Fall Protasewitsch

Ryanair-Landung in Belarus: Brisanter Email-Fund! Angebliche „Bombendrohung“ kam erst später

  • VonTanja Kipke
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Belarus steht wegen einer Flugzeug-Landung und Festnahme eines Kritikers in Kritik. Laut Lukaschenko ist eine Bombendrohung der Grund gewesen. Das scheint fraglich.

Minsk - Am Sonntag (23. Mai) wurde ein Ryanair-Flugzeug zur Landung in Minsk gezwungen. An Bord befand sich der Regimekritiker Roman Protasewitsch, den Polizisten direkt nach der Landung in Belarus festnahmen. Die Flugumleitung löste international heftige Kritik aus. Viele Fluggesellschaften meiden seitdem den Luftraum über Belarus und die EU hat bereits Sanktionen beschlossen. Belarus jedoch beruft sich auf eine angebliche Droh-Mail, die der Grund gewesen sei, dass man das Flugzeug zur Landung gedrängt habe. Nach neuen Erkenntnissen scheint es, dass diese E-Mail aber erst nach dem Einleiten der Landung am Minsker Flughafen angekommen sei.

Nach Ryanair-Landung: Belarus will Bombendrohung per E-Mail von Hamas erhalten haben

Nach Angaben der belarussischen Regierung lag gegen das Ryanair-Flugzeug ein Drohschreiben der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas vor, wie die AFP berichtet. In der E-Mail habe es unter anderem geheißen, dass an Bord der Maschine „eine Bombe deponiert“ sei, sagte am Montag der Chef der Luftfahrt-Abteilung im belarussischen Transportministerium, Artem Sikorski. Zum Beleg las er nach eigenen Angaben eine russische Übersetzung der angeblich auf englisch abgefassten E-Mail vor.

In der E-Mail hieß es laut Sikorski: „Wir, Soldaten der Hamas, fordern, dass Israel die Angriffe auf den Gazastreifen einstellt. Wir verlangen, dass die Europäische Union ihre Unterstützung für Israel einstellt.“ Sollten diese Forderungen nicht erfüllt werden, „wird eine Bombe über Vilnius explodieren“. Die Hamas stritten jegliche Verbindung zur Bombendrohung ab. Im Nahost-Konflikt herrscht schon seit dem 21. Mai eine ausgehandelte Waffenruhe.

Landung der Ryanair-Maschine wird noch vor Eingang der angeblichen Drohmail eingeleitet

Gegen 12.30 Uhr erreichte die Ryanair-Maschine auf dem Weg von Athen nach Vilnius den belarussischen Luftraum. Kurz danach warnte die Minsker Flugkontrolle das Flugzeug vor einer Bombendrohung und empfahl dem Piloten in Minsk zu landen. In dem von Belarus veröffentlichten Funkverkehr sagte die Flugsicherung: „Wir wurden von den Sicherheitsdiensten informiert, dass Sie eine Bombe an Bord haben und sie über Vilnius gezündet werden kann“. Daraufhin fragte der Pilot nach der Herkunft dieser Information. Sie sei per E-Mail an den Minsker Flughafen geschickt worden, so die Flugsicherung.

Um 12.47 Uhr wechselte das Flugzeug seinen Kurs und steuerte auf Minsk zu. Dies geht aus dem Funkverkehr mit dem Piloten hervor. Die besagte Drohmail mit der Bombendrohung ging jedoch erst um 12.57 Uhr auf einem Account des Minsker Flughafen ein - also fast eine halbe Stunde nachdem die Flugkontrolle die Landung der Maschine eingeleitet hatte. Der Spiegel konnte Inhalt und Zeitangaben dieser E-Mail einsehen.

Auch Lukaschenkos Bemerkung, er habe Nachricht über eine Bombe an Bord aus der Schweiz bekommen, wirft einige Rätsel auf. Der Spiegel spekuliert, dass dies womöglich daran liege, dass der Anbieter der besagten Drohmail seinen Sitz in Genf habe. (tkip) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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