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Bidens gesammelte Märchen: US-Präsident irritiert sein Volk regelmäßig mit erfundenen Anekdoten

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Von: Friedemann Diederichs

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US-Präsident Joe Biden im Oval Office im Weißen Haus.
US-Präsident Joe Biden im Oval Office im Weißen Haus. © Shawn Thew/imago

US-Präsident Joe Biden irritiert sein Volk regelmäßig mit erfundenen Anekdoten. Fragen zur Handlungsfähigkeit kommen auf.

Washington – Als kürzlich der US-Präsident Joe Biden eine technische Universität im Bundesstaat Minnesota besuchte, plauderte er mit Studenten über Jobs mit Zukunft. Dabei gab Joe Biden (79) eine Anekdote zum Besten: Er habe einst einen Lkw gefahren und wisse deshalb etwas über schwere Transportfahrzeuge. „Toll“, sagte ein Student, was Biden zu der Anmerkung animierte: Er sei zwar nur eine Zeit lang im Sommer gefahren, habe aber eine Lizenz bekommen.

Die Schilderung des Präsidenten hatte einen Schönheitsfehler: Sie war erfunden. Recherchen von Fakt-Checkern ergaben schnell, dass es keinerlei Hinweise auf einen Job als Lkw-Fahrer gibt. Anfragen beim Weißen Haus blieben unbeantwortet. Als Jura-Student hatte der Präsident lediglich einst in den Semesterferien einen Schulbus gefahren, um etwas dazu zu verdienen.

Joe Biden: First Lady Jill Biden empört über Frage nach mentalen Vermögen ihres Mannes

Die Behauptung Bidens reiht sich nahtlos ein in eine Serie falscher Geschichten, was jetzt den Sender CBS bei einem Interview von First Lady Jill Biden zu der Frage bewegte: Wie ist es um das mentale Vermögen des 79-jährigen Präsidenten bestellt? Seine Frau zeigte sich – wie zu erwarten war – empört und wies jegliche Zweifel an altersbedingten Problemen ihres Mannes zurück.

Faktenchecker der Washington Post prüfen Märchen-Tendenz

Zur Märchen-Tendenz zählt die falsche Aussage, er sei einst in Südafrika verhaftet worden, als er den Bürgerrechtler Nelson Mandela in Soweto besuchen wollte. Der Präsident hatte das mehrfach im Wahlkampf behauptet – unter anderem im wichtigen Bundesstaat South Carolina, dessen afro-amerikanische Wähler später den Abwärtstrend Bidens bei den Vorwahlen stoppten. Faktenchecker der Washington Post, sonst Biden wohlgesonnen, bezeichneten die Schilderung als „lächerlich“ – und bewerteten sie mit der peinlichen Höchstnote von vier Pinocchios. Der spätere Präsident hatte den angeblichen Arrest noch mit der Bemerkung aufgehübscht, Mandela habe ihm für seinen Einsatz und auch dafür gedankt, dass er eine Verhaftung in Kauf genommen habe.

Auch die legendäre frühere israelische Premierministerin Golda Meir wurde zum Objekt der unwahren Anekdoten Bidens. Als junger Senator traf er die Politikerin in Israel – und stellte nun den Kontakt so dar, als habe Meir ihn für eine wichtige diplomatische Rolle nutzen wollen. Zudem stellte der Präsident den Zeitpunkt des Treffens falsch dar – es war nicht wie behauptet 1967 während des Sechstagekrieges, sondern erst 1973 kurz vor dem Yom-Kippur-Konflikt. Und es gibt keine Indizien dafür, dass Israel Biden damals als Verbindung zwischen dem Land und Ägypten einsetzen wollte. 1967 war Biden noch ein Student, und Meir noch nicht Premierministerin.

„Joey baby!“-Anekdote bereits fünf Mal erzählt

Die beliebteste aller erfundenen Anekdoten, die Biden trotz der Einwürfe von Faktencheckern gerne wiederholt, ist die angebliche Begegnung mit einem Zugschaffner namens Angelo Negri. Bereits fünf Mal hörte das Land allein dieses Jahr die Story, dass Negri 2010 – als Biden Vizepräsident war – dem regelmäßigen Fahrgast mit den Worten „Joey baby!“ in die Backen gekniffen habe. Auch gegenüber dem britischen Premier Boris Johnson erwähnte Biden im September den so kuriosen wie unwahren Vorgang. Denn Schaffner Negri ging bereits 1993 in den Ruhestand, lange bevor Biden Vizepräsident war.

Dennoch: Mit seiner Tendenz zur Unwahrheiten kann Biden nicht mit Donald Trump mithalten. Die Washington Post konstatierte, Biden habe in den ersten 100 Tagen im Amt 67 falsche oder irreführende Aussagen gemacht. Bei Trump waren es 511.

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