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Die Chefanklägerin Ilda Boccassini wirft dem ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi "systematische Prostitution" vor

Sechs Jahre Knast gefordert

"Systematische Prostitution" in Berlusconi-Villa?

Mailand - Für Chefanklägerin Boccassini ist Berlusconi schuldig: In seiner Villa habe es systematische Prostitution gegeben. Sie fordert sechs Jahre Haft und ein Verbot für öffentliche Ämter für den Cavaliere.

Im Prozess um seine angeblichen wilden Sexpartys soll Silvio Berlusconi nach dem Willen der Chefanklägerin für sechs Jahre in Haft. Außerdem forderte Ilda Boccassini in ihrem Plädoyer am Montag in Mailand, dass der frühere italienische Regierungschef (76) nie wieder öffentliche Ämter übernehmen dürfe. Zuvor hatte die Anklägerin Berlusconi schwer belastet: In seiner Villa Arcore habe es „systematische Prostitution“ gegeben, sagte sie.

Berlusconis Verteidigung wird vermutlich auf Freispruch plädieren. Sie kommt am 3. Juni zu Wort. Das Urteil könnte dann am 24. Juni gefällt werden. Berlusconis Anwalt Nicolò Ghedini sprach am Montag von einer extrem hohen Strafmaßforderung der Staatsanwältin.

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Die Anklage wirft dem 76-Jährigen Amtsmissbrauch und Sex mit minderjährigen Prostituierten vor. Im Zentrum des Prozesses steht die damals 17 Jahre alte Marokkanerin Karima El Marhoug, genannt „Ruby“, mit der Berlusconi bezahlten Sex gehabt haben soll. Beide bestreiten das.

Berlusconi habe sehr wohl gewusst, dass seine Sex-Partnerin „Ruby“ zu dem Zeitpunkt noch minderjährig gewesen sei, so die Anklage. Für die Abende in Arcore sei Geld direkt von ihm an die junge Frau gegangen. Mehr als viereinhalb Millionen Euro habe Berlusconi „Ruby“ gezahlt, erklärte Anklägerin Boccassini.

Mit dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft wurde der „Ruby“-Prozess am Montag nach einer mehr als zweimonatigen Unterbrechung in Mailand fortgesetzt. Berlusconi war zuvor mit einem Antrag gescheitert, den Prozess wegen Befangenheit der Richter nach Brescia zu verlegen.

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Die Staatsanwaltschaft wirft Berlusconi außerdem Amtsmissbrauch vor, weil er „Ruby“ im Frühjahr 2010 mit einem Anruf in Mailand vor Schwierigkeiten mit der Justiz bewahren wollte. Berlusconi gab an, er habe sie für eine Verwandte des damaligen ägyptischen Staatspräsidenten Husni Mubarak gehalten und diplomatische Verwicklungen mit Kairo vermeiden wollen.

Der „Ruby“-Prozess mit dem erstinstanzlichen Urteil im Juni ist eines von mehreren Verfahren, in denen Berlusconi angeklagt ist. Vergangene Woche erst war er wegen Steuerbetrugs erneut verurteilt worden.

dpa

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