Benjamin Netanjahu, Ministerpräsident von Israel, spricht während einer Pressekonferenz über die Entwicklung der Coronavirus-Zahlen in Isra
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Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu regiert das Land mit seiner rechtskonservativen Partei Likud.

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Benjamin Netanjahu: Leben und Karriere des Premierministers von Israel

Er ist der am längsten regierende Ministerpräsident Israels – und doch ist Benjamin Netanjahus Beliebtheit beim Volk dürftig.

  • Benjamin Netanjahu wurde erstmals 1996 zum Premierminister Israels gewählt. Inzwischen ist er der am längsten regierende Ministerpräsident Israels.
  • Er ist für seine kompromisslose Politik im Nahostkonflikt bekannt, die er als Chef der rechtskonservativen Partei Likud verfolgt.
  • Nach Korruptionsskandalen nahm die Popularität des Regierungschefs immer mehr ab. Auch sein Handeln in der Corona-Krise wird kritisiert.

Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu wurde am 21. Oktober 1949 in Tel Aviv geboren. Er ist der Sohn des Historikers und zionistischen Aktivisten Benzion Netanjahu und seiner Frau Zila, die außerdem die Söhne Jonathan und Iddo hatten. Jonathan gilt in Israel als Kriegsheld, nachdem er bei einer militärischen Befreiungsaktion von Geiseln 1976 sein Leben verlor. Nachdem die Kinder zunächst in Jerusalem aufwuchsen, zog die Familie später in die USA, wo Benzion Netanjahu an Hochschulen wie der University of Denver lehrte. Benjamin Netanjahu besuchte die Cheltenham High School im Bundesstaat Pennsylvania, wo er 1967 auch seinen Abschluss machte.

Folglich kehrte Netanjahu zurück nach Israel, um den Israelischen Verteidigungsstreitkräften beizutreten. Fünf Jahre lang kämpfte er in einer Elite-Truppe und wurde unter anderem im Abnutzungskrieg zwischen Ägypten und Israel eingesetzt. Dabei wurde er bei mehreren Einsätzen verletzt und etwa an der Schulter angeschossen. 1972 wurde der Politiker vom aktiven Dienst entlassen und kehrte in die USA zurück, um Architektur am Massachusetts Institute of Technology (MIT) zu studieren. Bereits im Oktober 1973 kehrte er zurück, um im Jom-Kippur-Krieg zu dienen. 1975 schloss Netanjahu sein Bachelor-Studium ab, ein Jahr später folgte ein Master-Abschluss an der MIT Sloan School of Management. Außerdem studierte er Politikwissenschaften an der Harvard University und am MIT.

Benjamin Netanjahu: Politische Anfänge und Werdegang

1976 begann Benjamin Netanjahu, als Unternehmensberater bei der Boston Consulting Group zu arbeiten. Dort arbeitete er mit dem späteren US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney zusammen, mit dem er ein freundschaftliches Verhältnis aufbaute. Nachdem sein Bruder Jonathan bei der Operation Entebbe starb, gründete die Familie Netanjahu das Jonathan Institute, das Veranstaltungen organisierte, die vom internationalen Terrorismus gegen Israel handelten. Um das Institut zu leiten, zog Benjamin Netanjahu 1978 zurück nach Israel. Dort knüpfte er erste politische Kontakte und lernte Moshe Arens kennen, der damals als israelischer Botschafter in den USA arbeitete. 1982 verschaffte Arens ihm den Posten als stellvertretender Botschafter in Washington. Zwei Jahre später wurde er zum Ständigen Vertreters Israels bei den Vereinten Nationen in New York. Während dieser Zeit freundete sich Netanjahu mit dem Immobilien-Unternehmer Fred Trump an, den Vater des gegenwärtigen US-Präsidenten Donald Trump.

Seine Rückkehr nach Israel folgte 1988. Dort schloss sich der aufstrebende Politiker der rechtskonservativen Partei Likud an und wurde als Abgeordneter in die Knesset gewählt, das israelische Einkammerparlament. Anschließend folgte das Amt des stellvertretenden Außenministers. 1993 wurde Netanjahu zum Parteichef des Likud gewählt, nachdem dieser verheerende Wahlergebnisse erzielt hatte.

