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Neues Nürnberger Christkind reagiert verblüffend gelassen auf die Hetze der Münchner AfD.

Empörung nach Facebook-Post

Nach Hetze gegen Nürnberger Christkindl: Verfasser darf in AfD bleiben

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Die 17-jährige Benigna Munsi ist das neue Nürnberger Christkindl. Aus der AfD gab es Reaktionen, die viele Menschen empört haben. Benigna selbst hat sich auch geäußert.

  • Benigna Munsi wurde zum neuen Nürnberger Christkindl gewählt.
  • Unter anderem aus den Reihen der AfD gab es Kommentare mit rassistischem Hintergrund. Einer der Kreisverbände rudert nun zurück.
  • Auch Benigna Munsi selbst äußert sich zu den Vorfällen.

Update vom 5. November: Der AfD-Kreisverband München-Land hat nach eigener Mitteilung eine Ordnungsmaßnahme gegen den Facebook-Administrator verhängt, der den rassistischen Christkind-Beitrag formuliert hat. Mit der offiziellen Rüge solle klar zum Ausdruck gebracht werden, dass der Satz „Nürnberg hat ein neues Christkind. Eines Tages wird es uns wie den Indianern gehen“ nicht im Einklang mit den Werten der Partei steht. An einen Parteiausschluss, die härteste Sanktion, sei nicht gedacht. 

Kreis-Vorsitzende Christina Specht: „Der Mann, ein Familienvater, ist sowieso schon fix und fertig.“ Er habe sich zu dem Zeitpunkt der Veröffentlichung und Reaktionen auf einer Schiffsreise befunden. „Ich musste ihn am Telefon beruhigen und hatte Angst, dass er von Bord springt.“ Er habe das Mädchen nicht persönlich beleidigen wollen. Unter dem Eindruck eines gesamtgesellschaftlichen Wandels, der Traditionen bedrohe, habe er einen schlimmen Fehler begangen und entschuldige sich dafür zutiefst. Nachdem der AfD-Mann sich mit dem Hintergrund vertraut gemacht habe, halte er Benigna Munsi für ein Vorzeige-Christkind.

Marc Schreib

Kehrtwende: AfD gratuliert Nürnberger Christkind nun

Update vom 4. November 2019, 19.10 Uhr: Beninga Munsi, in Deutschland geboren und aufgewachsen, wurde zum neuen Nürnberger Christkindl gewählt. Unter anderem kommentierte der Kreisverband der AfD München-Land ihre Wahl und meinte: „Eines Tages wird es uns wie den Indianern gehen.“ Den dazugehörigen Facebook-Post hat der Kreisverband mittlerweile gelöscht und gratuliert gleichzeitig Munsi auf der Plattform. „In einem früheren Post hatte einer der Redakteure die Wahl kritisiert, weil er sich aus der Gewohnheit heraus das Christkind anders vorgestellt hatte. Dieser Post entspricht nicht den Werten der AfD und ist sofort entfernt worden“, schreibt die AfD München-Land. Der Ersteller sei außerdem umgehend zurückgetreten, betone aber, dass er niemanden beleidigen wollte.

Während einige AfD-Anhänger das Statement begrüßen, kritisieren viele andere Facebook-Nutzer den Kreisverband aufs Schärfste. „Wenn Werte ein Fähnchen im Wind werden, sollte man Aussagen von Stimmungsmachern immer genauer betrachten“, „Na klar ... wieder mal einer ‚mausgerutscht‘“ oder „Eure Glückwünsche kann ich euch leider nicht abnehmen“, kommentieren die User.

