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Bestseller-Autorin Birgit Kelle hat aktuell das Buch "Gender Gaga. Wie eine absurde Ideologie unseren Alltag erobern will" veröffentlicht.

Großes Interview

Bestseller-Autorin Birgit Kelle: So irre ist der Gender-Wahn

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München - Bestseller-Autorin Birgit Kelle rechnet in ihrem neuen Buch "Gender Gaga.  Wie eine absurde Ideologie unseren Alltag erobern will" mit der Gender-Ideologie ab. Im Interview spricht sie über seltsame Auswüchse - auch in München und bei der CSU.

Das Buch "Gender Gaga.  Wie eine absurde Ideologie unseren Alltag erobern will" von Birgit Kelle ist im Adeo Verlag erschienen (192 Seiten, 18.50 Euro)

Sie ist Stammgast in Talkshows, wenn es um die drei großen "F-Themen" geht: Familie, Frauen und Feminismus. Die Publizistin und Bestseller-Autorin Birgit Kelle streitet für einen "neuen Feminismus", der es Frauen erlaubt, zugleich sexy und selbstständig zu sein - sowohl Karrierefrau als auch Mutter und Ehefrau zu sein. In ihrem neuen Buch "Gender Gaga.  Wie eine absurde Ideologie unseren Alltag erobern will" (Adeo Verlag, 192 Seiten, 18.50 Euro) rechnet sie mit der "absurden Ideologie des Gender Mainstreaming" ab. Sie behauptet: "Mit Gender-Mainstreaming werden irrwitzige Summen Geldes verschleudert. Das Ziel ist die Zerstörung der Familie." Im Buch schießt Kelle auch gegen Frauenquoten und vorgebliche Anti-Diskriminierungs-Initiativen. Beispiel: Das Einführen von Ampelweibchen. "Wir gendern jetzt Spielplätze, Ampeln, Toiletten, Studiengänge, die deutsche Sprache und sogar die Bibel", prangert sie an. Aktuell steht Kelles Buch auf Platz 1 der Amazon-Verkaufscharts in der Kategorie "Gesellschaftskritik".

Am Montag lieferte Kelle sich in der ARD-Sendung "Hart aber fair" mit Frank Plasberg einen Schlagabtausch mit Anton Hofreiter, Grünen-Fraktionschef im Bundestag, und der "Netzfeministin" Anne Wizorek (Initiatorin der #aufschrei-Kampagne gegen Sexismus auf Twitter). Am Tag nach der Sendung trafen wir Kelle zum Interview im Rahmen einer Lesung zu ihrem neuen Buch im Münchner Hotel "Bayerischer Hof". 

Frau Kelle, in einem umstrittenen Radiobeitrag von BR-Reporterin Veronika Wawatschek wurden Sie kürzlich als Teil einer „APO von christlich-rechts“ dargestellt. Zusammen mit dem „Welt“-Autor Matthias Matussek und dem „Cicero“-Kulturchef Alexander Kissler. Jetzt mal Klartext: Sind Sie Mitglied bei der AfD und Pegida? Oder sind die Piusbrüder Ihre Beichtväter?

Kelle: (lacht) Nee. Die einzige Mitgliedschaft, die ich habe, ist bei der CDU. Es bleibt ein Geheimnis des Bayerischen Rundfunks, warum ich Teil einer „APO von christlich-rechts“ sein soll. Die Autorin des Beitrags hat sich leider nicht die Mühe gemacht, diesen Begriff zu definieren. Außerdem kamen weder ich noch die Herren Matussek und Kissler in diesem Beitrag zu Wort. Da wurde eine Unterstellung in dem Raum geworfen, und wir wurden nicht mal um eine Stellungnahme gebeten. Mittlerweile gab es auch zahlreiche Programmbeschwerden beim BR. Und der Sprecher des Bischofs von Essen, der in dem Beitrag als angeblicher „Kronzeuge“ zu Wort kam, hat mittlerweile klargestellt, dass er gar nicht zu uns befragt wurde – und sein Zitat aus dem Zusammenhang gerissen wurde. Mit Journalismus hat das nichts mehr zu tun.

In Ihrem aktuellen Buch „Gender Gaga. Wie eine absurde Ideologie unseren Alltag erobern will", zeigen Sie ein Sammelsurium an merkwürdigen politischen Initiativen. Da werden in Großstädten Ampelfrauen neben Ampelmännchen gefordert – die aber nicht typisch weiblich aussehen dürfen. Dann befürwortet das Bundesfamilienministerium geschlechterübergreifende Unisex-Toiletten an Schulen – für Schüler, die sich selbst weder als Mann noch als Frau empfinden. Da fragt man sich schon: Haben wir keine wichtigeren Probleme?