Benjamin Netanjahu: Aufstieg zum Premierminister von Israel

1996 kandidierte Benjamin Netanjahu bei der Wahl des neuen Premierministers Israels. Sein Vorgänger Schimon Peres hatte vorzeitige Wahlen angesetzt, nachdem es zu einer Reihe an palästinensischen Selbstmordanschlägen auf israelische Zivilisten gekommen war, bei der 32 Bürger ums Leben gekommen waren. Daraufhin sank das Vertrauen der Bevölkerung in Peres rapide. Netanjahu wiederum sicherte sich die Dienste des amerikanischen Wahlkampf-Strategen Arthur J. Finkelstein, der über Jahrzehnte für konservative und rechte Kandidaten auf der ganzen Welt arbeitete. Obwohl Netanjahus teils aggressive Kampagne mit Kritik aufgefasst wurde, erwies sie sich als erfolgreich: am 26. Mai 1996 wurde er zum neuen Premierminister Israels gewählt. Damit war er die jüngste Person in der Geschichte des Staates, die das höchstrangige israelische Amt antrat. Um eine Regierungsbildung möglich zu machen, musste Netanjahu eine Koalition mit den ultra-orthodoxen Parteien Shas und UTJ eingehen, da die Opposition mehr Stimmen im Parlament gewonnen hatte.

Wie bereits im Wahlkampf angekündigt, verfolgte der neue Premierminister eine weit kompromisslosere Linie als sein Vorgänger. Die Palästinensische Autonomiebehörde solle ihrer Verpflichtung nachkommen und den Terrorismus bekämpfen, so Netanjahus Forderung. Weiterhin kritisierte er das Oslo-Abkommen, das sein Vorgänger Yitzhak Rabin mit dem Palästinenser-Anführer Jassir Arafat getroffen hatte, da den Palästinensern zu viele Zugeständnisse gemacht werden würden. Seiner Meinung nach bot dies nur Raum für Extremisten. Obwohl Netanjahu das Abkommen grob verfolgte, kam es während seiner Amtszeit zu einer Verlangsamung des Friedensprozesses.

Im August 1996 hob er den von Schimon Peres verfügte Baustopp für israelische Siedlungen in den Palästinensergebieten auf. Im selben Jahr ließ er einen Ausgang für den Klagemauertunnel öffnen, was zu dreitägigen Unruhen der Palästinenser und zahlreichen Toten auf beiden Seiten führte.

Im Oktober 1998 unterzeichneten Netanjahu und Jassir Arafat das Wye-Abkommen, das den Truppenabzug der israelischen Streitkräfte aus dem Westjordanland regeln sollte. Trotz der Vermittlungsbemühungen des US-Präsidenten Bill Clinton erwies sich das Abkommen in der Realität schwer umzusetzen und wurde in Netanjahus Regierung als zu radikal oder zu wenig fortschrittlich kritisiert.

Benjamin Netanjahu: Weitere politische Ämter

Nach einer Reihe von Korruptionsskandalen sank Benjamin Netanjahus Beliebtheit in der Bevölkerung immer mehr. Folglich verpasste er 1999 die Wiederwahl zum Premierminister und musste sein Amt an Ehud Barak übergeben. Bis 2002 zog er sich aus dem politischen Geschehen in Israel zurück. Unter Baraks Nachfolger Ariel Scharon wurde er zum Außenminister ernannt. Anschließend forderte Netanjahu den Präsidenten als Parteichef des Likud heraus, musste sich Scharon jedoch geschlagen gaben. 2003 trat er die Position des Finanzministers an. Zwei Jahre später gab Netanjahu das Ministeramt auf, um gegen den Entschluss des Kabinetts zu protestieren, das einen Abzug israelischer Siedler aus dem Gazastreifen vorsah. So fürchtete er eine mögliche Spaltung des Staates und eine Gefährdung des Friedens.

Im gleichen Jahr wurde der Politiker erneut zum Vorsitzenden des Likud gewählt. Mit dieser befand er sich nach der Präsidentschaftswahl 2006 in der Opposition, nachdem die von Scharon gegründete Bewegung Kadima die Wahlen gewonnen hatte. Aufgrund des Libanonkriegs sank die Beliebtheit des amtierenden israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert immer mehr. Ihm wurde vorgeworfen, die Kriegsziele verfehlt zu haben. Auch Netanjahu kritisierte Olmert scharf in der Öffentlichkeit und ließ deutlich werden, dass er nur allzu bereit sei, in sein altes Amt zurückzukehren.

Benjamin Netanjahus Wiederwahl zum Premierminister Israels

Dieser Wunsch wurde ihn am 10. Februar 2009 gewährt: Präsident Shimon Peres beauftragte ihn nach der israelischen Parlamentswahl erneut mit der Regierungsbildung. Dabei ging er unter anderem eine Koalition mit der rechtsnationalistischen Partei Jisra’el Beitenu ein. Bei der vorgezogenen Parlamentswahl 2013 wurde Netanjahus Regierung im Amt bestätigt, ebenso 2019, als der Likud sein bestes Wahlergebnis seit 16 Jahren einfahren konnte. Anders als in der Vergangenheit scheiterten die Koalitionsgespräche jedoch, was eine Neuwahl im September 2019 zur Folge hatte. Als die Regierungsbildung abermals misslang, ging der Regierungsbildungsauftrag an den Parlamentspräsidenten Benny Gantz. Im April 2020 trafen die beiden Politiker ein Abkommen zur Bildung einer gemeinsamen Regierung. Dabei soll es nach eineinhalb Jahren zu einem Wechsel des Premierministers kommen. Inzwischen ist Netanjahu der am längsten regierende Ministerpräsident Israels.