Video: Solidarität mit Nürnberger Christkind

Nach AfD-Hetze: Nürnberger Christkindl (17) äußert sich - und reagiert völlig überraschend

Update vom 3. November 2019, 21.20 Uhr: Den Trubel um ihre Hautfarbe nimmt Benigna Munsi gelassen. Für die in den nächsten zwei Jahren vor ihr liegenden Aufgaben als frisch gewähltes Nürnberger Christkind sei sie jetzt sogar noch motivierter, sagt sie am Sonntag in einer extra einberufenen Pressekonferenz im Nürnberger Rathaus. „Es tut mir leid für die Menschen, die mit so einer Sicht durch die Welt gehen und sich nicht mit offenen Augen auf das fokussieren können, was wichtig ist, vor allem in der Weihnachtszeit.“

Munsi ist gebürtige Nürnbergerin, ihr Vater ist indischer Herkunft und besitzt nach eigenen Angaben seit 1999 ausschließlich die deutsche Staatsbürgerschaft, auch ihre Mutter ist Deutsche. Es sei das erste Mal, dass sie wegen ihrer Hautfarbe und ihrem Aussehen angefeindet worden sei. „Ich habe mir denken können, dass solche Posts von so einer Seite kommen könnten, aber an sich wurde ich zum ersten Mal so konfrontiert.“ Ihr Vater Kausik Munsi betont: „Das ist das Wunderbare in der Demokratie, dass man unterschiedliche Meinungen hat. Das gibt es auf der ganzen Welt. Deswegen war ich nicht ganz überrascht. Aber ich war extrem überwältigt über die positive Resonanz.“ Er fühle sich als Deutscher, weil er schon seit Langem hier lebe. „Ich habe natürlich sehr viele indische Wurzeln, aber ich habe so viel von hier, habe so viel Gutes hier gesehen. Meine Studienzeit in Berlin war eine wunderbare Zeit“, sagte der 54-Jährige, der im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge arbeitet.

AfD-Hetze gegen Nürnberger Christkindl Benigna Munsi: OB mit emotionaler Botschaft

Update vom 3. November 2019, 16.15 Uhr: Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) hat sich nach dem Eklat um den rassistischen Kommentar auf der Facebook-Seite des AfD Kreisverbandes geäußert. „Man müsste lachen, wenn man nicht wüsste, dass diese Typen es ernst meinen, aber man könnte heulen über so viel Menschenfeindlichkeit“, sagte Maly am Sonntag in Nürnberg.

Das Nürnberger Christkind habe in der Vergangenheit immer wieder „blödsinnige Kommentare“ verursacht. „Mal gefiel manchen die Nase nicht, manchen die Sommersprossen. Und es gab auch schon ethnisch konnotierte Kommentare. Aber heute sind wir in einer offen rassistischen Konnotation.“ Die überwältigend vielen positiven Reaktionen auf den Post des AfD-Kreisverbands München-Land zeigten jedoch, „dass unsere Demokratie auch im Netz Haltung und Menschenwürde zeigt“, so das Nürnberger Stadtoberhaupt.

Benigna Munsi sagte, es gehe ihr gut. „Ich bin vor allem überrascht über die positive Resonanz, die ich bekomme, die vielen positiven Nachrichten. Sie sagen ‚Kopf hoch, nicht alle Menschen sind so negativ eingestellt. Aber wir stehen hinter Dir.‘ Darüber habe ich mich sehr gefreut.“

Update vom 2. November 2019, 17.28 Uhr: Gerade erst war Benigna Munsi zum Nürnberger Christkindl gewählt worden, da machten bereits rassistische Äußerungen auf Facebook die Runde - auch aus den Reihen der AfD (siehe unten). Nun will Munsi am Sonntag, 3. November, um 14 Uhr zusammen mit Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) an einem Pressegespräch teilnehmen.