Kelle: Das einzig Gute an solchen Initiativen ist ja: Es muss unserem Land wirklich gut gehen, wenn wir die Zeit und das Geld haben, uns mit solchem Schwachsinn zu beschäftigen. Wir haben Gleichstellungsbeauftragte ohne Ende, die Leitfäden für geschlechtergerechte Sprache entwerfen. Wir haben ungefähr 180 Lehrstühle an Unis, wo Soziologen und alle möglichen Studiengänge mit Gender Mainstreaming unterwandert werden. Da frage ich mich oft: Was machen die eigentlich den ganzen Tag?

Gender-korrekte Anrede: "Sehr geehrtx Profx."

Zum Beispiel Richtlinien entwerfen, wie sie geschlechterkorrekt angeredet werden wollen. Sie berichten von einer – jetzt wird’s schon schwierig – Professorin namens Lann Hornscheidt an der Humboldt Universität in Berlin, die öffentlich verkündet, dass sie sich Anschreiben mit „Herr…“, „Frau“ oder „sehr geehrte“ und „sehr geehrter“ verbietet. Statt dessen erbittet sie die geschlechterneutrale Anrede „Sehr geehrtx Profx. Lann Hornscheidt….“

Kelle: Früher hieß sie mal Antje Hornscheidt. Das kann man auf zahlreichen Homepages nachlesen. Aber offensichtlich will sie sich nicht festlegen, ob sie nun ein Mann oder eine Frau ist. Wenn sie die Anrede „geehrtx. Profx.“ für ihren privaten Gebrauch fordert und das Leute auch freiwillig tun wollen, kann sie das ja gerne machen. Ich frage mich nur, warum sich die Öffentlichkeit damit beschäftigen muss, was die Professorin will.

Vorsicht, Frau Kelle! Die korrekte Anrede lautet Profx.!

Kelle: Das können Sie ja gerne immer so schreiben. Aber es hört ja mit Frau Hornscheidt nicht auf. Ihre Universität hat jetzt neue Wörter erfunden, wie man nicht nur eines oder zwei, sondern ganz viele Geschlechter in die Sprache packen kann: Sternchen, @-Zeichen, oder Xe und As. Im Fall des Bäckers oder der Bäckerin wären etwa die geschlechterkorrekten Anreden „Bäcka“, „“Bäcker_Innnen“, „Bäcker*innen“, „Bä_ckerin“ oder „Bäckx“ möglich. Ich sage dazu nur: Macht das in Eurer Freizeit. Aber ich lasse mir meine Sprache nicht ruinieren.

Ist es denn beim Gender Mainstreaming das Problem, dass eine Minderheit, die sich diskriminiert fühlt, dieses Gefühl der Mehrheit der Gesellschaft überstülpen will?

Kelle: Die Frage ist doch schon: Wie definieren wir Diskriminierung? Mittlerweile braucht es keinen Tatsachenbeweis einer Diskriminierung mehr. Es reicht, dass einer sich diskriminiert fühlt. Müssen wir alle diesem Gefühl folgen und in vorauseilendem Gehorsam unsere Sprache, unsere Schrift, unser Handeln und unser Denken verändern, nur damit sich niemand mehr auf die Füße getreten fühlt? Ich bin der Meinung: Nein!

Schauen wir uns doch mal die Definition des Begriffs Gender Mainstreaming an. Bei der Bundeszentrale für Politische Bildung liest man: „Als politische Strategie zielt Gender Mainstreaming auf die Gleichstellung von Frauen und Männern in allen politischen Entscheidungsprozessen.“ Das ist doch grundsätzlich keine schlechte Idee… 

Kelle: Problematisch ist doch schon der Begriff „Gleichstellung“. Früher sprach man ja immer von Gleichberechtigung. Das hieß: Jeder in diesem Land soll die gleichen Chancen haben – egal ob Mann oder Frau. Ich glaube, das kann jeder unterschreiben. Mit „Gleichstellung“ sind wir aber einen Schritt weitergegangen. Früher haben wir Frauen die Türen geöffnet. Jetzt tragen wir sie hindurch. Und das Ziel der Gleichstellung ist nach dieser Definition erst dann erfüllt, wenn in einer Behörde oder in einem Job genauso viele Frauen wie Männer tätig sind. Egal ob sie da hin wollen oder nicht. Früher ging es also um Chancengleichheit. Jetzt geht es um Ergebnisgleichheit.

