Besorgte Bürger diskutieren mit Fäusten

Berliner Journalist von Rechtsradikalen angegriffen

Zu Pegida-Demonstrationen gehen Pressefotografen zum eigenen Schutz schon länger nicht mehr allein. Nun hat es auch in Berlin einen Journalisten getroffen. Rechte tragen die Medienkritik zunehmend mit Fäusten aus.

Ein Journalist des Berliner „Tagesspiegels“ ist nach Veröffentlichung einer kritischen Kolumne auf der Straße niedergeschlagen worden. Er sei am Freitag im Berliner Stadtteil Charlottenburg namentlich und auf den „Tagesspiegel“ angesprochen worden, als „linke Drecksau“ bezeichnet und von hinten angegriffen worden, erklärte der Journalist auf seiner Facebook-Seite. Er schrieb den Angriff Rechtsradikalen zu und wertete ihn als Reaktion auf seinen Text „Ist das noch unser Land?“, den er am Tag zuvor im „Tagesspiegel“ veröffentlicht hatte.

Darin verurteilte der Redakteur unter anderem Hetze gegen Flüchtlinge. Pegida und die Alternative für Deutschland (AfD) versuchten, Demokratie und Humanität auszuhebeln, kritisiert er. Die Chefredaktion des „Tagesspiegels“ zeigte sich entsetzt von dem Vorfall. Es sei ein Angriff auf den Kollegen „und zugleich einer auf die Presse- und Meinungsfreiheit“, erklärte sie.

Nach Angaben der Zeitung war der Redakteur von hinten gegen den Oberkörper geschlagen worden und gestürzt. Er erstattete den Angaben zufolge Anzeige wegen Körperverletzung und Beleidigung.

Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) verurteilte den Vorfall scharf und bezeichnete ihn als „abscheulichen Angriff auf den unabhängigen Journalismus und die Pressefreiheit“. Dies sei zudem kein Einzelfall mehr. Die Gewalt gegen Journalisten durch politische Extremisten nehme derzeit zu. Ihr müsse mit der ganzen Härte des Gesetzes begegnet werden, hieß es.

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) nannte in einer Stellungnahme Angriffe auf Journalisten und die Pressefreiheit „völlig inakzeptabel“. „Es gibt eine zunehmende Feindseligkeit gegenüber einem ganzen Berufsstand, die unerträglich ist.“ Weiter stellte der CDU-Politiker fest: „Die Verunglimpfung unserer Medien als „Lügenpresse“, Drohungen und Angriffe gegen Journalisten, Politiker, Ehrenamtliche, das alles sind Symptome einer schleichenden Vergiftung. Dagegen müssen wir alle zusammenstehen.“

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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