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Beate Zschäpe wird derzeit in München der Prozess gemacht

Sorge um ihre Katzen

Darüber plauderte Zschäpe nach ihrer Festnahme

München - Beate Zschäpe wunderte sich über ihre mutmaßlichen Terrorkomplizen - und sorgt sich um ihre Katzen. Als sie sich stellte, schien sie erleichtert. Das ergibt sich aus Gesprächen nach ihrer Festnahme.

Wenige Tage nach der Vernehmung von Beate Zschäpe müsste dem Zwickauer Kriminalhauptmeister André P. klar geworden sein, dass er den vermutlich größten Fall seines Lebens vor sich hatte. Dass die gehetzte und übernächtigte Frau, die sich am 8. November 2011 der Polizei gestellt hatte, nicht irgendeine Brandstifterin war, sondern mutmaßliches Mitglied einer mörderischen Gruppe von Neonazi-Terroristen.

Den Vermerk über sein Gespräch mit Zschäpe hatte der Beamte da schon geschrieben. Dabei blieb es. „Ich sah keine Notwendigkeit, den von mir geschriebenen Vermerk nochmals zu überprüfen und zu ergänzen. Der war ja schon Bestandteil der Akten.“ So schildert er es am Dienstag als Zeuge vor dem Oberlandesgericht München. Zschäpe schweigt vor Gericht, und deshalb könnte alles wichtig sein, was sie irgendwann erzählt hat. Doch im Großen und Ganzen kann sich der Beamte nur noch an das erinnern, was im Protokoll steht - so als hätte er nur einen Verkehrsunfall aufgenommen.

Laut Anklage soll Zschäpe die Wohnung der Terrorzelle angezündet haben, nachdem sich Mundlos und Böhnhardt am 4. November 2011 erschossen hatten. Vier Tage später stellte sie sich in Jena der Polizei. Zur Brandstiftung wollte sie nichts sagen, aber anschließend verwickelten sie die Beamten in ein informelles Gespräch. Ruhelos habe sie gewirkt, erzählt der Beamte. Tagelang war Zschäpe mit der Bahn durch die Gegend gefahren. Sie habe gesagt, „dass sie nicht mehr viele Freunde hat und versucht hat, Freunde aufzusuchen“. In den Tagen nach der Brandlegung habe sie überlegt, sich das Leben zu nehmen. Der Beamte sagte, er habe den Eindruck gehabt, dass sie froh war, dass die Flucht zu Ende war.

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Zschäpe habe sich sichtlich unwohl gefühlt in dem Trainingsanzug, den sie von der Polizei bekommen hatte. Ihre eigene Kleidung war bei der Spurensicherung. Nach der Brandstiftung hatte Zschäpe die Mütter von Mundlos und Böhnhardt angerufen, um sie vom Tod der beiden zu informieren. Die „beiden Uwes“ seien ihre Familie gewesen, habe sie gesagt. Sie sei von den beiden zu nichts gezwungen worden. Und sie habe sich gewundert, warum sie sich „so“ entwickelt hätten, obwohl sie aus behüteten Elternhäusern kamen.

Ob er nachgefragt habe, was sie mit „so entwickelt“ meinte, wird der Beamte gefragt. Nein, das hatte er nicht. Auch nicht, wozu sie „nicht gezwungen“ wurde. Er habe respektiert, dass sie keine Aussagen zur Sache machen wollte. Trotzdem: Der Mangel an dienstlicher Neugierde kann einen verwundern. Hinzu kommt: Und bei vielen Fragen beruft sich der Polizist darauf, dass er zu „ermittlungstaktischen“ Einzelheiten nichts sagen dürfe. Es ist eine zähe Befragung.

Später wird ein BKA-Beamter vernommen. Er hatte Zschäpe begleitet, als sie am 13. November 2011 mit dem Hubschrauber zum Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe gebracht wurde. Da war sie schon die wichtigste Verdächtigte Deutschlands. Da zeichnete sich ab, dass die Terroristen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ für mehrere Morde verantwortlich sein könnten.

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Während sie auf den Termin beim Richter warteten, ergab sich wieder ein Gespräch. Es sei „klar gewesen, dass man eines Tages auffliegen wird“, habe Zschäpe gesagt. Jetzt würde sie „wesentlich ruhiger schlafen“. Und sie sagte einen Satz, der den Ermittlern Hoffnung machte: Sie habe „sich nicht gestellt, um nicht auszusagen“. Eine Hoffnung, die sich bislang nicht erfüllte. Als vor Gericht die Tatvorwürfe verlesen wurden, habe sie das „sehr emotionslos“ über sich ergehen lassen, berichtet der Beamte. Auch als es um den Tod von Böhnhardt und Mundlos ging, habe sie keine Tränen gezeigt, nicht geschwitzt oder geschluckt.

Über etwas anderes hingegen schien sich Zschäpe Sorgen zu machen. Was aus ihren Katzen geworden sei, wollte sie in dem Gespräch nach der Festnahme wissen. Sie hatte sie vor dem Brand aus dem Haus gebracht. Der Beamte konnte sie beruhigen: Sie seien am Leben und im Tierheim. Wie es den Menschen im Haus erging, danach fragte Beate Zschäpe nicht. In der Wohnung neben Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt wohnte eine 89-jährige, gehbehinderte Frau. Sie wurde von Verwandten gerettet.

dpa

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