Was muss man sich denn genau unter „Gender Mainstreaming“ vorstellen? 

Kelle: Der Begriff „Gender“ meint das sogenannte „soziale“ Geschlecht. Die Gender-Theorie unterscheidet zwischen einem „sozialen Geschlecht“ und dem biologischen Geschlecht – also Mann und Frau – was bislang immer unter dem englischen Begriff „Sex“ definiert wurde. Dieser Geschlechterbegriff „Sex“ stand ja bislang immer im Ausweis und wurde auch von der Wissenschaft verwendet. Jetzt behauptet die Gender-Theorie aber: Geschlecht hat nicht nur eine biologische Komponente, sondern vor allem auch eine soziale Komponente. Dazu gehört auch ein Rollenbild. Ich selbst bin also nicht nur biologisch eine Frau, sondern ich werde laut Gender-Theorie in die Rolle einer Frau gedrängt. Das Geschlecht wird nun zu einer anerzogenen Rolle, die man verändern kann, indem man die Erziehung verändert. Das Verwirrende ist nun: Im Gegensatz zum biologischen Geschlecht kann man sich sein soziales Geschlecht einfach wählen. Das heißt: Jeder Mann kann auch einfach beschließen, eine Frau zu werden. Und da wird’ s langsam irre.

Gender-Theoretiker: Bis zu 4.000 verschiedene Geschlechter

Warum?

Kelle: Mit Mann und Frau sind wir ja noch nicht fertig. Jeder, der bei Facebook ist, kann sich sein Geschlecht ja mittlerweile unter 60 Geschlechtern aussuchen. Dabei geht es im Wesentlichen darum, welche sexuelle Orientierung ich habe und was mich sexuell erregt. Das sind die neuen Definitionen von Geschlecht laut Gender-Theorie. Und damit nicht genug: Manche Gender-Theoretiker behaupt, dass es bis zu 4.000 Geschlechter gibt.

Mal ganz naiv gefragt: Welche Geschlechter kann es denn außer Mann und Frau noch geben?

Kelle: Nehmen Sie mal das Facebook-Geschlecht „Butch“: Das beschreibt eine Lesbe, die männlich-burschikos auftritt. Aber trotz aller willkürlichen Gender-Etiketten: Am Ende des Tages handelt es sich doch immer noch um eine Frau. Und die hat im Prinzip nur zwei Möglichkeiten, sich von einem Arzt behandeln zu lassen: Vom Gynäkologen oder vom Urologen. Welcher Arzt sie letztlich behandelt, dürfte klar sein. Oder nehmen Sie den Transgender-Mann, also eine biologische Frau, die sich in ihrem Selbstverständnis aber als Mann fühlt und als Mann leben will. Wenn der Transgender-Mann schwanger wird, dann ist das nicht der erste Mann weltweit, der ein Kind bekommt. Sondern immer noch biologisch eine Frau.

Woher kommt denn diese Gender-Ideologie? Und wer treibt das politisch voran?

Kelle: Dass der Begriff „Gender“ mit dem Begriff „Sex“ vertauscht wurde, passierte auf der politischen Ebene erstmals auf der Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking. Im Wesentlichen standen amerikanische Feministinnen dahinter. Ihr vorgebliches Ziel war es, Stereotypen aufzubrechen und zu sagen: Wir definieren unsere Rollen selbst. Nun kommt der Begriff „Gender“ aus der Transsexuellenforschung. Also aus einem Forschungsbereich, der sich mit Menschen befasst, die das Gefühl haben, im falschen Körper zu leben. Und ich sage: Das ist für diese Leute sicher nicht einfach. Aber warum muss ich deswegen mein Geschlecht ständig überdenken? Mittlerweile geht dieses Gedankengut sogar in Bildungspläne von Schulen ein. Auch unsere Kinder sollen jetzt schon in der Grundschule ihr Geschlecht überdenken, nur weil eine Handvoll Leute weltweit ein Problem damit hat, sich selbst zu definieren.

Was für die Betroffenen sicher kein leichtes Schicksal ist.