Nürnberger Christkindl: AfD hetzt gegen 17-Jährige  - Jetzt spricht Benigna Munsi

Update vom 2. November 2019: Die Hetz-Posts (s. Update vom 31. Oktober) der AfD gegen das Nürnberger Christkind Benigna Munsi dürften an der 17-Jährigen nicht spurlos vorbeigehen, auch wenn sie der Bild-Zeitung sagte: „Ich lasse es nicht an mich ran.“

Vor allem die Münchner AfD steht in der Kritik („Eines Tages wird es uns wie den Indianern gehen“). Der Post ist mittlerweile gelöscht, der Redakteur der AfD eilig zurückgetreten, behauptet die Partei, die sich selbst zügig von dem Post distanziert hatte. 

In Nürnberg bleibt Empörung: Selbst die Nürnberger AfD distanzierte sich von ihren Münchner Kollegen. SPD-OB Ulrich Maly (59) legt nach: „Ich hatte es schon befürchtet. Es ist einfach nur bescheuert. Ich kenne Benigna und ihre Familie schon länger. Benigna, die schon die Heiligen Drei Könige gespielt hat, wird ein wunderbares Christkind.“ 

Update 15.45 Uhr: Jetzt hat sich der bayerische Ministerpräsident Markus Söder auf Twitter zu Wort gemeldet und das Verhalten der AfD scharf kritisiert. Er bezeichnet die Reaktionen auf die Wahl des Nürnberger Christkindls als „schäbig“ und spricht von „Hetze“, die die Partei verbreite.

Nürnberg: Neues Christkindl offiziell vorgestellt - heftige Reaktionen von der AfD

Erstmeldung vom 31. Oktober 2019:

Nürnberg - Nürnberg hat eine neues Christkindl: die 17-jährige Gymnasiastin Benigna Munsi. „Ihre Frische, ihre herzliche Art und Ehrlichkeit“ überzeugten die Jury. „Wir sind überzeugt, dass Benigna eine sehr gute Botschafterin Nürnbergs sein wird und ihre Aufgaben gut meistern wird“, sagte Stadtsprecher Siegfried Zelnhefer.

Dazu gehören unter anderem Besuche in Obdachlosenheimen, Krankenhäusern oder Altenheimen. Aber auch, den Nürnberger Christkindlesmarkt zu eröffnen. Er gilt als einer der berühmtesten Weihnachtsmärkte Deutschlands.

Die AfD glaubt nun offenbar, dass man diesen Aufgaben nur nachgehen kann, wenn man wie ein Rauschgoldengel aussieht. Benigna Munsi hat tiefschwarzes Haar, die Eltern der gebürtigen Nürnbergerin sind ein Inder und eine Deutsche. Damit ist sie die erste Nicht-Weiße, die als Nürnberger Christkindl firmiert. Im Netz führt das zu fremdenfeindlichen Kommentaren - und die AfD macht mit. 

Nürnberger Christkindl: AfD hetzt gegen 17-Jährige - für einen Politiker hat es Konsequenzen

Etwa die AfD Marl in Nordrheinwestfalen. „Das neue Nürnberger Christkind heißt Benigna Munsi. Auch wenn das ‚Christkind‘ auf den Bildern eigentlich immer nur goldenes Haar besitzt, schicken wir einen herzlichen Glückwunsch von der #AFDMarl nach Nürnberg“, postet der Stadtverband ein etwas vergiftetes Lob auf Facebook. Viele User lassen das den Rechtspopulisten aber nicht durchgehen: „Was soll einem an so viel sinnlosem Hass gegen einen jungen Menschen, Christin, gefallen?!“, kommentiert einer den Spruch. Und das ist die mehrheitliche Stimmung in dem Kommentar-Thread.

Wenige Stunden reagiert die AfD beleidigt: „Mit so einer enormen Resonanz hätten wir nicht gerechnet, schön, dass man unsere Beiträge liest. Eventuell auch mal ein gefällt mir hinterlassen.“ Offenbar kein schlauer Schachzug der AfD-Social-Media-Abteilung. Eine Leserin kommentiert: „Habt ihr es so nötig, verzweifelt nach ‚Gefällt Mir‘ zu betteln? Das amüsiert mich sehr. Das einzige, was wieder unter Beweis gestellt wird, ist das Battle zwischen den AfD-Seiten, sich online gegenseitig an Lächerlichkeit zu überbieten.“ 

Lesen Sie auch: Erst vor wenigen Wochen sorgte der AfD-Politiker Björn Höcke im ZDF für einen Eklat. 

