Wenn 2023 das letzte AKW vom Netz geht

Bayern bräuchte 25.000 zusätzliche Windräder

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München - Wenn 2023 das letzte Atomkraftwerk vom Netz geht, muss der Freistaat 40 Terrawattstunden kompensieren. Dafür bräuchte er 25.000 zusätzliche Windräder.

Der Energiedialog der bayerischen Staatsregierung zeitigt erste Ergebnisse. „Wir haben einen wichtigen Schritt gemacht: Jetzt wissen wir die Größenordnungen, von denen wir reden“, sagte die Energieministerin Ilse Aigner (CSU) unserer Zeitung, kurz bevor sich in der kommenden Woche die Arbeitskreise zu ihrer zweiten Sitzung treffen.

„Wenn 2023 das letzte Atomkraftwerk in Bayern vom Netz gegangen ist, fehlen uns bei der Strommenge voraussichtlich 40 Terrawattstunden“, sagt die Ministerin. Das sei gewaltig: „Um das zu kompensieren, bräuchte es entweder 25 000 zusätzliche Windräder oder 800 000 Mini-Blockheizkraftwerke.“ Um auch danach auf jeden Fall Versorgungssicherheit zu garantieren, müssten fünf Gigawatt ständig verfügbare gesicherte Leistung geschaffen werden, die man möglichst schnell zuschalten könne. Aigner: „Am sinnvollsten sind möglichst dezentrale Gasanlagen.“ Zuletzt allerdings ist der Anteil von Gas bei der Stromerzeugung zurückgegangen.

In der Staatsregierung wertet man die Zahlen als deutlichen Fortschritt. Denn am Tisch der Arbeitsgruppen sitzen höchst unterschiedliche Gruppierungen – von Umweltschützern, die die Lücke möglichst kleinreden wollen, bis zu Wirtschaftsverbänden, die einen größeren Bedarf veranschlagen. Insgesamt zeigt sich Aigner positiv überrascht: „Ich war nicht ganz sicher, ob die doch recht unterschiedlichen Protagonisten nur miteinander streiten oder sich konstruktiv verhalten.“

Auf dieser Basis soll nun nach Lösungen gesucht werden. Die Voraussetzungen sind nicht so schlecht: Bayern hat schon jetzt Brandenburg an der Spitze der Nutzung erneuerbarer Energien abgelöst. Diess besagt zumindest ein Länder-Vergleich der Agentur für erneuerbare Energien. Der Freistaat verdanke die Spitzenposition vor allem dem Ausbau der Solar- und Biomasseenergie. Doch Aigner mahnt: „Versorgungssicherheit kann man nicht allein dem Markt überlassen. Sie muss von der Politik gewährleistet werden – und hat womöglich auch ihren Preis.“

Umstritten ist bei den Gesprächen, wieviel nach dem Wegfall des Atomstroms durch bessere Effizienz ausgeglichen werden kann. Man überlegt, ob auf Bundesebene steuerliche Anreize geschaffen werden müssen oder ob in Bayern eine direkte Förderung besser wäre. Am Dienstag wird darüber das Kabinett diskutieren. Auch Beratung könnte helfen: Aigner selbst erzählt, sie habe kürzlich auf Anraten des Elektrikers ihren Kühlschrank ausgetauscht – binnen zwei Jahren habe sich das amortisiert. Insgesamt befürchtet sie aber, dass neue Technologien die bessere Effizienz wieder auffressen.

Laut Zeitplan sollen die Gespräche bis Anfang Februar abgeschlossen sein. „Ich werde alles dafür geben, dass wir am Ende einen möglichst breiten Konsens hinbekommen“, sagt Aigner. „Das wird dann unsere Grundlage – auch für Verhandlungen mit dem Bund."

mik

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ ZB

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