Kelle: Ich habe natürlich Verständnis für die Leute, die sagen: Ich habe damit ein Problem. Womit aber ich ein Problem habe: Dass man gezwungen wird, als müsse man das alles ganz normal finden. Als wäre das alles super. Wo ich sage: Nein! Ich kann damit überhaupt nichts anfangen. Ich möchte auch nicht, dass meine Kinder sich in der Schule mit diesen Themen befassen müssen in einem Alter, in dem sie solche Themen erstens nicht interessieren und zweitens überfordern. Ich möchte es mir auch nicht aufzwingen lassen. Ich bin eine Frau. Das bin ich heute und das bin ich morgen noch. Ich fühle mich auch ganz wohl in meiner Weiblichkeit. Und wenn Sie sich die Weltbevölkerung ansehen, dann werden Sie feststellen, dass die meisten Menschen ziemlich klar sagen können, ob sie ein Mann oder eine Frau sind. Ich frage mich, warum jetzt alle ihr Geschlecht hinterfragen müssen. Wem nutzt das? Niemandem! Diese Leute sagen aber: Ihr müsst Euch befreien. Ihr seid alle eingeengt. Ihr lebt alle in Rollen-Stereotypen. Und denen sage ich: Selbst wenn das so wäre! Wenn ich doch ganz glücklich bin in meinem Rollen-Stereotyp als Frau und Mutter. Warum darf ich das nicht leben?

Kann man Ihre Position so zusammenfassen: Man muss die Identitätskonflikte, die manche Menschen haben, respektieren. Aber sie dürfen nicht einer Mehrheit aufgezwungen werden?

Kelle: Richtig! Was mich nun wundert: Gender Mainstreaming gilt mittlerweile als Leitprinzip unserer Politik. Aber können Sie sich erinnern, dass wir darüber jemals eine politische Debatte geführt haben? Dass wir öffentlich diskutiert haben, ob wir das überhaupt wollen? Die einzige Legitimation, die ich in Deutschland gefunden habe, ist die Geschäftsordnung des Bundeskabinetts, die diesen Begriff als Leitprinzip aufgenommen hat. Nun ist das Bundeskabinett gar nicht das Gremium, das in Deutschland Politik macht. So etwas gehört wenn, dann in den Bundestag. Ich will nun dazu beitragen, dass diese Thematik eine Öffentlichkeit bekommt. Und dann bin ich sehr gespannt, ob es dafür eine Mehrheit in Deutschland gibt. In der ARD-Sendung „Hart aber fair“, in der ich am Montag zu Gast war, hatte ich nicht das Gefühl, dass es so war.

Jetzt ist Gender Mainstreaming sogar längst in Bayern und in München angekommen. Und es erscheint ziemlich überraschend, dass ausgerechnet ein CSU-Minister Vorgaben für geschlechtergerechte Sprache durchgeboxt hat.

Kelle: Das Bundesverkehrsministerium unter dem damaligen CSU-Minister Peter Ramsauer hat vor zwei Jahren umgestellt auf gendersensible Sprache. Zum 1. April 2013 wurde die Straßenverkehrsordnung an das „Erfordernis der sprachlichen Gleichbehandlung von Mann und Frau“ angepasst. Seither gibt es keine Fußgänger mehr in Deutschland, keine Radfahrer mehr und auch keine Autofahrer mehr. Das diskriminiert ja alles die Frauen. Mittlerweile ist die Rede von „zu Fuß Gehenden“ und von „Radfahrenden“. In diesen Begriffen sind endlich alle Geschlechter drin. Ich frage mich, wie viele Menschen sich bislang durch diese Wörter eigentlich diskriminiert gefühlt haben. Und ich möchte gerne mal wissen, was das eigentlich gekostet hat. Für die neue gendersensible Sprache mussten ja sämtliche amtlichen Dokumente umgeschrieben, mussten Drucksachen, Gesetze und Broschüren neu aufgelegt werden. Dazu ist es übrigens auch noch im Wortsinn falsch. Ein „zu Fuß Gehender“ ist ja jemand, der eine fortlaufende Tätigkeit ausübt. Ein Fußgänger kann aber auch an einer roten Ampel stehen. Das müsste dann also ein „An der Ampel Stehender zu Fuß Gehender sein“, wenn man es ganz genau nimmt. Das Ganze ist nur noch gaga.

Kelle: Gendergerechte Spielplätze in München geplant

In ihrem Buch beschreiben sie noch eine Gender-Initiative in München.

