Ein Mitarbeiter der Internationalen Organisation für Migration (IOM) kniet an einem Strand im Jemen neben dem Leichnam eines ertrunkenen Flüchtlings. Foto: IOM
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Ein Mitarbeiter der Internationalen Organisation für Migration (IOM) kniet an einem Strand im Jemen neben dem Leichnam eines ertrunkenen Flüchtlings. Foto: IOM
Sie haben überlebt: Ein Mitarbeiter der Internationalen Organisation für Migration kniet neben Flüchtlingen, die von Schleppern ins Meer geworfen worden waren. Foto: IOM/Internationale Organisation für Migration
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Sie haben überlebt: Ein Mitarbeiter der Internationalen Organisation für Migration kniet neben Flüchtlingen, die von Schleppern ins Meer geworfen worden waren. Foto: IOM/Internationale Organisation für Migration
Flüchtlinge auf dem Mittelmeer: Oft ist es nicht das Wetter, sondern die menschenverachtenden Schleuser, die die Menschen in Lebensgefahr bringen. Foto: Santi Palacios
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Flüchtlinge auf dem Mittelmeer: Oft ist es nicht das Wetter, sondern die menschenverachtenden Schleuser, die die Menschen in Lebensgefahr bringen. Foto: Santi Palacios
Grassierende Armut und eine kaum vorhandene Gesundheitsversorgung: Im Jemen sind bereits mehr als 1700 Menschen an der Cholera gestorben. Foto: Hani Mohammed
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Grassierende Armut und eine kaum vorhandene Gesundheitsversorgung: Im Jemen sind bereits mehr als 1700 Menschen an der Cholera gestorben. Foto: Hani Mohammed
Ein jemenitischer Junge mit Verdacht auf Cholera wird in einem Krankenhaus in Sana&#39a behandelt. Foto: Hani Al-Ansi
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Ein jemenitischer Junge mit Verdacht auf Cholera wird in einem Krankenhaus in Sana'a behandelt. Foto: Hani Al-Ansi

Hunderte über Bord geworfen

Schlepper lassen Migranten vor Jemens Küste ertrinken

Offenbar hatten sie Sorge, festgenommen zu werden. Dafür nahmen Schlepper den Tod zahlreicher Menschen in Kauf: Sie stießen die Migranten von ihren Booten ins Wasser - und machten sich davon.

Sanaa (dpa) - Es ist an Brutalität kaum zu übertreffen: Schlepper haben binnen 24 Stunden vor der Küste des Jemens bei zwei Vorfällen zahlreiche Migranten aus Somalia und Äthiopien ertrinken lassen, wie die Internationale Organisation für Migration (IOM) mitteilte.

Offenbar nahmen sie den Tod der Menschen an Bord ihrer Boote in Kauf, um ihrer Festnahme zu entgehen. Bei dem jüngsten Vorfall am Donnerstag wurden demnach bis zu 180 Menschen ins Wasser gestoßen. Mindestens sechs Menschen starben, zahlreiche weitere werden noch vermisst. Viele Migranten können nicht schwimmen.

Erst am Mittwoch hatten IOM-Mitarbeiter bei einer Routine-Patrouille im Jemen am Strand von Schabwa 29 Leichen in flachen Gräbern entdeckt. Überlebende, die die Toten rasch bestattet hatten, berichteten der IOM, dass ein Schlepper kurz zuvor mehr als 120 Migranten von einem Boot ins Wasser gedrängt habe, als er an der Küste Behördenmitarbeiter entdeckte. Er habe die Migranten ihrem Schicksal überlassen - und sich selbst auf den Rückweg nach Somalia gemacht, um auf derselben Route mehr Migranten an die jemenitische Küste zu bringen. 22 der Migranten werden noch vermisst.

Als "schockierend und unmenschlich" bezeichnete Laurent de Boeck, Leiter der IOM-Mission im Jemen, das Vorgehen der Menschenhändler. "Das Leid der Migranten auf dieser Migrationsroute ist gewaltig", sagte De Boeck. Auf diesem Seeweg zählte die IOM in diesem Jahr bereits 103 Tote, im vergangenen Jahr waren es 235. "Zu viele junge Menschen bezahlen Schmuggler in der fälschlichen Hoffnung auf eine bessere Zukunft."

16 Jahre alt seien die Migranten im Durchschnitt gewesen, die am Mittwoch von dem Schlepper im Wasser zurückgelassen wurden. Der Großteil der Migranten, der vom Horn von Afrika über das Rote Meer und den Golf von Aden kommt, ist nach IOM-Angaben minderjährig.

Zwölf Migranten würden noch vermisst, teilte Lina Koussa von IOM in der jemenitischen Hafenstadt Aden mit. 37 zunächst ebenfalls vermisste Flüchtliunge seien lebend gefunden worden.

Obwohl im Jemen seit 2014 ein Bürgerkrieg wütet, kamen seit Jahresbeginn rund 55 000 Menschen vom Horn von Afrika in das Land. Im vergangenen Jahr waren es dem UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR zufolge 117 000.

Doch die Kämpfe zwischen schiitischen Huthi-Rebellen und Truppen der sunnitischen Regierung haben das bitterarme Land auf der arabischen Halbinsel in eine schwere Krise gestürzt. Mehrere Millionen Menschen sind im eigenen Land auf der Flucht. Fast 19 Millionen Menschen benötigen der Hilfsorganisation Oxfam zufolge humanitäre Hilfe. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung hat nicht genügend zu essen. Weil Wasser oft verunreinigt ist, breiten sich Cholera-Erreger mit großer Geschwindigkeit aus.

Wegen fehlender staatlicher Kontrolle schlagen sich viele Migranten durch den Jemen weiter in die wohlhabenden Golfstaaten durch, wo sie ein besseres Leben erwarten. Viele hoffen auf Arbeit, andere flüchten vor Konflikten in ihren Heimatländern.

IOM-Mitteilung

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