Diskussionsrunde gestört

Eklat bei AfD-Redner: Polizei führt Studenten aus Audimax ab

Einen handfesten Eklat gab‘s am Montagabend an der Uni Passau: Studenten störten eine Diskussionsrunde mit AfD-Beteiligung mit lautem Jubel - bis die Polizei eingriff.

Passau - Universitäten sind immer noch Orte der politischen Auseinandersetzung - manchmal geht es dabei auch recht drastisch zu. So wie am Montagabend in Passau. Dort führten bewaffnete Polizisten eine Gruppe Studenten aus dem Audimax ab, wie unter anderem der Bayerische Rundfunk berichtet. Der Grund: Die Studierenden hatten massiv die Redebeiträge eines AfD-Politikers gestört. Und zwar mit lautem Jubel.

Zu der Diskussion zum Thema „Die 4. Gewalt - Die Macht der Medien“ war neben Wissenschaftlern und Journalisten als einziger Politiker der Thüringer AfD-Chef Stefan Möller geladen. Zu Wort kam der Landtagsabgeordnete aber zunächst nicht: Etwa 20 laut BR - nach Angaben der Passauer Neuen Presse 5 bis 10 - der rund 500 Zuhörer applaudierten, jubelten und klopften lautstark auf die Tische, sobald Möller das Wort ergriff.

„Man rechnet mit Störern, wenn die AfD eingeladen ist“

Der Kanzler der Passauer Universität, Achim Dilling, habe daraufhin mehreren Störern Hausverbot erteilt, heißt es. Als die Protestierenden den Hörsaal dennoch nicht verließen, sei die Polizei eingeschritten: Nach längerem Zureden hätten Beamte der Bereitschaftspolizei die Studenten einzeln aus dem Raum geführt, schreibt der BR. Danach sei die Diskussion störungsfrei über die Bühne gegangen.

Die Universität hatte offenbar bereits im Vorfeld Schwierigkeiten erwartet. "Man rechnet in Passau mit Störern, wenn die AfD eingeladen ist", sagte Uni-Sprecher Michael Ammerl der Passauer Neuen Presse. Bereits vor dem Beginn der Veranstaltung seien gut 20 Polizisten vor Ort gewesen.

Studenten-Gruppe hatte zu Protesten aufgerufen

Tatsächlich hatte die Vereinigung „LUKS“, „Liste der unabhängigen kritischen Student*innen“, vorab in einem Facebook-Post zu Protesten aufgerufen. In einem offenen Brief hatte die Gruppe zudem erklärt, es sei „schlicht nicht nachvollziehbar, warum ein Politiker, der nichts mit Medien zu tun hat, außer oft in ihnen erwähnt zu werden, mit Medienwissenschaftler*innen auf ein Podium gesetzt wird“. Möller gehöre dem rechtsextremen Flügel der AfD um seinen Co-Landessprecher Björn Höcke an.

Ob der Vorfall ein juristisches Nachspiel haben wird, ist offenbar noch offen. "Wir werden das jetzt juristisch prüfen, ob wir Anzeigen wegen Hausfriedensbruch gegen die Demonstranten stellen", sagte Kanzler Dilling dem BR. Die Universitätsleitung hatte die Planungen der Veranstaltungsmacher unterstützt: Man müsse, gerade an einer Universität, demokratisch und offen diskutieren können, betonten sie.

Welches überraschende Ende ein Prozess wegen eines Tortenwurfs auf AfD-Politikerin Beatrix von Storch kürzlich gefunden hat, das erfahren Sie in diesem Artikel.

fn

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

US-Rechtspopulist Steve Bannon will mit neuer "Bewegung" ins EU-Parlament
Steve Bannon, umstrittener Ex-Berater von Präsident Donald Trump und Galionsfigur der radikalen Rechten in den USA, konzentriert sich einem Medienbericht zufolge jetzt …
US-Rechtspopulist Steve Bannon will mit neuer "Bewegung" ins EU-Parlament
Korruptionsaffäre um Juan Carlos spitzt sich zu
Nach seiner Abdankung im Jahr 2014 war der spanische Altkönig Juan Carlos weitgehend aus den Schlagzeilen verschwunden. Nun wird der 80-Jährige von seiner Vergangenheit …
Korruptionsaffäre um Juan Carlos spitzt sich zu
CSU fordert Durchgreifen bei abgelehnten Asylbewerbern
Die CSU geht aus dem jüngsten Streit um die Asylpolitik leicht gerupft hervor. Deshalb demonstriert sie jetzt Geschlossenheit. Doch die Meinungsverschiedenheiten …
CSU fordert Durchgreifen bei abgelehnten Asylbewerbern
Donald Trump wird Opfer eines fiesen Internet-Streichs: Wer diesen Begriff googelt, findet ihn
Donald Trump wurde Opfer einer Google-Bombe. Wer den einen bestimmten Begriff eintippt, bekommt als Ergebnis hauptsächlich Bilder des Präsidenten.
Donald Trump wird Opfer eines fiesen Internet-Streichs: Wer diesen Begriff googelt, findet ihn

Kommentare