Kelle: Die Münchner SPD startete im Frühjahr 2014 den Vorstoß, den Spielraum in der Stadt gendergerecht umzugestalten. Man hat sich da sie Stadt Wien zum Vorbild genommen, wo das bereits umgesetzt wurde. Denn: Man hat auch in München festgestellt, dass auf Spielplätzen mehr Jungs spielen als Mädchen. Es reicht offenbar nicht, dass es Spielplätze gibt, die für alle Kinder da sind. Und jedes Kind, das Spielen will, darf da drauf. Nein: Wenn da mehr Jungs als Mädchen spielen, muss ja irgendwas mit dem Spielplatz falsch sein. Wenn er richtig wäre, dann wäre er doch genauso animierend für die Mädchen. Und dann müssten da doch genauso viele Mädchen spielen wie Jungs. Aufgrund der Tatsache, dass Jungs offenbar häufiger auf Spielplätzen anzutreffen sind, riecht man hier wieder eine Diskriminierung. Und deswegen will man sie gendergerecht umgestalten. Man will dazu neue Spielgeräte anschaffen, oder sie umgestalten, damit sie für Mädchen attraktiver werden. Damit am Ende genauso viele Mädchen wie Jungs dort spielen. Also wieder: Ergebnisgleichheit.

Wo liegt denn eigentlich das Problem?

Kelle: Es gibt keins: Ich bin Mutter und ich habe zu Hause zwei Jungs und zwei Mädchen. Die spielen nun mal anders. Geben Sie den Jungs einen Ball, dann suchen sie sich eine Wiese oder einen Spielplatz. Und dann kicken die und sind zufrieden. Während die Mädchen Schmink-Orgien im Badezimmer veranstalten. Man fragt jetzt aber nicht: Haben Jungs und Mädchen vielleicht ein anderes Spielverhalten? Nein, man sagt: Da sind mehr Jungs auf den Spielplätzen. Also werden die Mädchen diskriminiert.

Nun sagt die Gender-Theorie: Rollenmuster – egal ob männlich oder weiblich – sind lediglich erlernt. Wenn ich jetzt daran denke, dass sich unsere dreijährige Tochter im Fasching ein Prinzessinnenkostüm eingebildet hat – übrigens völlig freiwillig…

Kelle: …dann würde die Gender-Professorin jetzt sagen: das Kind ist schon völlig in dieser stereotypen Rolle aufgegangen. Durch die Werbung, durch mädchengerechtes oder pinkes Spielzeug hat man sie in die Prinzessinnenrolle gedrängt. Man hat ihr quasi eingeredet, dass echte Mädchen als Prinzessin gehen. Und deswegen will sie jetzt Prinzessin sein. Ich halte von diesem ganzen Wahnsinn nichts!

Ehrlich gesagt sollte man erwähnen, dass unsere Tochter sich mehr für Barbie-Puppen als für Transformers-Roboter interessiert, wenn im Kinderfernsehen Werbung läuft.

Kelle: Dann haben Sie sie also schon in die Mädchenrolle gedrängt, würden jetzt die Gender-Theoretiker sagen. Meine Erfahrung mit vier Kindern sagt mir: Sie können sich auf den Kopf stellen – aber ein Mädchen ist halt ein Mädchen. Und ein Junge ist ein Junge. Ich kann Ihnen aber zum Thema Karneval – oder Fasching – verraten: Unsere Jüngste ist Sechs. Und nachdem wir jetzt Feen und Prinzessinnen durch hatten, kam sie zum ersten Mal zu mir und sagte: „Mama, ich will dieses Jahr ein Cowboy sein.“ Und ich habe schon aufgeatmet, weil ich dachte: Endlich sind wir durch diese Phase durch. Und dann sagte sie zu mir: „Ich will aber einen pinken Revolver.“ Also war sie Cowboy. Mit pinkem Hut und pinkem Revolver. Aber ich sage mir: Wenn Sie Spaß daran hat – lass sie doch!

Jetzt verursachen solche Gleichstellungsmaßnahmen natürlich auch Kosten. Gibt es denn Zahlen, was in Deutschland bislang für Gender Mainstreaming ausgegeben wurde?

