Wird Timoschenko zwangsernährt?

Kiew- Eine Zwangsernährung der in der Haft in den Hungerstreik getretenen ukrainischen Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko ist nach Angaben der Justizbehörden der Ukraine nicht ausgeschlossen.

“Wir werden sie auf jeden Fall nicht sterben lassen.“ Das sagte ein namentlich nicht genannter Mitarbeiter des Gefängnisses in Charkow, in dem die Oppositionsführerin inhaftiert ist, der ukrainischen Zeitung “Segodnja“.

Auf ihrer Internetseite zitierte die Zeitung am Freitag auch Timoschenkos Verteidiger Sergej Wlassenko. Er mache sich Sorgen, da die 51-Jährige mittlerweile stark geschwächt sei, sagte der Anwalt. Die Politikerin befindet sich aus Protest gegen ihre Behandlung im Co-Gastgeberland der Fußball-Europameisterschaft seit dem 20. April im Hungerstreik.

Die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft lehnte unterdessen ein Angebot des neu gewählten russischen Präsidenten Wladimir Putin ab, Timoschenko in Moskau behandeln zu lassen. Schon Deutschland sei darüber informiert worden, dass die ukrainische Gesetzgebung eine Pflege von Häftlingen im Ausland nicht vorsehe, sagte ein Sprecher in Kiew.

Russland bekräftigte jedoch seine Kritik an der Ukraine. Kremlchef Dmitri Medwedew werte den Fall Timoschenko als “politisch motiviert“, teilte der Kreml in Moskau mit. Die Ex-Regierungschefin war wegen eines angeblich schlechten Gasvertrags mit Russland wegen Amtsmissbrauchs zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Moskau sieht den Fall daher auch als Angriff auf sich.

Eine Woche nach einer Bombenserie mit 30 Verletzten in der ukrainischen Stadt Dnjepropetrowsk seien bisher keine Verbindungen der vier Explosionen zur Fußball-EM im Juni sichtbar geworden. Das sagte Alexander Birsan, der EM-Verantwortliche von Präsident Viktor Janukowitsch. Die Behörden gingen immer mehr von einem kriminellen Hintergrund aus. Die Ukraine “garantiere“, dass die EM ein ausgelassenes Fest des Sportes werde, sagte Birsan.

Im Fall Timoschenko hatten auch Boykott-Drohungen westlicher Politiker den zweitgrößten Flächenstaat Europas bisher nicht zum Einlenken veranlasst.

dpa

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