Beckstein reist zum Papst - Ökumene wohl im Blickpunkt

München - Seine erste Auslandsreise führt den neu gewählten Ministerpräsidenten Günther Beckstein (CSU) in den Vatikan. Dort wird er von Papst Benedikt XVI. an diesem Samstag zu einer Privataudienz empfangen. Beckstein ist engagierter Protestant und gehört der bayerischen Landessynode - das ist das evangelische Kirchenparlament - an.

Die Ökumene dürfte deshalb im Gespräch mit dem Papst ein Thema sein. "Wie ich Herrn Beckstein kenne, wird er dabei auch seinen Wunsch nach Fortschritten in der Ökumene nicht verhehlen", sagte der evangelische Landesbischof Johannes Friedrich der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Bei einer Kanzelpredigt am vergangenen Sonntag in Pfaffenhofen hatte Beckstein die Ökumene als "Geschenk für Bayern" bezeichnet und erklärt, dass ein versöhntes Miteinander sehr wichtig sei. Die katholische Reformbewegung "Wir sind Kirche" bezeichnete Beckstein im Hinblick auf den 2. Ökumenischen Kirchentag 2010 in München als "aktiven Partner in ökumenischer Verbundenheit".

Die Reformbewegung warnte den Regierungschef am Donnerstag in einem offenen Brief davor, sich zu sehr auf die Hierarchie der Kirche zu fokussieren: "Wenn Sie von katholischer Volkskirche sprechen, so sollten Sie als Mitglied einer reformatorischen Kirche nicht nur die Kirchenhierarchie, sondern auch das Kirchenvolk im Blick haben."

Der Ministerpräsident wird den Papst am späten Vormittag im Apostolischen Palast treffen. Am Abend wird Beckstein, der von seiner Frau Marga begleitet wird, das Konzert besuchen, das das Symphonieorchester und der Chor des Bayerischen Rundfunks für den Papst geben. Da Beckstein als Innenminister dem Rundfunkrat angehört habe, sei er schon damals zu diesem Konzert eingeladen worden, berichtete ein Sprecher der Staatskanzlei: "Jetzt ist es eine schöne Fügung, dass er dadurch seine erste Auslandsreise als Ministerpräsident in den Vatikan unternimmt."

Landesbischof Friedrich wertete die Visite Becksteins in Rom als Zeichen für die Katholiken in Bayern, dass "auch ein evangelischer Ministerpräsident an ihrer Freude über den 'bayerischen Papst' Anteil nimmt".

In einem Interview mit Radio Vatikan hatte Beckstein vor wenigen Tagen gesagt: "Es ist ein Glücksfall für uns in Bayern, dass ein Bayer Papst geworden ist. Ich setze darauf, dass das die volkskirchlichen Strukturen in Bayern massiv stärkt und den Glauben der Menschen und damit auch das Glück der Menschen befördert." Obwohl er als evangelischer Christ "die lutherische Theologie" ernstnehme, sei er froh, dass es in Bayern eine katholische Volkskirche gebe. "Das ist ein großer Segen für unser Land", denn dadurch gebe es weniger Egoismus und eine größere Bereitschaft, sich für andere Menschen einzusetzen.

Beim Konzert, das vom Bayerischen Fernsehen und dem Hörfunksender Bayern 4 Klassik live übertragen wird, steht nach Angaben des Senders Ludwig van Beethovens 9. Symphonie auf dem Programm. Auf Wunsch des Papstes wird auch die Motette "Tu es Petrus" des Renaissance- Komponisten Giovanni Pierluigi da Palestrina aufgeführt. Chefdirigent Mariss Jansons nannte es "eine große Ehre", im Vatikan auftreten zu dürfen.

Benedikt XVI. gilt als Musikkenner und -liebhaber. Konzerte deutscher Orchester für den Papst haben deshalb schon Tradition: Den Auftakt machten vor zwei Jahren die Münchner Philharmoniker unter der Leitung von Christian Thielemann und die Regensburger Domspatzen. Zum 80. Geburtstag des Pontifex trat das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart im Vatikan auf. Vergangenen Sommer gastierten die Bamberger Symphoniker im Innenhof des päpstlichen Sommersitzes Castel Gandolfo.

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