+
Einsatz in Brüssel: Die belgischen Terrorfahnder kommen voran. Foto: Stephanie Lecocq

Brüssel-Terroristen wollten erneut in Frankreich zuschlagen

Nach und nach enttarnen die belgischen Ermittler das Terrornetzwerk von Brüssel. Der ominöse "Mann mit Hut" sitzt in Haft. Die Islamisten wollten eigentlich erneut Frankreich treffen - wichen aber unter Zeitdruck nach Brüssel aus.

Brüssel (dpa) - Die Attentäter von Brüssel wollten eigentlich einen neuen Terroranschlag in Frankreich verüben. Die Islamisten kamen aber wegen intensiver Polizeiermittlungen unter Zeitdruck und wichen auf Brüssel als Anschlagsziel aus.

Dies teilte die Staatsanwaltschaft in Belgien mit. Sie identifizierte zudem den fieberhaft gesuchten "Mann mit Hut", den dritten mutmaßlichen Terroristen vom Brüsseler Flughafen: Es ist der schon Freitag gefasste 31-jährige Belgier Mohamed Abrini.

Dieser Fahndungserfolg untermauert die Verbindungen zwischen den Terrorserien von Brüssel und Paris. Abrini wurde bereits seit Ende November wegen mutmaßlicher Unterstützung der Pariser Anschläge mit 130 Todesopfer gesucht. Nach seiner Festnahme am Freitag konfrontierten die Ermittler den 31-Jährigen mit Indizien, worauf dieser seine Anwesenheit am Tatort zugab.

Abrini werden Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung sowie terroristische Morde vorgeworfen - sowohl im Verfahren zur Pariser Mordserie als auch in den Ermittlungen zu den Brüsseler Anschlägen vom 22. März. Auf Fahndungsfotos und -videos vom Flughafen war er stets mit einer hellen Jacke und einem dunklen Hut zu sehen gewesen, an der Seite der beiden Selbstmordattentäter. Nun sagte Abrini den Ermittlern, er habe die Jacke später in einen Mülleimer geworfen und den Hut verkauft.

Mit Osama K. ist zudem der zweite überlebende Terrorverdächtige in Haft, der an einem der Brüsseler Tatorte beobachtet wurde. Er konnte als Begleiter des Attentäters, der sich in der Metro in die Luft sprengte, identifiziert werden. Auch beim Einkauf der Taschen, die die Terroristen bei den Anschlägen nutzen, sei er dabei gewesen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Ihm wird die Beihilfe zu terroristischen Morden zur Last gelegt. Gegen ihn, Abrini und zwei weitere mutmaßliche Komplizen wurde Haftbefehl erlassen, allen wird die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen.

Mit der Identifizierung Abrinis wird immer deutlicher, dass die Täter der Brüsseler und Pariser Terroranschläge in äußerst enger Verbindung standen. Denn Abrini war auch in die Mordserie von Paris verwickelt, obwohl seine genaue Rolle unklar ist. Er war zwei Tage vor den Attentaten gemeinsam mit dem inzwischen festgenommenen Salah Abdeslam an einer Tankstelle an der Autobahn nach Paris gefilmt worden. Mit Abdeslam, einem Hauptverdächtigen der Paris-Ermittlungen, soll Abrini auch eine Unterkunft für die Terroristen nahe Paris gemietet haben.

Bei den Anschlägen am Brüsseler Flughafen und in einem U-Bahn-Wagen hatten die Terroristen am 22. März 32 Menschen getötet. Die Terrorserie von Paris am 13. November vergangenen Jahres kostete 130 Opfer das Leben, zudem starben am Tag der Anschläge und bei einer späteren Polizeiaktion insgesamt neun Attentäter. In beiden Fällen bekannte sich die Terrormiliz Islamischer Staat zu den Anschlägen, die in Syrien, im Irak und in Libyen große Gebiete beherrscht.

Fahndungsaufruf belgische Polizei

Interpol zu Mohamed Abrini

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

IS-Propaganda via WhatsApp: Polizei nimmt Syrer in Sachsen fest
Ein junger Syrer hat seit Monaten IS-Propaganda verbreitet und auch Videos von Hinrichtungen veröffentlicht. Nun greift die Bundespolizei zu und nimmt den Mann fest.
IS-Propaganda via WhatsApp: Polizei nimmt Syrer in Sachsen fest
Ermittlungen gegen Macron-Mitarbeiter: Er soll Demonstranten geschlagen haben
In Frankreich herrscht helle Aufregung wegen eines Sicherheitsmannes von Emmanuel Macron. Dieser soll einen Demonstranten geschlagen haben. Nun drohen ihm rechtliche …
Ermittlungen gegen Macron-Mitarbeiter: Er soll Demonstranten geschlagen haben
Asylstreit bei Hayali: „Wer hat da gelacht?“ - Ramsauer „beleidigt“ in Livesendung Zuschauer
Auch im Sommerloch erhitzt das Thema Asyl in Polit-Talkshows die Gemüter - besonders das von Peter Ramsauer. Nicht die einzige Erkenntnis bei der Premiere von „Dunja …
Asylstreit bei Hayali: „Wer hat da gelacht?“ - Ramsauer „beleidigt“ in Livesendung Zuschauer
Landtagswahl 2018 in Bayern im News-Blog: Opposition rückt ins Rampenlicht
Landtagswahl 2018 in Bayern im News-Blog: Hier schreiben Mike Schier und Christian Deutschländer, die Landtags-Korrespondenten des Münchner Merkur.
Landtagswahl 2018 in Bayern im News-Blog: Opposition rückt ins Rampenlicht

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.