Ole von Beust feuert Skandal-Freund Kusch

- Hamburg - Nach knapp vier Jahren im Amt ist der umstrittene Hamburger Justizsenator Roger Kusch (CDU) von Bürgermeister Ole von Beust wegen mangelnden Vertrauens entlassen worden. Nachfolger soll der bisherige Justiz-Staatsrat Carsten Lüdeman, 41 Jahre alt, werden, der als ruhig und besonnen gilt.

Von Beust hatte Kusch am Wochenende den Rücktritt nahe gelegt. Dieser lehnte ab und veröffentlichte Details aus dem vertraulichen Telefonat mit seinem langjährigen, engen Freund und Urlaubspartner von Beust. Der Bürgermeister, wie auch Kusch offener Homosexueller, begründete die Entlassung damit, dass nach einer Reihe von Vorfällen das Grundvertrauen zu Kusch nicht mehr vorhanden sei. Von Beust warf Kusch massive Uneinsichtigkeit in der so genannten Protokollaffäre vor.

Allerdings sei die Affäre nicht die Ursache für die Entlassung, sondern nur der Anlass. Dieser habe das Fass zum Überlaufen gebracht, sagte von Beust.

In der Protokollaffäre geht es darum, dass Zeugen-Protokolle und andere Dokumente eines Untersuchungsausschusses der Hamburger Bürgerschaft über Behörden in unberechtigte Hände gekommen sind, darunter zu Kusch. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Teile der Unterlagen sind auch zu externen Personen gelangt. Nach Presseberichten handelt es sich um den Anwalt Kuschs und einen Mitarbeiter der CDU-Bundestagsfraktion.

Kusch war seit 2001 Justizsenator in Hamburg. Er steht wegen einer Kette von Vorfällen seit Jahren in der Kritik: Er hatte etwa ohne parteiinterne Absprache die Abschaffung des Jugendstrafrechtes gefordert und war für die Freigabe der Sterbehilfe eingetreten. Gegenüber Mitarbeitern zeigte er sich oft harsch. Im Strafvollzug setzte er eine schärfere Linie durch.

"Ich bedauere diese Entscheidung, auch aus persönlichen Gründen", sagte von Beust, der seit mehr als 25 Jahren mit Roger Kusch persönlich sehr eng befreundet ist. Beide kennen sich seit dem Jura-Studium in Hamburg. Ole von Beust räumte ein, dass es ein Fehler war, einen persönlichen Freund zum Senator zu machen. Das führe dazu, dann man die Person entweder zu kritisch oder zu positiv sehe.

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