+
Prostituierte warten an einem Straßenstrich auf Freier. Diverse Beratungsorganisationen kritisieren ein geplantes Prostitutionsgesetz. Foto: Sebastian Konopka/Illustration

Beratungsstellen kritisieren Prostitutionsgesetz

Ein Gesetz soll Prostituierte besser schützen. Fachleute beklagen einen "Kontrollfuror", der die Betroffenen eher abschrecken dürfte.

Berlin (dpa) - Das geplante Gesetz zum Schutz von Prostituierten vor Ausbeutung und Fremdbestimmung wird nach Ansicht von Beratungsorganisationen eher schaden als schützen.

Oberstes Ziel müsse die Stärkung der Rechte von Prostituierten sein, betonten Aids-Hilfe, Frauenrat, Diakonie und andere Vereine in Berlin. Diesen Anspruch erfülle das Gesetz derzeit nicht. Stattdessen sollten die Betroffenen überwacht und gesellschaftlich stigmatisiert werden.

Die Bundesregierung will Prostituierte verpflichten, sich regelmäßig bei Behörden zu melden und vom Gesundheitsamt beraten zu lassen. Außerdem soll eine Kondompflicht eingeführt werden. Für sehr junge Frauen unter 21 gelten verschärfte Regeln.

Betreiber müssen künftig eine Erlaubnis für Bordelle, entsprechende Wohnmobile oder andere Prostitutionsgewerbe beantragen. Der Gesetzentwurf wird derzeit zwischen den Ministerien und mit den Ländern abgestimmt. Die Beratungsstellen durften Stellungnahmen einreichen.

Vor allem die Anmeldepflicht stößt auf Kritik. Der Deutsche Juristinnenbund sieht dadurch wichtige Grundrechte, wie das Recht auf Berufsfreiheit verletzt. Es sei zu erwarten, dass viele Frauen sich nicht melden und stattdessen illegal weiterarbeiteten, sagte Marianne Rademacher von der Aids-Hilfe. Das gefährde die Frauen zusätzlich.

Die im Gesetzentwurf enthaltene gesundheitliche Beratung wird grundsätzlich positiv beurteilt. Sie dürfe aber nicht zur Pflicht werden. "Die Folge wird ein massiver Vertrauensverlust gegenüber Beratungsangeboten sein", befürchtet die Aids-Hilfe.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Niederlande: Russland für MH17-Abschuss verantwortlich
Vor knapp vier Jahren wurde ein Passagierflugzeug über der Ostukraine abgeschossen. 298 Menschen starben dabei. Die Ermittler legen nun Beweise gegen Russland vor. Der …
Niederlande: Russland für MH17-Abschuss verantwortlich
Trumps Kehrtwende: Gipfeltreffen mit Kim könnte doch stattfinden
Den Gipfel mit Machthaber Kim hat Trump erstmal abgesagt, doch beide Seiten lassen die Tür für Verhandlungen offen. Nicht nur Nordkorea bleibt bei eher versöhnlichen …
Trumps Kehrtwende: Gipfeltreffen mit Kim könnte doch stattfinden
Hohe Beteiligung bei Abtreibungsreferendum in Irland
Zahlreiche Irinnen lassen ihre Babys im Ausland abtreiben. Denn in ihrer katholischen Heimat ist das kaum möglich. Ein Referendum könnte dies nun ändern - nur drei …
Hohe Beteiligung bei Abtreibungsreferendum in Irland
Bundespolizei schaltet sich in Ermittlungen zu Bremer Aylaffäre ein
Beim Flüchtlingsamt Bamf in Bremen gibt es reichlich Aufklärungsbedarf. Auf Probleme hat ganz wesentlich die zwischenzeitliche Leiterin der Bremer Außenstelle …
Bundespolizei schaltet sich in Ermittlungen zu Bremer Aylaffäre ein

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.