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Wie weht der Wind im Freistaat? Der BayernTrend soll einen Hinweis geben.

Ein spannendes Zwischenzeugnis für die CSU

„Bayerntrend“: Die wichtigsten Zahlen im Überblick

München – Auf den ersten Blick sehen die CSU-Werte im „Bayerntrend“ rosig aus: absolute Mehrheit, hohe Zustimmung. Stabil ist das aber nicht, ein halbes Prozent kann vieles verändern. Auch die Nachfolge-Debatte dürfte noch lebhafter werden.

Zu Jahresbeginn gab Markus Söder ein recht softes Interview, das in der Politik-Branche erst belächelt wurde. In der „Bunten“ sprach er über graue Haare, den ersten Kuss in der fünften Klasse („nicht prickelnd“) und den Jugendschwarm Nena. Wer genau liest, kann aber selbst in dem Gespräch eine Kampfansage erkennen. „Ich habe gelernt, dass man seine Ziele erreicht“, sagt Söder, „wenn man sie konsequent und diszipliniert verfolgt.“ Er werde weiter „doppelt so hart wie andere“ dafür arbeiten.

Das mit Nena darf den Bunte-Leser bewegen. Das mit den Zielen ist eher ein Warnhinweis an die Kollegen. Nach mehreren Wochen mit Ärger um einen möglichen Berlin-Wechsel, Rempeleien von und mit Horst Seehofer und einem sich zuspitzenden Machtkampf in der CSU signalisiert Söder: Ich gebe das Rennen ums Ministerpräsidenten-Amt nicht auf.

Wem die Illustrierte als Beleg nicht hart genug ist, der kann sich auf die Umfragen des BR-Magazins „Kontrovers“ stürzen. Nach den Daten des Senders vom Mittwochabend hat all der Ärger Söder nicht die Kronprinzenrolle gekostet – im Gegenteil. Inzwischen wollen 39 Prozent der Bayern den Finanzminister als nächsten Regierungschef, weit dahinter die Minister Ilse Aigner (15 Prozent), Joachim Herrmann (13), Alexander Dobrindt (8) und EU-Politiker Manfred Weber (6). Unter den CSU-Wählern hat Söder sogar eine absolute Mehrheit: 52 Prozent für ihn; überraschend weit vor dem medial zuletzt stark präsenten Herrmann (16) und vor Aigner (12).

Der Vorsprung wächst also, der Trend bleibt. Das ist spannend, weil jeder in der CSU weiß, dass Amtsinhaber Seehofer das höchste Staatsamt Söder nicht zutraut. Es läuft auf eine Art Zweikampf hinaus. Die Zahlen zeigen ja gleichzeitig, dass Seehofers Macht im Freistaat nicht erodiert. Mit ihm als Ministerpräsidenten sind 68 Prozent der Bayern zufrieden. In der CSU-Wählerschaft sind es 90 Prozent, bei der AfD 66, den Freien Wählern 52 und selbst unter den Grünen noch 32 Prozent. Das ist ungewöhnlich viel. Bei den Nachfolgern wurde auch nicht danach gefragt, ob Seehofer einfach über 2018 hinaus bleiben soll.

Wer soll Seehofer als Ministerpräsident beerben? Ein Klick auf das Kreuz vergrößert die Grafik.

In der CSU wird der „Bayerntrend“, der in der Landespolitik als verlässlich gilt, genau seziert. Die Gespräche, wie sich die Partei für die Wahlen im Bund 2017 und in Bayern 2018 aufstellt, laufen gerade an. Parteifreunde raten Seehofer und Söder, sich bald miteinander zu arrangieren. „Die haben den Schuss hoffentlich gehört“, raunt ein führender Abgeordneter.

Die Umfrage offenbart nämlich auch, dass die Werte für die CSU wackelig sind. Nur hauchdünn hält sie demnach die absolute Mehrheit der Mandate im Landtag. Käme die FDP auf fünf statt auf vier Prozent, wäre die Alleinregierung dahin. Auch ist offen, ob der CSU noch ein paar Wähler von der Stange gehen, wenn die Wiederannäherung an Merkel voranschreitet.

Die Sprachregelung in der CSU: Demut. Zwischen den Zeilen ist aber manches herauszulesen. „Ich freue mich, dass die harte und erfolgreiche Arbeit von Markus Söder offensichtlich große Zustimmung erfährt“, sagt sein Staatssekretär Albert Füracker, als Vorsitzender der CSU Oberpfalz in der Parteihierarchie weit oben. Von „Zwischenergebnissen“ spricht Söder, von einem Vertrauensvorschuss, den es durch Einsatz zu rechtfertigen gelte.

Der Boss selbst rät zu Gelassenheit. „Eine schöne Bestätigung nach Monaten schwieriger Kursbestimmung“ seien die CSU- und Vertrauenswerte, sagt Seehofer unserer Zeitung. Aber in persönliche Werte „plus/minus 0,1 Prozent“ könne man viel hineininterpretieren. Und, auf Söders 52 Prozent angesprochen: „Das ist ein guter Wert. Aber entscheidend ist jetzt erst der September“ – die Bundestagswahl. Seehofer: „Ich lasse mich da jetzt in keine Debatte drängen.“

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