Benjamin Netanjahu: Herausforderungen seiner Amtszeit

Trotz seiner rekordverdächtigen Amtsperiode lässt Benjamin Netanjahus Beliebtheit beim israelischen Volk zu wünschen übrig. Vorwürfe der Korruption verfolgen den Politiker bis in die Gegenwart. So soll er Vergünstigungen von zwei Geschäftsleuten in Höhe von rund 250.000 Euro angenommen haben. Außerdem wird ihm Medienmanipulation vorgeworfen. So soll er unter anderem einem Telekommunikationsunternehmen Vorteile gewährt haben, damit dessen Nachrichtenportal positive Berichterstattungen über ihn veröffentliche. 2019 wurden Anklagen wegen Bestechlichkeit, Betrug und Vertrauensbruch gegen Netanjahu erhoben. Das Strafverfahren gegen den Ministerpräsidenten wurde am 24. Mai 2020 eröffnet. Aufgrund der Coronavirus-Pandemie wurde die Fortsetzung des Prozesses auf Januar 2021 verschoben. Der Politiker selbst bestreitet die Vorwürfe und wittert eine Verschwörung von Polizei, Medien und Staatsanwaltschaft gegen ihn.

Auch Netanjahus Corona-Politik steht stark in der Kritik. Er habe nach einem strikten Lockdown alles zu schnell wieder hochgefahren und dadurch weitere Ausbrüche provoziert. Außerdem habe er den Eindruck vermittelt, dass das Virus besiegt sei und das Leben wie gewohnt weitergehen könne. Nach steigenden Infektionszahlen und einer zweiten Welle reagierte die Regierung chaotisch und griff zu widersprüchlichen Maßnahmen. Außerdem wird Netanjahu Scheinheiligkeit vorgeworfen. So ließ er Demonstrationen gegen ihn verbieten, während er ultraorthodoxen Juden gewährte, sich in großen Gruppen in der Synagoge zu treffen, um sich die Gunst ihrer Parteien zu sichern.

Benjamin Netanjahu: Familie und Privatleben

Benjamin Netanjahu war insgesamt dreimal verheiratet. Seine erste Frau Miriam Weizmann lernte er in Israel kennen und die beiden zogen 1972 zum Studium in die USA. Kurz darauf heiratete das Paar. Ihre Tochter Noa kam am 29. April 1978 zur Welt und lebt heute als ultraorthodoxe Jüdin in Jerusalem. Noch während seine Frau schwanger, begann der Politiker eine Affäre mit der nicht-jüdischen, britischen Studentin Fleur Cates. Als Miriam von der Affäre erfuhr, beendete sie die Ehe. 1981 gab Netanjahu seiner einstigen Geliebten das Jawort und sie konvertierte zum Judentum. Drei Jahre später folgte die Scheidung.

Seine dritte Frau Sara Ben-Artzi lernte der Premierminister bei einem Flug von New York nach Israel kennen, wo sie als Stewardess arbeitete. Die Hochzeit folgte 1991. Das Paar hat zusammen zwei Söhne namens Jair und Avner. 1993 gestand Netanjahu live im Fernsehen, eine Affäre mit seiner PR-Beraterin Ruth Bar gehabt zu haben. Ein politischer Rivale habe heimlich kompromittierendes Videomaterial gefilmt und ihn mit den Aufnahmen erpresst, um seinen politischen Rücktritt zu erzwingen. Er und seine Frau arbeiteten daraufhin an ihrer Ehe und blieben ein Paar, während Netanjahu zum Likud-Parteichef gewählt wurde.

1996 wurde berichtet, dass der Politiker eine 20-jährige Freundschaft mit einer italienisch-amerikanischen Frau habe. Netanjahu kritisierte die Medien scharf für ihre Berichterstattung und warf ihnen eine Verletzung seiner Privatsphäre vor. Er vermutete, dass politische Rivalen Spione angeheuert hätten, Beweise über seine angeblichen Affären zu sammeln. Seiner Frau Sara wiederum wird nachgesagt, so große Angst vor weiteren Fremdgeh-Skandalen ihres Mannes zu haben, dass sie Sekretärinnen und Nannys feuern ließ.

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