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Bewohner unter sich: In Deutschlands Heimen herrscht Personalnot. 

Neuer Bericht listet Mängel auf

Wenig Licht, viel Schatten: Offene Wunden in der Pflege

Ein neuer Qualitätsbericht legt die Probleme in den bundesweiten Einrichtungen und bei ambulanten Diensten offen. Die Zahl dementer Heimbewohner ist deutlich gestiegen.

München/Berlin – Die Nachricht platzt mitten in die politische Debatte. Kurz nachdem die Verhandler einer neuen Großen Koalition verkündet haben, mit welchen Maßnahmen sie die Pflegesituation in Deutschland verbessern wollen, zeigt der Qualitätsbericht des Medizinischen Dienstes des Krankenkassen-Spitzenverbands (MDS) die Mängel auf, die in deutschen Heimen herrschen. Auch ambulante Pflegedienste wurden untersucht. Das Ergebnis: Zwar werde die Mehrheit der Pflegebedürftigen gut versorgt, sagte MDS-Geschäftsführer Peter Pick. Doch: „Die Berichtsergebnisse zur Versorgungsqualität zeigen, dass weitere Verbesserungen notwendig sind.“

Der auf Untersuchungen aus dem Jahr 2016 fußende MDS-Bericht offenbart vor allem Probleme in der Wundversorgung. Sechs Prozent der 104.000 Heimbewohner brauchen eine solche Behandlung – zum Beispiel wegen eines Druckgeschwürs oder einer chronischen Wunde. Doch bei fast jedem vierten Betroffenen wurde laut Bericht diese Behandlung nicht zufriedenstellend durchgeführt. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass keine ausreichende Druckentlastung geschaffen wurde oder nicht hygienisch genug vorgegangen wurde. Bemerkenswert ist, dass sich die Zustände in diesem Punkt sogar verschlechtert haben. 2013 war noch nur gut jede fünfte Behandlung beanstandet worden.

Ebenfalls großen Verbesserungsbedarf sahen die Prüfer bei der Dokumentation von schmerzhaften Leiden. Bei mehr als jedem dritten Heimbewohner wäre dies laut Bericht nötig, um dadurch eine Schmerztherapie besser steuern zu können. Doch bei fast 18 Prozent der Betroffenen wurden die Schmerzen dennoch nicht erfasst.

„Die Bedingungen für Pflegekräfte müssen besser werden“

Auffällig ist zudem die Entwicklung bei der Zahl der Demenzerkrankten in der Pflege. 70,7 Prozent der Heimbewohner leiden an diesem oder einem sich ähnlich auswirkenden Leiden. 2013 waren es noch 63,8 Prozent gewesen. In der ambulanten Pflege ist die Zahl weniger stark von 29,9 auf 31 Prozent gestiegen.

Doch nicht nur in den Heimen haben die Prüfer nach dem Rechten gesehen, auch die Pflegedienste wurden kontrolliert. Die Kontrolleure beanstandeten dabei vor allem Versäumnisse bei der Beatmung im häuslichen Umfeld. Bei jedem Vierten hätten die Pflegedienste versäumt, Vitalparameter und Schwellenwerte zu dokumentieren. Zudem sei bei knapp 17 Prozent derjenigen Patienten, die eine spezielle Luftröhren-Kanüle benötigen, diese nicht richtig gereinigt worden.

Zurückzuführen sind die Mängel laut Pick unter anderem auf auf die schlechte Personalausstattung. Die passende politische Botschaft dazu kam von GKV-Vorstandsmitglied Gernot Kiefer. „Die Bedingungen für die Pflegekräfte müssen besser werden, damit sich mehr Menschen auch dauerhaft für diesen Beruf entscheiden“, sagte er.

Bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin haben sich die GroKo-Verhandler zuletzt darauf geeinigt, den Notstand in der Pflege mit einem Sofortprogramm zu bekämpfen, durch das – neben anderen Maßnahmen – 8000 neue Stellen in der „medizinischen Behandlungspflege“ geschaffen werden sollen. Zusammen mit den Tarifpartnern wollen Union und SPD zudem dafür sorgen, dass Tarifverträge in der Pflege flächendeckend zur Anwendung kommen. Die Maßnahmen wurden von Experten und Sozialverbänden als keinesfalls ausreichend kritisiert.

Sebastian Horsch

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