Bericht:

Flüchtlinge mit gefälschten Pässen - Verbindung zu Paris-Terror

Berlin - Laut einem Bericht der Bild-Zeitung, die sich auf Regierungskreise beruft, solle ein Dutzend Flüchtlinge mit gefälschten syrischen Pässen nach Deutschland eingereist sein.

In Deutschland sind einem Medienbericht zufolge womöglich ein Dutzend vermeintliche Flüchtlinge mit gefälschten syrischen Pässen eingereist und nun verschwunden. Die "Bild"-Zeitung berichtet am Dienstag unter Berufung auf Informationen der Bundesregierung, die Menschen seien mit Pässen aus der selben Fälscher-Werkstatt eingereist, aus der auch Ausweise zweier Pariser IS-Attentäter stammten.

Bei den Dokumenten handle es sich um gestohlene Originalpässe, die von Fälschern auf andere Identitäten ausgestellt worden seien, berichtete die Zeitung weiter. Die Pässe wiesen "die selben Fälschungsmerkmale auf" wie die der islamistischen Attentäter, zitiert "Bild" Regierungskreise. Die mit den Dokumenten nach Deutschland eingereisten Menschen seien derzeit nicht aufzufinden. Bei ihrer Einreise seien auch keine Fingerabdrücke genommen worden.

Die offenbar gefälschten Pässe waren dem Bericht zufolge schon vor den Paris-Anschlägen am 13. November registriert worden. Von den Pässen sind demnach beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) nur noch Kopien vorhanden. Die Pässe sollen aus der 2013 vom IS eingenommen syrischen Stadt Rakka stammen.

IS hat in Syrien massenweise echte Passdokumente erbeutet  

Die beiden Pariser Selbstmordattentäter, um deren Pässe es geht, waren auf dem Weg nach Frankreich auf der griechischen Insel Leros kontrolliert worden.

Die Terrororganisation IS hat in Syrien, Irak und Libyen in mehreren Städten die offiziellen Behörden übernommen und zahlreiche echte Passdokumente erbeutet - der „Welt am Sonntag“ zufolge mutmaßlich Zehntausende. Bereits im März war berichtet worden, dass dem IS in Al-Rakka rund 3800 syrische Blanko-Reisepässe in die Hände gefallen sind. Einen entsprechenden Bericht des „Westfalen-Blatts“ hatte das Bundeskriminalamt (BKA) bestätigt.

Die mit der Überwachung illegaler Einwanderung beauftragte EU-Grenzschutzagentur Frontex hatte erst am Wochenende vor Gefahren wegen gefälschter oder gestohlener Pässe gewarnt. Die Beamten kontrollierten zwar sehr genau, ob Flüchtlinge möglicherweise mit falschen Papieren einreisten, sagte Frontex-Chef Fabrice Leggeri der „Welt am Sonntag“. „Dennoch ist die Aussagekraft von Flüchtlingspässen aus unserer Sicht sehr begrenzt“, so Leggeri. In einem Bürgerkriegsland wie Syrien könne schließlich niemand garantieren, „dass die Dokumente, die echt aussehen, auch wirklich von einer offiziellen Behörde ausgestellt wurden oder wirklich von dem rechtmäßigen Inhaber mitgeführt werden“.

Nach Angaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) von Ende September sind schätzungsweise 290 000 Flüchtlinge zwar nach Deutschland eingereist, aber dann nicht förmlich registriert worden. Dafür kann es unterschiedliche Gründe geben: Sie können unter anderem zu Angehörigen innerhalb Deutschlands oder auch in Skandinavien weitergereist sein oder wegen der Überlastung der Behörden auf eine Registrierung noch warten. Leistungen erhalten sie erst nach der Registrierung.

AFP/dpa

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