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Im Kreis Ebersberg packen Asylbewerber schon seit vielen Jahren mit an.

Asylbewerber in gemeinnütziger Arbeit

Bayern will Flüchtlinge zu 80-Cent-Jobs verpflichten - doch es gibt noch ein Problem

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    Katrin Woitsch
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Die Landesregierung arbeitet daran, Flüchtlinge für 80-Cent-Jobs zu gewinnen. Allerdings sind viele Asylbewerber bereits in solchen Arbeitsverhältnissen beschäftigt. Und es gibt einige Probleme bei der Vermittlung.

München - „Wer kann, soll einen Beitrag leisten“, fordert Markus Söder. Am umstrittenen Arbeitsverbot für Flüchtlinge mit schlechter Bleibechance will Bayerns Ministerpräsident zwar nicht rütteln. Aber untätig in ihren Unterkünften sitzen sollen die Flüchtlinge auch nicht, während sie auf ihren Asylbescheid warten. Deshalb will Söder 5000 gemeinnützige Stellen für Flüchtlinge schaffen, um sie sinnvoll zu beschäftigen.

Diese Idee aus dem Asylplan ist alles andere als neu. „Wir bemühen uns seit 2015, dass die Flüchtlinge sinnvoll beschäftigt sind“, berichtet Claudia Köhler, Sozialreferentin aus Unterhaching (Kreis München). Das Asylbewerberleistungsgesetz ermöglicht es auch Flüchtlingen ohne Arbeitserlaubnis, für 80 Cent pro Stunde kleine Jobs zu übernehmen, solange sie nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeiten. Die Asylhelfer vermitteln seit Jahren Flüchtlinge an kommunale Einrichtungen wie Kindergärten, Kirchengemeinden, Bauhöfe oder Ähnliches. „Für die meisten ist das eine wichtige Integrationshilfe“, sagt sie. Für einige, die später Asyl bekommen haben und dann arbeiten durften, war es sogar ein Sprungbrett in die Berufswelt. „Und für alle war es besser, als in den Unterkünften tatenlos herumsitzen zu müssen“, betont Köhler.

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Kleine Jobs für Flüchtlinge in vielen Gemeinden

Die Erfahrungen mit den 80-Cent-Jobs sind sehr gut - nicht nur im Kreis München. Auch aus Ebersberg kann Norbert Neugebauer aus dem Landratsamt nur Positives berichten. In vielen Gemeinden haben Flüchtlinge kleine Jobs übernommen. Helferkreise, Asylsozialberater und Landratsamt arbeiten eng zusammen, um die Menschen sinnvoll zu beschäftigen.

Söder betont, die vorhandenen Stellen würden noch nicht ausreichen. Er will mit den Kommunen und Verbänden zusammenarbeiten, um mehr Aufgaben für Asylbewerber zu finden. Zum Beispiel in Sportvereinen oder bei Rettungsorganisationen könnte er sich Interesse vorstellen. Und vor allem in die anfallenden Arbeiten in den Unterkünften sollen Flüchtlinge stärker eingebunden werden. „Um dort die Wiese zu mähen, muss kein Gärtner beschäftigt werden“, betont er.

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Verweigerern drohen Kürzungen beim Taschengeld

Für Asylbewerber, die sich weigern sollten, gemeinnützige Aufgaben zu übernehmen, könnte sich Innenminister Joachim Herrmann (CSU) Kürzungen beim Taschengeld vorstellen. Doch der Spielraum ist gering. Schließlich sei ohnehin schon ein Teil des Betrags durch Sachleistungen zu ersetzen. Beispielsweise durch Fahrkarten oder WLAN in den Unterkünften. „Wer sich völlig verweigert, muss mit Leistungskürzungen rechnen“, sagt auch Söder. Im Vordergrund stehe es aber, die Migranten für die gemeinnützigen Aufgaben zu motivieren.

Die Asylhelfer gehen nicht davon aus, dass sich viele Flüchtlinge weigern werden. „Bei uns waren die 80-Cent-Jobs bisher immer heiß begehrt“, berichtet Claudia Köhler aus Unterhaching. „Wir Ehrenamtliche sind seit Jahren auf der Suche nach mehr Einsatzmöglichkeiten für die Flüchtlinge.“ Auch Norbert Neugebauer betont: „Wir haben deutlich mehr Anfragen als Stellen.“ Max Niedermeier, der Integrationsbeauftragte im Kreis Miesbach, hat jedoch auch Bedenken. „In unserem Landkreis leben rund 400 Afghanen“, sagt er. „Es wird nicht leicht werden, ihnen zu vermitteln, warum sie nur 80 Cent bekommen, wenn sie arbeiten, und andere Flüchtlinge deutlich mehr.“

Katrin Woitsch, Mike Schier

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