Ermittler arbeiten in Schutzkleidung auf der Berliner Stadtautobahn A100 in Höhe der Ausfahrt Alboinstraße.
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Ermittler arbeiten auf der Berliner Stadtautobahn A100 - der Staatsschutz ermittelt gegen einen 30-jährigen Mann.

Asylantrag abgelehnt

Islamistischer Anschlag auf Berliner Autobahn: „IS-Spektrum“ - Was über den Täter und das Motiv bekannt ist

War es ein Anschlag? Der Berliner Staatsschutz ermittelt nach einer Unfallserie auf der A100 gegen einen 30-jährigen - zum Motiv und seinem Hintergrund gibt es erste Informationen.

Berlin - Mehrere Unfälle auf der Berliner Stadtautobahn am Dienstagabend (18. August) waren wahrscheinlich politisch motiviert absichtlich herbeigeführt worden. „Nach derzeitigen Erkenntnissen ist es ein islamistisch motivierter Anschlag gewesen“, sagte ein Behörden-Sprecher am Mittwoch. Ein zufälliges Unfallgeschehen scheint den Ermittlern unwahrscheinlich. Bei dem Täter handelt es sich den Angaben zufolge um einen 30 Jahre alten Iraker. Gewissheiten gab es zum Hintergrund der Tat am Mittwochmittag noch nicht - aber erste Hinweise.

Autobahn-Anschlag in Berlin? Täter war polizeibekannt - aber offenbar nicht als islamistischer Gefährder gelistet

Äußerungen des Fahrers legten eine religiös motivierte Tat nahe, sagte der Sprecher der Berliner Generalstaatsanwaltschaft, Martin Steltner, am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. Die Polizei untersucht aber auch, ob der Festgenommene psychisch gestört ist, wie ein Sprecher sagte - es gebe entsprechende Hinweise.

Einem Bericht des Tagesspiegel zufolge hatte der Mann auf der Stadtautobahn A100 unter anderem „Allahu Akbar“ gerufen. Zudem habe er erklärt: „Keiner kommt näher, sonst werdet ihr sterben“. Die Zeitung berichtet online zudem, der Mann sei zwar polizeilich bekannt gewesen, sei jedoch bislang nicht als islamistischer Gefährder gelistet gewesen und habe auch nicht unter Beobachtung der Sicherheitsbehörden gestanden.

30-Jähriger Iraker festgenommen: Mann soll Küchenmesser getragen haben - offenbar als Asylbewerber gekommen

Der Mann sei auch mit einem Küchenmesser bewaffnet gewesen und habe einen Gebetsteppich ausgebreitet, sagte Generalstaatsanwältin Margarete Koppers im Rechtsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses am Mittwoch. Ein mutiger Berliner Polizist, der Arabisch beherrscht, habe den Angreifer von seinem Auto weggezogen. Bislang gebe es keine Anhaltspunkte für Mittäter.

Der Verdächtige ist laut Staatsanwaltschaft in Deutschland geduldet, darf also bis auf Weiteres nicht abgeschoben werden. Nach Angaben aus Berliner Senatskreisen kam er als Asylbewerber ins Land, sein Asylantrag wurde allerdings abgelehnt. Demnach war zunächst noch unklar, wann er nach Deutschland kam. Nach Fotos von seinem Facebook-Profil war er mindestens 2016 schon in Berlin. Die Facebook-Seite ist inzwischen gesperrt.

Berlin: Täter postete Hinweise auf Facebook - auch das Wort „Märtyrer" fiel

Vor der Tat hatte der mutmaßliche Fahrer im Internet Hinweise auf die geplante Tat veröffentlicht. Auf seiner Facebook-Seite postete er Fotos des Autos, mit dem er später absichtlich mehrere Fahrzeuge rammte, sowie religiöse Sprüche, in denen auch das Wort „Märtyrer“ vorkommt. Auf den Fotos ist das Berliner Kennzeichen des schwarzen Wagens zu erkennen, der Stunden
später schwer beschädigt auf der Autobahn stand.

Allerdings gab es zunächst keine Anhaltspunkte für eine Mitgliedschaft des Mannes in einer Terror-Vereinigung. Das teilten die Generalstaatsanwaltschaft und die Polizei am Mittwochmittag mit. Aus Sicherheitskreisen erfuhr die dpa, dass der Iraker in Kontakt zu einem als Gefährder bekannten Islamisten in Kontakt gestanden habe. Der Tagesspiegel berichtete, der Gefährder werde dem Spektrum der Terrormiliz Islamischer Staat zugeordnet. Er und der mutmaßliche Täter sollen im vergangenen Jahr vier Monate lang in der selben Flüchtlingsunterkunft gewohnt haben.

Berlin: Unfälle auf der Autobahn - Ermittler vermuten islamistisch motivierten Anschlag des Täters

Laut Polizei hatte der Mann eine vermeintliche Munitionskiste dabei. Als er gestoppt wurde, habe er behauptet, in der Kiste befinde sich ein „gefährlicher Gegenstand“, hatte eine Polizeisprecherin noch in der Nacht erklärt. Kriminaltechniker durchleuchteten die Metallkiste. Sie sei für die Aufbewahrung von Munition geeignet gewesen.

Die Kiste sei dann mit einem Wassergewehr aufgeschossen worden, sagte die Sprecherin. Allerdings entdeckte die Polizei darin aber nichts Verdächtiges, sondern lediglich Werkzeug. Sprengstoffspuren seien im Auto nicht gefunden worden. Nähere Angaben zum Ablauf und den Äußerungen des Mannes machte die Polizei nicht, sie kündigte aber weitere Informationen für den Lauf des Tages an.

Islamistischer Anschlag in Berlin? Staatsschutz der Kripo ermittelt gegen Täter

Gegen den Mann, der durch die Unfälle für stundenlange Sperrungen der Autobahn sorgte, ermittelt nun der für politisch motivierte Taten zuständige Staatsschutz der Kriminalpolizei. Die Zusammenstöße seien absichtlich verursacht worden, hieß es von Ermittlerseite. „Aufgrund der Umstände gehen wir nicht von einem zufälligen Unfallgeschehen aus.“ Ein gerammter Motorradfahrer sei schwerst verletzt worden.

Generalstaatsanwältin Margarete Koppers werde am Nachmittag den Rechtsausschuss zu den bisherigen Erkenntnissen informieren, sagte ein Sprecher der Justizverwaltung. Nach der Mitteilung von Staatsanwaltschaft und Polizei sollte der
30-Jährige einem Haftrichter zum Erlass eines Haftbefehls wegen versuchten Mordes vorgeführt werden. Es sei eine Ermittlungsgruppe „Motorrad“ gegründet worden. (dpa/AFP/fn)

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