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Bericht: Bundeswehr filmte Kundus-Luftschlag

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Dass die Bundeswehr in der Nacht vom 4. September über bodengestützte Aufklärungsmittel verfügte, sei bislang nicht bekannt gewesen. © dpa

Berlin - Offenbar hatte die Bundeswehr bei dem umstrittenen Luftangriff in Kundus eine eigene Aufklärungseinheit vor Ort. Laut eines Medienberichts ist  ein Video aufgetaucht, das die Explosion zeigt.

Bei dem umstrittenen Luftangriff auf zwei Taklaszüge bei Kundus in Afghanistan standen dem deutschen Oberst Georg Klein nach einem Bericht der “Bild“-Zeitung nicht nur die Bilder aus den amerikanischen Kampfjets zur Verfügung. Wie das Blatt am Freitag berichtet, filmte auch eine Kamera der Bundeswehr mit, und zwar nicht aus der Luft, sondern vom Boden aus. Dass die Bundeswehr in der Nacht vom 4. September über bodengestützte Aufklärungsmittel verfügte, war bislang nicht bekannt, schreibt das Blatt.

Das Video zeigt die Momente vor der Explosion, den Feuerball und mehrere Minuten nach der Explosion.

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Eine gezielte Tötung von Gegnern, wie sie angeblich beim Luftangriff in Kundus stattgefunden hat, ist einem Bericht zufolge nicht vom Bundestags-Mandat für Afghanistan

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gedeckt. Dies berichtet die “Leipziger Volkszeitung“ (Freitag) unter Berufung auf das Verteidigungsministerium in Berlin. Eine gezielte Liquidierung von Zielpersonen sei demnach nicht mit dem Mandat vereinbar. Das Ministerium stellte zudem klar, dass Zivilpersonen in Afghanistan nur mit militärischer Gewalt angegriffen werden können, “sofern und solange sie unmittelbar an den Feindseligkeiten teilnehmen“. Allerdings mache die Gefechtslage in Afghanistan “den Einsatz tödlich wirkender Waffen unumgänglich".

Bei dem Angriff am 4. September waren Taliban mit zwei von ihnen gekaperten Tanklastwagen in einem Flussbett steckengeblieben. Allerdings kam es am 4. September zu keinen direkten Kampfhandlungen oder Feindseligkeiten. Es war jedoch unmittelbar nach dem Angriff von der Bundeswehr betont worden, die Taliban hätten die Tankwagen als rollende Bomben gegen das nur wenige Kilometer entfernt gelegene Bundeswehrfeldlager einsetzen können. In mehreren Berichten - darunter auch von dem für das Bombardement verantwortlichen Bundeswehr-Oberst Georg Klein - ist auch von der gezielten “Vernichtung“ ausgemachter Zielpersonen die Rede.

Was dürfen deutsche Soldaten in Afghanistan?

Frühere Äußerungen des Ministeriums, die das ausdrückliche Verbot der Liquidierung von Zielpersonen durch die Bundeswehr in Afghanistan beschrieben, “stehen hierzu nicht im Widerspruch“, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums dem Blatt. Da sich die Lage in Kundus verschärft habe, und die Bundeswehr “regelmäßig von organisierten und militärisch bewaffneten gegnerischen Kräften angegriffen und in Kampfhandlungen sowie länger andauernde Gefechte verwickelt wird“, sei es erforderlich, dass die deutschen Soldaten ihrerseits nach militärischen Grundsätzen agierten, um ihren Auftrag durchsetzen zu können, sagte ein Bundeswehr-Sprecher.

Polenz warnt Schneiderhan vor Eskalation

Der CDU-Außenpolitiker Ruprecht Polenz hat den entlassenen Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan vor einer Eskalation seines Streits mit Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) gewarnt. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag forderte Schneiderhan in der “Rheinischen Post“ (Freitag) auf, die Auseinandersetzung mit dem Minister “nicht eskalieren zu lassen“. Das sei auch im Interesse Schneiderhans selbst. Polenz bescheinigte dem früheren General “hohe fachliche Kompetenz und Sachlichkeit“. Diesen Ruf dürfe er nicht gefährden.

Die Beschäftigung mit dem Luftschlag von Kundus, dürfte nicht die Handlungsfreiheit von Verteidigungsminister Guttenberg einschränken, sagte Polenz. Neben der Aufklärung durch den Untersuchungsausschuss des Parlaments bräuchten die Soldaten “einen Verteidigungsminister, der sich voll auf die Sache konzentriert“, sagte er mit Blick auf die “kriegsähnlichen Zustände“ in Afghanistan.

dpa

dpa

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