Inzwischen hat die AfD Marl den umstrittenen Post gelöscht. Hier ein Screenshot von dem Facebook-Eintrag:

AfD-Bundestagsabgeordneter Reinhard Rupsch kann es ebenfalls nicht verkraften, dass keine Klischee-Deutsche zum Nürnberger Christkindl gewählt wurde. Auf Facebook postete er, dass es ein Schlag ins Gesicht aller Freunde von Tradition und gewachsener Kultur“ sei, dass man dem Christkindl nun „die fremde Herkunft an der Nasenspitze ansehen kann“. Der Post ist auf seinem Facebook-Profil inzwischen nicht mehr zu finden. Ein Screenshot davon macht aber auf Twitter die Runde.

Nürnberg/Bayern: AfD löscht umstrittenen Christkindl-Post

Ähnlich sieht es mit der Christkindl-Kritik des AfD-Kreisverbands München-Land München aus. Die werden in Sachen Fremdenfeindlichkeit sogar noch deutlicher: „Nürnberg hat ein neues Christkind. Eines Tages wird es uns wie den Indianern gehen“ war dessen Reaktion auf die Wahl. Wie das wohl gemeint ist? Die indigenen Völker Amerikas wurden nach der Entdeckung des Kontinents lange von den weißen Siedlern unterdrückt. 

Benigna Munsi erhält im Netz breite Unterstützung als neues Nürnberger Christkindl

„Der #AfD München-Land ist nicht Mal das #Christkind heilig“, reagiert ein Leser auf Twitter, und fährt fort: „Gegen den rassistischen Post auf Facebook hat sich unterdessen ein Lovestorm gebildet. Für die 17-jährige Benigna gibt es Hunderte Glückwünsche zur Wahl.“  Ein Beispiel: „Den Gedanken der christlichen Nächstenliebe scheint ihr nicht ganz verstanden zu haben. Und kurze Info für euch: Jesus hatte auch keine blonden Haare.“

Daraufhin verteidigten in kurzer Zeit mehr als 1600 Internetnutzer die junge Frau und stellten sich hinter sie. Inzwischen wurde der Internet-Beitrag gelöscht. Zuvor berichtete der Bayerische Rundfunk darüber.

Die AfD-Kreisvorsitzende München-Land, Christina Specht, sagte der Nachrichtenagentur dpa auf Anfrage, der Kommentar entspreche nicht den Werten der AfD und sei von einem Redakteur des Kreisverbands eigenmächtig gepostet worden. Dieser sei inzwischen zurückgetreten. „Solche Inhalte teile ich definitiv nicht. Ich möchte mich im Namen des Kreisverbands bei Frau Munsi entschuldigen. Wir finden, dass sie ein sehr gutes Christkind für Nürnberg sein wird.“ Im Kreisverband seien Iraner und Chinesen Mitglied. Als Konsequenz aus dem Posting gelte nun im Kreisverband bei Kommentaren in sozialen Netzwerken im Internet ab sofort das Vier-Augen-Prinzip, sagte Specht. Auch ein CDU-Politiker aus Münster zeigte sich empört und lud das neue Nürnberger Christkind in die Domstadt ein, um dort den Weihnachtsmarkt zu eröffnen, berichtet msl24.de*.

Das könnte Sie auch interessieren:  Der Dresdner Stadtrat hat zum sogenannten „Nazinotstand“ aufgerufen. Ziel ist es, einen Weckruf an die Dresdner Gesellschaft zu richten. Mehrere Parteien engagieren sich.

fran/Herbert Mackert

*msl24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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