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Im Business-Outfit für die Fotografen: Beate Zschäpe will am Mittwoch vor Gericht aussagen. 

Was sich Hinterbliebene der NSU-Opfer gewünscht hätten

Beate Zschäpe bricht ihr Schweigen - und enttäuscht schon jetzt

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München - Mittwoch soll es soweit sein: Beate Zschäpe will ihr Schweigen im NSU-Prozess brechen. Allerdings will sie nur ihren Anwalt für sich sprechen lassen – eine große Enttäuschung für die Hinterbliebenen der NSU-Opfer.

Angeblich hat Beate Zschäpe (40) im Gefängnis einen Nervenzusammenbruch erlitten. Frau Zschäpe gehe es psychisch und physisch schlecht, soll ihr neuer Verteidiger Hermann Borchert am Montag dem Oberlandesgericht (OLG) mitgeteilt haben. Von einem Heulkrampf ist die Rede. Davon, dass sie aus dem Gleichgewicht sei. Doch als sich am Dienstag die Tür öffnet und Zschäpe den Gerichtssaal betritt, ist sie das blühende Leben. Sie trägt einen grauen Hosenanzug mit auberginefarbener Bluse, die Haare zum Zopf geflochten. Lachend eilt sie zu ihrem Platz, zeigt den Fotografen die kalte Schulter und schäkert mit einem Verteidiger des Mitangeklagten Ralf Wohlleben.

Verfolgen Sie die Aussage von Beate Zschäpe vor dem Oberlandesgericht in unserem Live-Ticker.

Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl scheint sich ein wenig zu wundern. „Wie geht es denn Frau Zschäpe? Gut?“, fragt er. Zschäpe nickt. Ihr Lieblingsanwalt Mathias Grasel übersetzt, für alle verständlich: „Gut“. Sie selbst schweigt auch am 248. Gerichtstag eisern. So wie alle Tage zuvor in diesem langwierigen Prozess, in dem sie sich als Mittäterin für die Verbrechen des NSU verantworten muss, vor allem für zehn rassistisch motivierte Morde.

Am Mittwoch will Beate Zschäpe wirklich ihr Schweigen brechen

Dass sie nun ihr Schweigen brechen wolle, heißt es schon seit Wochen. Am Mittwoch soll es tatsächlich soweit sein. Wenn es nach dem Gericht gegangen wäre, hätte es wohl gestern schon soweit sein können. Auch die Richter können ihre Aussage wohl kaum mehr erwarten. Götzl fragt gleich nach der „Einlassung der Frau Zschäpe“. Doch Verteidiger Grasel sagt, dass die Einlassung erst für Mittwoch vorgesehen sei. Es soll sich um 53 Seiten handeln. Doch sprechen wird Zschäpe wieder nicht. In einer bis eineinhalb Stunden will Grasel die Erklärung verlesen. Auch die Verteidigerin von Wohlleben hat eine Äußerung angekündigt, allerdings nicht für diese Woche.

Nun ist die Hauptangeklagte am Zug. Sie macht es wieder einmal spannend. Seit ihr im Sommer nach dem Zerwürfnis mit ihren drei alten Verteidigern ihr Wunschanwalt Grasel beigeordnet wurde, munkelte man immer wieder über eine neue Strategie. Tatsächlich gab der Anwalt vor einigen Wochen bekannt, dass Zschäpe aussagt. Eine Sensation im NSU-Prozess. Doch dann kam immer etwas dazwischen, zum Beispiel ein Urlaub von Hermann Borchert, mit dem Grasel eine Bürogemeinschaft hat. Auch am Dienstag hatte Borchert keine Zeit. Zschäpe beantragte derweil, dass er ihr als fünfter Pflichtverteidiger beigeordnet wird. Darüber muss das Gericht noch entscheiden.

Der Plan: Fragenkatalog, der schriftlich beantwortet wird

Erst einmal will Götzl wissen, wie es mit Fragen des Gerichts im Anschluss an die Erklärung steht: „Wie soll das erfolgen?“ Grasel hat einen genauen Plan: „Meine Vorstellung ist, dass wir einen Fragenkatalog bekommen und schriftlich beantworten.“ Götzl hakt nach: „Frau Zschäpe wird keine Fragen beantworten?“ „Nein“, sagt Grasel, „ich werde für Frau Zschäpe antworten.“ Seine Begründung: Würde sie selbst antworten, müsste man nach jeder Frage rausgehen und sich besprechen. Deshalb bevorzuge er den Fragenkatalog. Den könne er übers Wochenende in Ruhe mit Zschäpe durchgehen. Dann äußert Grasel noch einen Wunsch. Er möchte die Verhandlung am Donnerstag ausfallen lassen – um seine Mandantin zu schonen. „Die Belastung nach der Einlassung wird groß sein.“ Ein Raunen geht durch den Saal. Nebenkläger, deren Angehörige ermordet wurden, stöhnen auf.

Nach dem 248. Verhandlungstag, draußen auf dem Vorplatz, herrscht große Enttäuschung unter den Nebenklägern über die Ankündigung Grasels, dass er für Zschäpe sprechen wird. Die Hoffnung war groß, endlich aus Zschäpes Mund etwas über den NSU zu hören. „Die Nebenkläger erhoffen sich nicht viel von der morgigen Erklärung“, sagt Anwalt Stephan Lucas, der Semiya und Abdulkerim Simsek vertritt. „Sie hätten sich gewünscht, dass Zschäpe selbst Stellung bezieht oder zumindest direkt Fragen beantwortet.“ Es bleibe die Frage, ob die Aussage am Ende nicht nur um die bisher festgestellte Beweislage herum gebastelt werde.

Mit einem Geständnis rechnet unter den Nebenklägern und Prozessbeobachtern ohnehin kaum jemand. Auch Gamze Kubasik nicht, deren Vater in Dortmund vom NSU erschossen wurde. Vor dem Gericht, mit Mann und Baby, stellt sie sich den Journalistenfragen: „Ich habe keine große Hoffnung, weil ich glaube, dass da nicht die Wahrheit gesagt wird.“ Natürlich sei ihr Wunsch eine hundertprozentig Aufklärung, „aber ich weiß, das wird niemals geschehen.“

Nina Gut

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