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Die Airberlin-Belegschaft schrieb Horst Seehofer einen Brief.

Belegschaft protestiert

Seehofers Ärger mit Airberlin

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München - Wegen des Lufthansa-Streiks wurde für Horst Seehofer ein Ersatzflug mit Airberlin gebucht. Den trat er aber nicht an - die Belegschaft der Airline ist gekränkt und schrieb Seehofer einen Brief. 

Für den Besuch aus Bayern schmissen sie sogar den Zeitplan über den Haufen: Vorigen Montag sollte Ministerpräsident Horst Seehofer als Ehrengast in Düsseldorf auftreten, bei einem Netzwerktreffen. Der Oberbürgermeister hätte ihn begrüßt, Seehofer und hohe Tiere aus der Wirtschaft hätten bei Gänsebraten geratscht. Und weil der CSU-Chef noch am Abend zurück nach München fliegen wollte, um Dienstagfrüh in der Staatskanzlei am Kabinettstisch zu sitzen, fing man mit der Party eine Stunde früher an. Hätte, hätte – es kam anders. Jetzt ist die Airberlin-Belegschaft sauer auf Seehofer. Und das kam so.

Der Lufthansa-Streik Anfang der Woche hätte auch Seehofers Rückflug betroffen. Nun hatten die Düsseldorfer Veranstalter in weiser Voraussicht einen Airberlin-Ersatzflug für Seehofer gebucht, obwohl das zu diesem Zeitpunkt sicher nicht einfach war – ein ehemaliger Airline-Chef, der ebenfalls zu dem Treffen geladen war, half mit. Und trotzdem sagte der Ministerpräsident am Montag für Montagabend ab, Bundesverkehrsminister Dobrindt sprang ein.

Offenbar enttäuschte Seehofer die Düsseldorfer gewaltig. Denn am nächsten Tag stand in der „Rheinischen Post“, die das Event mitveranstaltete: „Seehofer ließ von München nach Düsseldorf übermitteln, dass er, da die Lufthansa nun mal streike, nicht gedenke, in einem Airbus der Airberlin Platz zu nehmen.“ Und weiter: Eine Absage am Veranstaltungstag habe es in 15 Jahren erst einmal gegeben, „und zwar aus triftigem Grund, als Wolfgang Schäuble zu seiner Mutter musste, die im Sterben lag“.

Vermutlich hätte der Ärger Nordrhein-Westfalens Grenzen nie überschritten – wenn sich nicht auch 1000 bayerische Airberlin-Mitarbeiter gekränkt fühlen würden. Die schrieben Seehofer einen Brief: „Wir mögen uns nicht vorstellen, dass es der bayerische Ministerpräsident ablehnt, Airberlin zu fliegen. In der gegenwärtig schwierigen wirtschaftlichen Situation der Airberlin würden wir uns vielmehr eine Unterstützung wünschen“, schreiben Personalvertreter und Betriebsräte.

Seehofers Umfeld ist verwundert, dass die Geschichte so aufgebauscht wird. Offiziell heißt es aus der Staatskanzlei: „Es stimmt nicht, dass Seehofer gesagt hat, er fliege nicht mit Airberlin.“ Der Ministerpräsident habe sich allein aufgrund der Unwägbarkeiten des Streiks entschlossen, nicht zu fliegen. Seehofer will demnächst einen klärenden Brief an die Airberlin-Belegschaft schreiben.

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