutzend solcher Fälle bestätigt die Staatskanzlei, ohne Namen zu nennen. Ex-Journalist Franz Schönhuber gab seinen Orden 1992 demonstrativ zurück, als seine rechtsextremen „Republikaner“ vom Verfassungsschutz beobachtet wurden. Dubios ist ein weit zurückliegender Fall: Siemens-Vorstandschef Hans Kerschbaumer wurde der Orden zwar offiziell verliehen, aber nicht ausgehändigt.

Der Ordensbeirat tagt einmal im Jahr im Landtag, zuletzt im Oktober. Ministerpräsident Horst Seehofer, seine Stellvertreterin Ilse Aigner und Landtagspräsidentin Barbara Stamm (alle CSU) lassen sich die Vorschläge (stets aus der Staatsregierung) vorlesen. „Eher mäßig spannend“, heißt es in dem Dreier-Kreis. Am Ende entscheide Seehofer.

Extrem selten rummst es öffentlich. Ex-Staatskanzleichefin Christine Haderthauer (CSU) schimpfte 2009 mal, es müssten mehr Frauen vorgeschlagen werden. Sie selber hat den Orden übrigens nicht. Ist vielleicht besser so – womöglich müsste sie ihn ja sonst wegen ihrer Steueraffäre bald abliefern.

Von Dirk Walter und Christian Deutschländer

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