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Anis Amri verübte am 19. Dezember 2017 in Berlin mithilfe eines Lasters einen Anschlag auf einem Weihnachtsmarkt.

Berlin-Attentäter

Bericht: Anis Amri nahm regelmäßig Drogen

Berlin - Der Berliner Attentäter Anis Amri nahm nach einem Medienbericht selbst Drogen und finanzierte sein Leben weitgehend als Dealer.

Der Tunesier, der einen Lkw in einen Berliner Weihnachtsmarkt lenkte und dabei zwölf Menschen tötete, habe regelmäßig Ecstasy und Kokain konsumiert, berichtet die Welt am Sonntag unter Berufung auf den Sachstandsbericht zu dem Terroranschlag. Mit diesem werde sich das für die Geheimdienste zuständige Parlamentarische Kontrollgremium des Bundestags am Montag befassen.

Schon in seiner Heimat Tunesien war der 24-Jährige demnach wegen Drogendelikten aufgefallen. Ermittler fragten sich, ob er bei dem Anschlag am 19. Dezember unter Drogeneinfluss gestanden habe.

Dem Bericht zufolge hielt sich Amri bereits mehrere Tage vor dem Anschlag in Berlin auf. In den Monaten zuvor sei er öfter von Nordrhein-Westfalen nach Belgien gereist, wo es eine starke Islamisten-Szene gibt. Die Suche nach Kontakten Amris gestalte sich schwierig, weil die Ermittler auf seinem Handy nur zwei gespeicherte Telefonnummern gefunden hätten.

Im Rucksack des einen Tag vor Weihnachten bei Mailand von der Polizei erschossenen Attentäters fand die Polizei laut „Welt am Sonntag“ die Fahrkarte aus Frankreich, eine holländische Telefonkarte, ein deutsches Duschgel, Rasierschaum und 1000 Euro. Das habe die Polizei in Mailand auf Anfrage mitgeteilt. Drogen habe man nicht bei Amri gefunden. Woher er das Geld hatte, werde derzeit untersucht.

SPD offen für Untersuchungsausschuss

Die SPD ist offen für den Vorstoß der Union, im Fall des Berliner Attentäters Anis Amri einen Untersuchungsausschuss des Bundestags einzusetzen. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann hält allerdings einen Sonderermittler für das wirksamere Instrument, um rasch Licht in den Fall zu bekommen. „Wir sind uns alle einig, dass der Fall Amri umfassend aufgeklärt werden muss“, sagte er der „Bild am Sonntag“. „Dabei können wir auch über einen Untersuchungsausschuss reden. Allen muss aber klar sein, dass dies ein langwieriges, monatelanges Verfahren werden wird.“

In der neuen Woche solle man im Innenausschuss und im parlamentarischen Kontrollgremium des Bundestags einen ersten Überblick erlangen. Er wolle eine Verständigung mit allen Fraktionen suchen und gemeinsam überlegen, welcher Weg richtig sei, um schnellstmöglich Klarheit zu bekommen. „Dabei halte ich die Einsetzung eines unabhängigen Sonderermittlers für ein wirksames Instrument“, sagte Oppermann. Ein Sonderermittler sollte einen ersten Bericht in sechs Wochen vorlegen. „Dann können wir Sicherheitslücken auch schnell schließen.“

Der 24-jährige Tunesier Anis Amri hatte am 19. Dezember einen Lastwagen in einen Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche gesteuert, 12 Menschen getötet und mehr als 50 verletzt. Der Islamist war wenige Tage später bei einer Polizeikontrolle in Mailand erschossen worden.

dpa

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