Ein Wiedersehen auf weißen Sesseln: Angela Merkel besucht diese Woche Al-Sisi.

Die Kanzlerin reist nach Ägypten

Besuch bei Al-Sisi: Merkel sucht neuen Flüchtlingsdeal

Wieder ein umstrittener Partner, wieder geht es um Flüchtlinge: Diese Woche besucht die Kanzlerin Ägyptens Präsident Al-Sisi – und wird schon jetzt kritisiert. Aus Kairo gibt es indes schon Angebote – etwa zur Fortbildung von Imamen.

München – Es ist ein wichtiger, aber auch ein heikler Besuch: Am Donnerstag bricht Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach Ägypten auf. Schon vorab lobt sie das Land als „stabilisierendes Element“ in einer kriselnden Region. Ein positives Signal an Präsident Abdel Fattah al-Sisi. Der Machthaber aus Kairo spielt eine wichtige Rolle in den Plänen der Kanzlerin. Wie bei der Türkei geht es um Flüchtlinge. Und genauso wie dort wird ihre Initiative von deutlicher Kritik begleitet.

Zum einen will Merkel Al-Sisi gewinnen, um das bürgerkriegsgebeutelte Nachbarland Libyen zu beruhigen, von wo viele Flüchtlinge ihre Überfahrt nach Europa starten. Ägypten unterstützt dort den umstrittenen General Chalifa Haftar. Er soll offenbar für einen Friedensprozess gewonnen werden.

Zudem würde die Kanzlerin mit den nordafrikanischen Staaten wohl gerne einen Flüchtlingspakt aushandeln. Die Hoffnung vieler Unions-Politiker, etwa von Unions-Fraktionschef Volker Kauder: Anstatt im Mittelmeer gerettete Flüchtlinge nach Europa zu bringen, sollen sie nach Nordafrika zurückgebracht werden. Schleusern würde so endlich ihr kriminelles Geschäft durchkreuzt.

Linke: Merkel soll „Menschenrechtskrise“ kritisieren

Doch nicht jeder sieht im ägyptischen Präsidenten einen guten Partner. Merkel solle die „Menschenrechtskrise“ kritisieren, fordert etwa Linken-Chef Bernd Riexinger. Al-Sisi hatte 2013 den islamistischen, aber demokratisch gewählten Präsidenten Mursi aus dem Amt geputscht. Ihm wird vorgeworfen, Minderheiten zu unterdrücken, Pressefreiheit zu verhindern und Gegner zu foltern. „Die Ruhe in Ägypten ist eine Friedhofsruhe“, sagt der Erlangener Islamwissenschaftler Mathias Rohe.

Auch der koptisch-orthodoxe Bischof in Deutschland, Anba Damian, spricht von „grausamen“ Aggressionen gegen Christen. Falls die Lage so gut sei, dann solle Kanzlerin Merkel doch ohne hohe Sicherheitsvorkehrungen in das Land reisen. Merkel hatte behauptet, die koptischen Christen in Ägypten hätten „eine sehr gute Situation für die Ausübung ihrer Religion“.

Auch Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer (CSU) verteidigt Al-Sisi. Vergangene Woche besuchte er Ägypten – und kam unter anderem zu einem 75-minütigen Gespräch mit dem Präsidenten zusammen. Aber auch mit Kopten-Papst Tawadros II. Al-Sisi habe die koptischen Christen schon zweimal zum Weihnachtsfest besucht, sagt Singhammer. In Kairo werde gerade ein neuer Stadtteil für 2,5 Millionen Menschen gebaut – inklusive Moschee und Kirche. Beide Gotteshäuserwürden zeitgleich eingeweiht.

„Der Wunsch nach Kooperation ist groß“

Die Zusammenarbeit mit dem Land müsse über ein Flüchtlingsabkommen hinausgehen, meint der Münchner Abgeordnete. 30 Millionen Menschen seien unter 18 Jahre alt. Deutschland müsse helfen, ihnen Perspektiven zu bieten – etwa mit Zusammenarbeit bei Wirtschaft und Ausbildung. „Der Wunsch nach Kooperation ist groß“, sagt er.

Singhammer sieht aber auch Chancen für Deutschland. In Kairo kam er auch mit Ahmad Mohammad al-Tayyeb, dem Rektor der renommierten Al-Azhar-Universität zusammen. Als Scheich Al-Azhar ist er einer der wichtigsten Autoritäten des sunnitischen Islams. Al-Tayyeb biete an, Deutschland bei der Ausbildung von Imamen zu unterstützen. In einer Weiterbildung an der Al-Azhar-Universität könne man den Geistlichen nahebringen, wie man muslimische Religiosität mit dem Leben als europäischer Staatsbürger vereinbart. Eine solche Kooperation pflege die Uni bereits mit Großbritannien. Auch Stipendien bietet Al-Tayyeb.

Zuletzt hatte sich die Al-Azhar-Universität immer wieder mit moderaten Rechtsgutachten profiliert. „Das Angebot sollten wir vorurteilsfrei prüfen“, meint Singhammer. Gerade weil der bisher bevorzugte Partner Ditib in die Kritik geraten sei. Dem Türkei-nahen Moscheeverband wird vorgeworfen, als verlängerter Arm des türkischen Präsidenten Erdogan zu agieren.

Islamforscher Rohe rät allerdings zur Vorsicht. Wie Ditib mit der Türkei sei auch die Al-Azhar-Uni „eng mit dem ägyptischen Regime verbandelt“. Auch variiere die Qualität der Lehre stark. „Man muss vielleicht weniger auf die Institution schauen als auf die konkreten Personen, mit denen man kooperiert.“

Til Huber

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