Wehrmacht-Devotionalien entdeckt

Bericht: Rechte Rituale in Franco A.‘s Kaserne

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Berlin - Neue Wende im Fall Franco A.: In der Kaserne des Bundeswehroffiziers gab es laut einem Bericht schon vor Jahren rechtsextreme Rituale. Diese wurden aber gemeldet.

In der Kaserne, in der der mutmaßlich rechtsextreme Bundeswehroffizier Franco A. stationiert war, hat es laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung (Samstagausgabe) bereits in der Vergangenheit einen Skandal mit Nazi-Symbolen gegeben. Demnach streuten Bundeswehrsoldaten im November 2012 ein vier Meter großes Hakenkreuz auf den Boden der Kaserne im elsässischen Illkirch. Anlass sei offenbar ein Champions-League-Spiel zwischen Bayern München und Lille gewesen.

Im Gegensatz zum Fall Franco A. sei der Fall damals jedoch nicht unter den Teppich gekehrt, sondern den direkten Vorgesetzten und dem Verteidigungsministerium gemeldet worden, berichtete die "Bild". 20 Soldaten seien vernommen und drei von ihnen mit Geldbußen belegt und aus der Bundeswehr entlassen worden.

Nach einem Medienbericht haben Ermittler in einer weiteren Kaserne Wehrmachts-Devotionalien entdeckt. Im Bundeswehrstandort im baden-württembergischen Donaueschingen hätten Experten nach einem Hinweis eine Vitrine mit Wehrmachts-Stahlhelmen vor der Kantine vorgefunden, berichtete „Spiegel Online“ am Samstag. Außerdem sei man dort am Donnerstag auf einen mit Wehrmachts-Andenken ausgeschmückten Raum gestoßen. Bilder der Inspektion seien dem Verteidigungsministerium vorgelegt worden.

Franco A. hatte sich monatelang als syrischer Flüchtling ausgegeben und plante offenbar einen Anschlag. Am Wochenende wurde dann bekannt, dass der Bundeswehr schon seit 2014 Hinweise auf eine rechtsextreme Gesinnung des Offiziers vorlagen, ohne dass Konsequenzen folgten. Bei einem an der Affäre Beteiligten, der ebenfalls festgenommen worden war, wurden zudem erhebliche Mengen verschiedenster Munition gefunden.

Mehr über den rätselhaften Fall Franco A. lesen Sie bei Merkur.de.

Gabriel: Union für Fehlentwicklungen bei der Armee verantwortlich

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) sieht die Union in der Verantwortung für die aktuellen Probleme bei der Bundeswehr. Diese seien das Ergebnis einer längeren Fehlentwicklung, die mit der „verkorksten Bundeswehrreform“ des damaligen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) begonnen habe, sagte der SPD-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Samstag). Damals sei versucht worden, die Bundeswehr zum „Sparschwein“ des Bundeshaushaltes zu machen.

Gabriel wies darauf hin, dass das Verteidigungsministerium seit nunmehr zwölf Jahren von der Union geführt wird. Heute beklage Ressortchefin Ursula von der Leyen (CDU) das Fehlen von Personal und Ausstattung. Zu dieser Verantwortung müsse die Union jetzt auch stehen: „Wer von Soldaten Mut zur Verantwortung verlangt, muss sie selbst auch aufbringen“, sagte der Vizekanzler.

Gabriel vertrat die Ansicht, angesichts der jüngsten Affären scheine es angebracht, auch die Instrumente der Inneren Führung der Bundeswehr neu auszurichten. Diese seien offenbar noch sehr an einer Wehrpflichtarmee orientiert, bei der die Transparenz weitaus größer gewesen sei als in Streitkräften mit ausschließlich Berufs- und Zeitsoldaten. „Geheimstrukturen“ wie im Fall des rechtsextremen, terrorverdächtigen Offiziers Franco A. wären bei der Wehrpflichtigenarmee vermutlich viel früher aufgeflogen, meinte Gabriel.

bix mit afp/dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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