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Der Bayernkurier als neues Magazin, das am Freitag erscheinen soll. 

CSU-Kampfblatt nur noch monatlich

Bayernkurier wird Magazin: Die Suche nach Seehofers Wellenlänge

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München - Das alte CSU-Kampfblatt „Bayernkurier“ erscheint jetzt erstmals als Monatsmagazin – Hiebe auf Putin und die SPD.

Einmal umblättern, dann endet das Idyll beim „Bayernkurier“, das Blatt wird böse. Auf der Titelseite prangt ein wundervolles Panoramafoto von Elmau, der „Friedensgipfel“ wird gepriesen. Auf Seite 3: Nochmal eine Titelseite, darauf das Foto eines muffeligen, missvergnügten russischen Präsidenten und die hämische Zeile: „...aber ohne Putin“.

Holen sie jetzt den Holzhammer raus in der CSU-Zentrale? Es ist eine Ansage: Die Parteizeitung mag weiter als parteiisch, aber ja nicht als dröge, fad und angestaubt daherkommen. Zum ersten Mal seit 65 Jahren erscheint der „Bayernkurier“ als Monatsmagazin, nicht mehr als Wochenzeitung auf Raschelpapier. Die Putin-Nummer ist eine kalkulierte Provokation.

Mehr Aufmerksamkeit kann dem Parteiblatt ja nicht schaden. Die Umstellung auf Hochglanz klingt zwar nobel, ist im Kern aber ein Sparpaket: Der wöchentliche „Bayernkurier“ wurde zu teuer. Von einer Lücke von bis zu 1,3 Millionen Euro pro Jahr wird in der Partei geraunt – je nach Sprachregelung kann man das ein Defizit oder einen Druckkostenzuschuss nennen, auf jeden Fall einen großen Haufen Geld. Im Gegenzug gab es ein Blatt, das in der öffentlichen Debatte immer irrelevanter wurde, eher ein Anhängsel als das Sprachrohr des CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer, der sowieso mit Journalisten jeder Art hadert. Generalsekretär Andreas Scheuer, den der alte Bayernkurier auch furchtbar nervte, trieb den Umbau an.

Sein Konzept: Täglich im Internet, regelmäßig in der „App“, drucken nur noch monatlich, dafür mit Werbekunden. „Weit übers Tagesgeschäft hinaus“, verlangte er, und „gewisse Spritzigkeit“.

Umsetzen muss das seit Anfang Februar der frühere BR-Moderator Marc Sauber. Bei näherem Hinsehen auch inhaltlich keine leichte Aufgabe: Die alte Devise – im Zweifel rechts halten, dann gibt’s intern keinen Ärger – ist kein Allheilmittel mehr. Selbst gestandene CSUler betrachten die Parteilinie ja inzwischen, wohlwollend gesagt, als eher wellenförmig.

Sauber, Volljurist und sogar ohne Parteibuch berufen, schlängelt sich da gut durch. Seinen Chef interviewt er einfach selber auf sechs Seiten. Die Vorgänger-Chefredakteure verfassen Gastbeiträge. Auch die Spitze und kritische Artikel gegen Putin kann sich Sauber erlauben in der Nach-Gauweiler-CSU. Hiebe auf die SPD sind eh gefahrlos – unter anderem redigiert und kommentiert Scheuer ein „Spiegel“-Interview von Ministerin Andrea Nahles. Das liest sich weit lebhafter als seine einst müden Kolumnen.

Etwas zur Seehofer-Nachfolgedebatte beitragen mag der neue „Bayernkurier“ indes irgendwie nicht, die gibt es ja nach offizieller CSU-Lesart gar nicht. Die Kronprinzen Markus Söder und Ilse Aigner finden sich paritätisch mit ihren Lieblingsfotos im Heft: Sie lächelnd bei einem Termin mit Marionetten, er zurückgelehnt in der Gondel am Nymphenburger Schlosskanal.

Mit 20 000 Auflage (Preis: 7 Euro) startet das Magazin vorsichtig, die Zeitung hatte noch 50 000, zu ihren guten Zeiten sogar das Vierfache. Die Aussichten? Wirtschaftlich: offen. Architektonisch: besser. Am Jahresende zieht die Redaktion aus den miefigen Räumen (wie „die Zentrale des bulgarischen Geheimdienstes“, schrieb die SZ mal) mit in die neue, helle Parteizentrale in Nord-Schwabing.

Christian Deutschländer

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