+
Am Donnerstag kam es zu einem Granateneinschlag an einer Bus-Haltestelle in Donezk.

Neue Gewalt

EU besorgt über Lage in der Ostukraine

Kiew/Brüssel - Nach der jüngsten Runde der Gewalt und neuer kriegerischer Rhetorik der Gegner in dem blutigen Konflikt der Ostukraine wächst die Sorge in Europa. Doch die Appelle verhallen ungehört.

Die EU ist zutiefst besorgt über die Eskalation der Gewalt in der Ostukraine. Die Feindseligkeiten müssten eingestellt werden, um dann rasch das Minsker Friedens-Memorandum vom vergangenen September umzusetzen, forderte am Freitagabend die Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini in Brüssel. Insbesondere Russland müsse Verantwortung übernehmen. Zuvor hatten die prorussischen Aufständischen eine neue Großoffensive angekündigt.

Die Separatisten erklärten am Freitag die Friedensvereinbarungen von Minsk für gescheitert. Dies bedeute aber nicht, dass es keine weiteren Gespräche geben werde, sagte Separatistenanführer Eduard Bassurin in Donezk. Vertreter der ukrainischen Führung und der Aufständischen hatten sich in der weißrussischen Hauptstadt Minsk im September etwa auf eine entmilitarisierte Pufferzone geeinigt, die nie eingerichtet wurde.

Zuvor hatte bereits Separatistenchef Alexander Sachartschenko weiteren Treffen der sogenannten Minsker Kontaktgruppe eine Absage erteilt. Er wolle nur noch mit Präsident Petro Poroschenko direkt verhandeln, hieß es. Nach Darstellung Bassurins wurden in der vergangenen Woche 750 Regierungssoldaten in der Ostukraine bei Gefechten getötet. „Die Zahl unserer Kriegsgefangenen ist in der vergangenen Woche aber nicht gestiegen“, zitierten ihn russische Agenturen.

Sachartschenko kündigte eine neue Großoffensive in der Ostukraine an. Es solle die gesamte Krisenregion erobert werden - gegebenenfalls auch über die Gebietsgrenze von Donezk hinaus, drohte er. Angebote einer Feuerpause werde es an die prowestliche Zentralregierung in Kiew vorerst nicht geben.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier kritisierte Sachartschenkos Äußerungen scharf. Diese seien „nichts als Kriegstreiberei“, sagte er am Rande eines Besuchs in Tunesien. An Russland und die Ukraine appellierte er erneut, die Vereinbarungen des jüngsten Ministertreffens in Berlin zum Rückzug schwerer Waffen im Donbass umzusetzen.

Die Zahl der Todesopfer sei seit Ausbruch der Kämpfe im April auf mehr als 5000 gestiegen, sagte ein Sprecher des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte (OHCHR) in Genf.

dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

IS-Anschlag in Kabul: Zahl der Toten steigt auf 48
Der IS tötet Dutzende im kriegszerrissenen Afghanistan: Sie wollten im Oktober bei den Parlaments- und Provinzwahlen ihre Stimme abgeben. Ein Selbstmordattentäter …
IS-Anschlag in Kabul: Zahl der Toten steigt auf 48
Schwaches Ergebnis für Nahles - nur mit Mühe konnte sie lächeln
Die SPD bekam auf ihrem Parteitag am Sonntag eine neue Chefin. Andrea Nahles setzte sich gegen Simone Lange durch - wenn auch mit einem blauen Auge. Alle Infos im …
Schwaches Ergebnis für Nahles - nur mit Mühe konnte sie lächeln
Bundesregierung will Flüchtlinge zurück in den Irak locken
Bagdad (dpa) - Mit Jobs und Ausbildungsplätzen vor Ort will die Bundesregierung Tausende irakische Flüchtlinge aus Deutschland in ihre alte Heimat zurücklocken.
Bundesregierung will Flüchtlinge zurück in den Irak locken
Sozialverbände schalten Anzeige gegen die AfD
Die AfD beherrscht das Spiel mit Provokationen. Ihre Anfrage zu Behinderten in Deutschland hat weithin Empörung ausgelöst. Die Sozialverbände sehen sich "an die …
Sozialverbände schalten Anzeige gegen die AfD

Kommentare