Gründerin einer neuen Partei

Belarus: Wer ist die Oppositionelle Maria Kolesnikowa?

  • Fabian Müller
    vonFabian Müller
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Die Belarusin Maria Kolesnikowa ist gerade in aller Munde. Doch wer ist die 38-Jährige, die Präsident Alexander Lukaschenko stürzen will?

  • Maria Kolesnikowa ist zu einer der wichtigsten oppositionellen Politikerinnen in Belarus geworden.
  • Wohl auch deshalb ist sie seit einiger Zeit unauffindbar, eine Entführung steht im Raum.
  • Wer ist Maria Kolesnikowa und warum wird sie in dem osteuropäischen Land eine immer wichtigere Figur?

Minsk - Die Gerüchte um den Verbleib der belarusischen Oppositionspolitikerin Maria Kolesnikowa reißen nicht ab. Es gibt Berichte, wonach sie sich in der Ukraine befindet, sie habe die Grenze mit mehreren Mitarbeitern überquert. Andere sprechen davon, dass sie entführt und im Land festgehalten wird. Und wieder andere meinen zu wissen, sie habe ihren Pass an der Grenze zerrissen, damit sie nicht ausgewiesen werden kann, woraufhin sie festgenommen wurde. Klar ist nur, dass die 38-Jährige für Belarus‘ Präsidenten Alexander Lukaschenko zu einer gefährlichen politischen Konkurrentin geworden ist.

Denn: Die Demokratiebewegung in Belarus (umgangssprachlich auch Weißrussland genannt) um Maria Kolesnikowa hat die Gründung einer Partei zur Erneuerung des Landes verkündet. Die politische Kraft mit dem Namen Wmestje - zu Deutsch: Miteinander - solle den Menschen, die Veränderungen wollten, eine Basis geben, so die 38-Jährige.

Die belarusische Oppositionelle Maria Kolesnikowa.

Maria Kolesnikowa: Oppositionelle hat viele Jahre in Deutschland gelebt

Kolesnikowa hat viele Jahre von Stuttgart aus internationale Kulturprojekte gemanagt und lebt erst seit einigen Monaten wieder dauerhaft in Minsk. Sie gilt als eines der wichtigsten Gesichter in der Bürgerbewegung gegen den umstrittenen Staatschef Alexander Lukaschenko. Kolesnikowa arbeitet für den Ex-Bankenchef Viktor Babariko, der um das Präsidentenamt kandidieren wollte. Lukaschenko ließ ihn aber vor der Wahl verhaften, das Strafverfahren gilt als politisch motiviert.

„In den vergangenen drei Monaten haben wir alle miteinander mehr geschafft als in den vergangenen 26 Jahren. Miteinander haben wir gekämpft und werden weiter kämpfen für die Freiheit und für unsere Zukunft“, sagte Kolesnikowa in einer Videobotschaft. In dem Clip gibt es auch einen Auftritt Babarikos vor seiner Verhaftung. Er sagt, dass es an der Zeit sei, die Arbeit auf eine neue Stufe zu stellen. Vorrangige Aufgabe sei es nun, eine Verfassungsänderung zu gestalten.

Maria Kolesnikowa: Demokratiebewegung fordert Rücktritt von „Europas letztem Diktator“

Die Partei arbeitet unabhängig von dem unlängst gegründeten Koordinierungsrat der Zivilgesellschaft für einen Machtwechsel in Belarus. Die Demokratiebewegung fordert den Rücktritt von „Europas letztem Diktator“, wie Lukaschenko genannt wird. Ziele sind außerdem die Freilassung aller politischen Gefangenen sowie faire und freie Neuwahlen.

Der Miteinander-Partei gehe es darum, Verantwortung zu übernehmen für den Aufbau einer neuen Gesellschaft, sagte Kolesnikowa. Sie sei nötig, um auf die aktuellen Herausforderungen zu reagieren und engagierten Bürgern eine politische Heimat zu geben. Ziel sei es, die politische, soziale und wirtschaftliche Krise im Land zu beenden. Unklar war zunächst das Programm der Partei, die nun erst eine Registrierung beantragen will. In Belarus gibt es bisher keine Parteien im üblichen Sinne mit einem starken eigenen Profil.

Maria Kolesnikowa: 38-Jährige war im Wahlkampf gemeinsam mit Weronika Zepkalo und Swetlana Tichanowskaja aufgetreten

Die 38-Jährige war vor den Wahlen im August zusammen mit Weronika Zepkalo an der Seite der Oppositionskandidatin Swetlana Tichanowskaja aufgetreten. Sie hatte zuvor als Kampagnen-Chefin für die Kandidatur des Ex-Bankers Viktor Babaryko gearbeitet, der heute im Gefängnis sitzt. Tichanowskaja hält sich inzwischen im benachbarten Litauen auf, Zepkalo in der Ukraine.

Maria Kolesnikowa (rechts), Swetlana Tichanowskaja (Mitte) und Veronika Zepkalo (links) bei einem Wahlkampfauftritt im Juli.

Seit der umstrittenen Präsidentschaftswahl am 9. August demonstrieren die Menschen in Belarus gegen den seit 26 Jahren autoritär regierenden Lukaschenko. Sie werfen der Regierung massiven Betrug bei der Wahl vor, die Lukaschenko nach offiziellen Angaben mit 80 Prozent der Stimmen gewonnen hatte. Dabei lassen sie sich auch von der Gewalt der Sicherheitskräfte nicht abschrecken.

Trotz des wachsenden Drucks auch von Seiten der Europäischen Union weigert sich Lukaschenko, den Demonstranten entgegenzukommen. Er spricht von einer „Verschwörung“ des Westens und setzt auf die Unterstützung Moskaus, um an der Macht zu bleiben. (fmü/dpa/AFP)

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