+
Rettungskräfte bedecken auf den Champs-Elysees in Paris einen am Boden liegenden Mann mit einem Tuch. Foto: Thibault Camus

Mutmaßlicher Angreifer ist tot

Terrorermittlungen nach Autoattacke auf den Champs-Élysées

Wieder gibt es in Frankreich einen gefährlichen Anschlag auf Sicherheitskräfte. Der Angreifer stirbt, die Gendarmen bleiben unverletzt. Bald berät die Regierung über die Verlängerung des Ausnahmezustandes.

Paris (dpa) - Nach einer Autoattacke auf einen Kleinbus der Gendarmerie im Herzen von Paris haben die Behörden Ermittlungen wegen Terrorverdachts aufgenommen. Ein Mann hatte auf dem Prachtboulevard Champs-Élysées mit seinem Wagen den Bus gerammt, sein Auto ging danach in Flammen auf.

Der mutmaßliche Angreifer sei tot, berichtete Innenminister Gérard Collomb am Nachmittag. Weder Sicherheitskräfte noch Passanten wurden verletzt.

Die Champs-Élysées sind eine beliebte Touristenmeile mit vielen Geschäften. Erst am Sonntag hatten die Franzosen unter hohen Sicherheitsvorkehrungen ihr neues Parlament gewählt.

Der 31-Jährige sei den Sicherheitsbehörden bekanntgewesen, berichtete der Sender BFMTV. Innenminister Collomb sprach an Ort und Stelle von einem "versuchten Anschlag". In dem Auto seien Waffen und Explosivstoffe gefunden worden. Nach Medienberichten hatte der Mann mindestens eine Gasflasche, ein Kalaschnikow-Gewehr sowie Faustfeuerwaffen in dem Fahrzeug dabei.

Der Bereich wurde großräumig abgesperrt, es kam zu einem Verkehrschaos. Ein bekanntes Ausstellungsgebäude, das Grand Palais, wurde laut Medienberichten geschlossen.

Fernsehbilder zeigten, wie das Auto des Angreifers unmittelbar nach dem Zusammenprall in Flammen aufging. Zu sehen war, wie die Gendarmen sofort zu dem brennenden Wagen liefen, um die gelblichen Flammen zu ersticken. Die Gendarmen hätten den Mann aus seinem Auto herausgeholt, berichtete eine Polizeisprecherin. Sprengstoffexperten waren zur Stelle.

In Frankreich häufen sich die Attacken auf Sicherheitskräfte. Erst im April hatte ein 39 Jahre alter Gewalttäter auf den Champs-Élysées Polizisten angegriffen und den Beamten Xavier Jugelé getötet. Anfang des Monats war ein radikalisierter 40-Jähriger vor der weltbekannten Kathedrale Notre-Dame mit einem Hammer auf Polizisten losgegangen.

Collomb sagte mit Blick auf den neuen Angriff auf den Champs-Élysées, der Angriff habe den Sicherheitskräften gegolten. Das Maß der Bedrohung im Land sei "extrem hoch".

Er erinnerte daran, dass die Regierung am Mittwoch ein Gesetz vorlegen will, um den terrorbedingten Ausnahmezustand bis Anfang November zu verlängern. Darüber hinaus gibt es ein neues Sicherheitsgesetz. Frankreich wird seit zweieinhalb von einer beispiellosen islamistischen Terrorwelle erschüttert. Fast 240 unschuldige Menschen wurden dabei aus dem Leben gerissen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Rockkonzert in Rotterdam nach Terrorwarnung abgesagt
Keine Woche ist der Anschlag von Barcelona her, gerade wurden die dabei verletzten Niederländer in die Heimat zurückgebracht, da gibt es in den Niederlanden eine …
Rockkonzert in Rotterdam nach Terrorwarnung abgesagt
De Maizière: Gesichtserkennung könnte Sicherheitsgewinn sein
Berlin (dpa) - Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sieht in einer Videoüberwachung mit funktionierender Gesichtserkennung einen Gewinn für die Sicherheit.
De Maizière: Gesichtserkennung könnte Sicherheitsgewinn sein
Kommentar zur Bundestagswahl: Trügerische Sicherheit
Die Bundestagwahl rückt näher, doch so richtig Bewegung scheint noch nicht im Thema zu sein. MM-Redakteur Mike Schier kommentiert, warum dieser Schein trügt. 
Kommentar zur Bundestagswahl: Trügerische Sicherheit
Integration von Muslimen: Gute Noten für Deutschland
Der Blick auf andere europäische Länder zeigt: Muslime, die schon lange in Deutschland leben, sind vergleichsweise gut integriert. Doch es gibt auch Schattenseiten.
Integration von Muslimen: Gute Noten für Deutschland

Kommentare