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Zwei Mal Staatssekretär , jetzt Minister: Bernd Sibler war selbst Gymnasiallehrer.

Kultusminister mit „Stallgeruch“

Bernd Sibler: Ein Lehrer für das Schulministerium

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Die Lehrer haben wieder einmal einen mit „Stallgeruch“: Der neue Schulminister Bernd Sibler war immerhin zwei Jahre Referendar und ein Dreivierteljahr Gymnasiallehrer für Deutsch, Sozialkunde und Geschichte – wie man hört, gar kein schlechter.

München – Schüler sollen einst protestiert haben, als vor Ort am Robert-Koch-Gymnasium Deggendorf die SPD lancierte, Lehrer Sibler verdanke seine Planstelle nur seinem Parteibuch. Lange blieb er freilich nicht. 1998 zog es den loyalen CSU-Mann (Parteieintritt mit 18) in den Landtag.

Sibler agiert meist unauffällig und etwas brav, ein stiller Arbeiter, aber vor Ort in Deggendorf auch ein großer Kümmerer, der bei keinem Spatenstich fehlt. Der 47-Jährige hat einst artig und ohne zu protestieren für die Einführung des G8 gestimmt, ebenso ist von einem Protest Siblers bei der Rückkehr zum G9 nichts bekannt. Da war er immerhin schon (zum zweiten Mal) Staatssekretär im Kultusministerium, dann allerdings für Wissenschaft zuständig.

Um große eigene Akzente zu setzen, reichen die verbleibenden Monate bis zur Landtagswahl im Oktober wohl nicht aus – in einem Bereich allerdings muss Sibler Farbe bekennen: Beim G9 steht die Gestaltung der G8-Überholspur sowie des neuen 11. Schuljahres an, das erst einmal mit Inhalt gefüllt werden muss – Extrastunden für politische Bildung und Informatik sind zwei Stichworte. Außerdem wird sicher jetzt schon über die Oberstufe (12./13. Jahrgang) gesprochen – da ist bis hin zur Rückkehr zu Leistungskursen (oder mindestens einem Kurs) vieles denkbar.

Sibler tritt in Spaenles Fußstapfen

Ansonsten hat er es im Kultusministerium mit einer starken Beharrungskraft des Beamtenapparats zu tun – seit einigen Jahren allerdings in Schach gehalten von einem tatkräftigen Amtschef – und außerhalb seines Hauses mit einem ausgeprägten Lobbyismus. Ähnlich wie der Bauernverband das Agrarministerium gerne sein Eigen nennt, so gehen im Ministerium die Fachverbände der Grund-, Haupt-, Real- und Gymnasiallehrer ein und aus. Es ist praktisch eine Symbiose – und die Verbände werden nicht müde zu betonen, welcher der Beamten einer der ihren ist. Aus diesem Wurzelgeflecht erwachsen zum Beispiel auch die dauerhaften Forderungen nach mehr Lehrern – wie Sibler, selbst Philologenverbandsmitglied, diese Erwartungshaltungen im Zaum halten kann, wird sich zeigen.

Die größten Herausforderungen warten indes wohl in Berlin, in dem undurchschaubaren Gebilde namens Kultusministerkonferenz. Bisher meist vergebens hat sich die KMK bemüht, den Wildwuchs der deutschen Schulpolitik mit 16 unterschiedlichen Schulsystemen einzudämmen. Mehr als eine Poolbildung für einige Abituraufgaben, die wenigstens ein Minimum an Vergleichbarkeit gewährleisten, ist trotz zähen Ringens nicht herausgekommen. Immerhin hatte sich der alte Kultusminister Ludwig Spaenle – am Schluss mit fast zehn Amtsjahren der dienstälteste Schulminister der Republik – ein gewisses „Standing“ erarbeitet. Sibler hat das nicht, er muss praktisch von vorne anfangen, dabei aber auf die Eigenständigkeit der bayerischen Bildung achten.

Altgediente Schulpolitiker sehnen sich nach jeder Ministerberufung stets aufs Neue nach einem Hans Zehetmair oder Hans Maier, die bundesweit für ihren bildungspolitischen Konservatismus geachtet oder gefürchtet (je nach Weltanschauung) waren. Dass Sibler an diese Linie anknüpft, ist vorerst nicht zu erwarten. 

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