Kelle: Das ist ganz schwierig rauszubekommen. Aber man muss sich nur vor Augen führen: Es gibt in Deutschland etwa 180 Professuren zum Gender Mainstreaming. Es gibt um die 2000 hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte in Ämtern. Und dann natürlich Gleichstellungsmaßnahmen in Ministerien. Stiftungen, Projekte, Aktionen….Ich habe aber eine Summe gefunden – auf EU-Ebene: Zwischen 2007 und 2013 wurden für Projekte zur Gendergerechtigkeit insgesamt 3,56 Milliarden Euro ausgegeben. Auf der anderen Seite erzählt man uns Eltern immer: Es ist für nichts Geld da. In der Schule fallen wegen Lehrermangels Stunden aus. Aber wir haben Geld da für Projekte, in denen die Kinder in den Schulen sexuelle Vielfalt lernen und um Ampelmännchen zu Ampelweibchen umzugestalten.

In Ihrem Buch beschreiben Sie noch eine wissenschaftliche Studie zum Thema Gender Mainstreaming in München.

Kelle: In München zahlt die Deutsche Forschungsgemeinschaft die Forschung über die Frage „Soziologische Explorationen zur (Neu) Kodierung der Geschlechterdifferenz am Beispiel Schönheitschirurgie“. Allein diese Erkenntnisse werden wir mit 232.000 Euro bezahlen, denn die DFG wird fast 100-prozentig aus Steuermitteln finanziert. Ich muss aber ehrlich sagen: Ich kapiere nicht mal die Fragestellung der Studie. Was soll denn dabei herauskommen?

Kelle: Gender-Studien bisher nur mit belanglosen Ergebnissen

Welche Erkenntnisse brachten denn solche Gender-Studien bisher?

Kelle: Wenn Sie nach Ergebnissen fragen: 27.000 Euro ließ sich das Umweltministerium NRW im Jahr 2005 den Spaß kosten, elf Monate lang untersuchen zu lassen, wie Gender Mainstreaming im Nationalpark Eifel umgesetzt werden kann. Bahnbrechendes Forschungsergebnis: Männer und Frauen erleben den Wald unterschiedlich und Bilder von brünftigen Hirschen sollten auf den Werbe-Flyern entfernt werden, weil sie „stereotype Geschlechterrollen“ befördern. In Wien hat man sich in einer Gender-Pferde-Studie wissenschaftlich mit der Frage beschäftigt, ob es für ein Pferd einen Unterschied macht, ob es von einem Mann oder von einer Frau geritten wird. Und wissen Sie, was rausgekommen ist? Dem Pferd ist es wurst. Sensationell! Vielleicht ändert sich das ja, wenn man Conchtia Wurst auf das Pferd setzt. Aber solche Studien werden immerhin mit Steuergeldern finanziert.

Immerhin halten solche Studien auch Wissenschaftler in Lohn und Brot.

Kelle: Aber es betrifft ja auch Studenten. Mir schrieb ein Medizinstudent, dass ihm ernsthaft abverlangt wurde, eine Arbeit über Prostatakrebs in geschlechtergerechter Sprache abzugeben. Jetzt können nur Männer Prostatakrebs bekommen. Das ist doch fern von jeder Logik! Und mit welcher Rechtsgrundlage wird so etwas eingefordert?

Gibt es wissenschaftliche Kritik an der Gender-Theorie?

Kelle: Natürlich. Es widerspricht doch sämtlichen wissenschaftlichen Erkenntnissen, die immer relativ klar zwischen Mann und Frau unterscheiden. Auch die Hirnforschung weiß, dass die Gehirne von Männern und Frauen anders angelegt sind, worauf sich manche Fähigkeiten anders herausbilden. Man muss aber gar nicht so weit gehen: Wie viele Menschen gehen zu Mario Barth und lachen sich kaputt, wenn er die ganzen Unterschiede zwischen Männern und Frauen thematisiert? Jeder von uns weiß doch, dass Männer und Frauen anders sind. Das heißt doch nicht, dass ich als Frau weniger wert bin. Ich bin einfach anders. Können wir es nicht dabei belassen?

Haben Sie sich eigentlich als Frau mit Migrationshintergrund jemals von der deutschen Sprache diskriminiert gefühlt?

Kelle: Niemals. Ich war 13 Jahre lang auf einer deutschen Schule und ich bin mit der deutschen Sprache bestens zurecht gekommen. Ich habe auch gar nicht gemerkt, dass ich diskriminiert worden bin. Ich kenne auch sonst niemanden in Deutschland, der sich durch diese Sprache diskriminiert fühlt. Abgesehen von den Aktivistinnen des Gender Mainstreaming natürlich.

Interview: Franz Rohleder

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