Erstes Lebenszeichen nach Entführung

Belarus-Regime führt Protasewitsch in Video vor: Vater sieht Folter-Spuren und weist auf wichtige Details hin

  • Patrick Mayer
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Das belarussische Regime von Machthaber Alexander Lukaschenko zeigt ein Video von Roman Protasewitsch. Es soll das erste Lebenszeichen des Regimekritikers sein.

München/Minsk - Ein Video wie eine Inszenierung: Es soll das erste Lebenszeichen des festgenommenen belarussischen Regimekritikers Roman Protasewitsch sein. Das Staatsfernsehen in Weißrussland zeigte am Montagabend (24. Mai) ein Video des 26-jährigen Oppositionellen. Protasewitsch spricht dabei einen offenbar auswendig gelernten Text auf.

Roman Protasewitsch: Im Video - erstes Lebenszeichen von Regimekritiker von Alexander Lukaschenko

Und: Auf seiner Stirn ist offenbar eine Verletzung zu sehen. Ein Rückblick: Am Pfingstwochenende hatte sich das weißrussische Regime in einer international für Aufsehen erregenden Aktion dem Regierungskritiker ermächtigt - angeblich auf Befehl des autoritären Machthabers Alexander Lukaschenko. Ein MIG-Kampfjet zwang dabei eine Ryanair-Maschine kurz vor der geplanten Ankunft im benachbarten Litauen zur Notlandung in der belarussischen Hauptstadt Minsk. An Bord: Protasewitsch.

Jetzt das Video! Der Blogger schildert darin, dass er sich im „Gefängnis Nr. 1“ befinde - und dass es ihm gesundheitlich gut gehe. Der ganze Text laut Übersetzung der Bild im Wortlaut:

  • Roman Protasewitsch im Video: „Guten Tag, ich bin Roman Protasewitsch, gestern wurde ich am nationalen Flughafen in der Stadt Minsk von den Einsatzkräften des Innenministeriums festgenommen. Zurzeit befinde ich mich im Gefängnis Nr. 1. Hiermit erkläre ich, dass ich keine Probleme mit der Gesundheit, mit dem Herzen oder anderen Organen habe. Ich werde gut behandelt und es erfolgt alles nach Gesetzen. Ich arbeite mit den Ermittlungskräften zusammen und mache Angaben über die Organisation der Massenunruhen in Minsk.“

Zuvor hatte sich noch der regimekritische Narichtenkanal Nexta auf die Mutter des Oppositionellen berufen, wonach Roman Protasewitsch mit Herzproblemen in einem Krankenhaus liege. Die Information ließ sich bislang nicht verifizieren, auch nicht, von wann das ausgestrahlte Video mit dem jungen Mann stammt.

Vater Protasewitsch äußert sich: „Totaler Irrsinn“

Der Vater des inhaftierten Journalisten, Dsmitri Protasewitsch, äußerte sich dagegen bereits zu dem Video. Er glaube, dass sein Sohn zu einem Schuldeingeständnis durch Anwendung von Gewalt gezwungen worden sei. „Es ist möglich, dass seine Nase gebrochen ist, denn ihre Form ist anders und es ist eine Menge Make-up-Puder darauf. Die ganze linke Seite seines Gesichts ist abgepudert“, sagte in einem Interview am späten Montag der Nachrichtenagentur Reuters.

„Es sind nicht seine Worte, es ist nicht seine Art, wie er spricht. Er verhält sich sehr reserviert und man kann sehen, dass er nervös ist.“ Und es sei nicht seine Zigarettenschachtel auf dem Tisch. Sein Sohn rauche nicht einmal, so der Vater. Daher denke er, dass sein Sohn zu der Aussage, er habe die Proteste in Belarus angestachelt, gezwungen wurde. „Mein Sohn kann nicht zugeben, die Massenunruhen verursacht zu haben, weil er so etwas einfach nicht getan hat.“ Die Inhaftierung seines Sohnes sei ein Akt der Vergeltung und soll Regierungskritikern zeigen: „Schaut, wozu wir in der Lage sind. Das ist totaler Irrsinn, was hier passiert.“

Roman Protasewitsch: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) fordert von Alexander Lukaschenko Freilassung

Im Rahmen des EU-Gipfels zur Belarus-Krise hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Freilassung von Protasewitsch und seiner ebenfalls inhaftierten Freundin Sofia Sapega gefordert. Die Europäische Union (EU) berät parallel über strikte Sanktionen gegen Lukaschenko und sein autoritäres Regime. (pm)

Rubriklistenbild: © Telegram/dpa

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