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Lässt ihre Haare sprechen: Die Angeklagte Beate Zschäpe.

Rosenkrieg mit Verteidigern schwelt weiter

Zeuge über Zschäpe: "Es war nie langweilig mit ihr"

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München - Trotz der Anzeige von Beate Zschäpe gegen ihre drei Anwälte wird der Mord-Prozess planmäßig fortgesetzt. Derweil sagte ein Zeuge aus der rechten Szene vor Gericht aus - und bestritt die Gewalt.

Update vom 10. November 2015: Zweieinhalb Jahre lang hat Beate Zschäpe nichts gesagt. Am Mittwoch soll sich das vor dem Oberlandesgericht in München ändern. Wir berichten live aus dem Gerichtssaal.

Beate Zschäpe schweigt. Doch ihre Haare sprechen eine eigene Sprache. Als sie im schwarzen Hosenanzug mit rosa Bluse den Gerichtssaal betritt und sich auf ihren Platz setzt, lässt sie die langen, dunklen Locken wie einen Vorhang über ihre rechte Gesichtshälfte fallen. Die trennen sie nun wie eine Mauer von ihren drei Verteidigern Anja Sturm, Wolfgang Stahl und Wolfgang Heer, mit denen sie über Kreuz ist – und die sie vorige Woche sogar angezeigt hat. Nun sieht Zschäpe nur noch zu ihrem Lieblingsanwalt.

Der neu bestellte Mathias Grasel, sein Eintritt ins Verfahren und der Rosenkrieg mit den drei alten Verteidigern überlagern nun seit Wochen den NSU-Prozess am Oberlandesgericht München. Die Querelen um die Verteidigung schwelen gefährlich vor sich hin. Und über allem schwebt die Furcht, dass der Prozess platzen könnte.

Aktuell steht noch die Entscheidung der Staatsanwaltschaft aus, wie sie mit der Anzeige gegen die drei Anwälte umgeht. Das Gericht muss derweil – mal wieder – über einen Antrag auf Entpflichtung von Heer entscheiden. Doch auch wenn alle über Streit, Entpflichtung und Anzeige diskutieren: Das Gericht lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Der Prozess geht normal weiter. Die 40-jährige Hauptangeklagte Zschäpe muss sich dabei als Mittäterin für die Taten verantworten, die die Bundesanwaltschaft dem NSU vorwirft, vor allem zehn Morde.

Planmäßig ruft der Vorsitzende Richter Manfred Götzl also Sandro T. (40) in den Zeugenstand, einst Thüringer Landesvorsitzender des NPD-Nachwuchses „Junge Nationaldemokraten“ und jetzt in Kuwait zu Hause. Der berichtet, dass die mutmaßlichen Neonazi-Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos zu seinem Freundeskreis zählten. Auch „die Beate“ kenne er „sehr wohl“. Sie habe zu der Gruppe aus Jena gehört, die sie des öfteren besucht hätten. Er zeichnet ein positives Bild von ihr. Sie sei unauffällig gewesen, habe sich zurückgehalten, sei aber trotzdem lustig, spaßig gewesen. „Es war nicht langweilig mit ihr. Sie war eine angenehme Person.“ Über die damalige Gruppe sagt er: „Uns allen gemeinsam war der Nationalismusgedanke, der in uns allen war.“ Sie hätten „gemeinsame Ziele und Träume“ gehabt. Gewalt habe man aber nicht als Mittel zur Umsetzung der politischen Ziele gesehen, betont er.

T. widerspricht der Darstellung, er habe einst ein Gespräch mitgehört, bei dem es um das kurz zuvor in den Untergrund abgetauchte Trio aus Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe gegangen sein soll. „Ich habe dazu nichts gehört, und ich war auch nicht in dem unmittelbaren Gesprächskreis.“ Er betont, dass das Thema in der Szene tabu gewesen sei. „Wenn jemand auf der Flucht ist, dann spricht man natürlich nicht darüber.“

Zu der Bombenwerkstatt, für die das NSU-Trio verantwortlich gemacht wird, sagt T., das sei „politisch völliger Schwachsinn gewesen“. Bei Zschäpe habe man damals vermutet, „dass sie aus reiner Loyalität, Solidarität und Abenteuerlust mit auf die Flucht gegangen ist“.

Wie Zschäpe darauf reagiert, ist ungewiss. Ihr Gesicht bleibt hinter dem Haar-Vorhang verborgen. 

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