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Rätsel um Drohnen-Pläne – Bilder enthüllen: Russland-Delegation flog bereits im Juni in den Iran

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Von: Hannes Niemeyer

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Die USA befürchten, der Iran könne Russland im Ukraine-Krieg Drohnen liefern. Der Iran selber dementiert. Satellitenbilder sollen nun aber ein Treffen beweisen.

Moskau / Teheran - Dass westliche Länder im Ukraine-Krieg den Truppen von Wolodymyr Selenskyj regelmäßig mit Waffenlieferungen unter die Arme greifen, ist hinlänglich bekannt. Nun wurden allerdings Bedenken laut, dass sich auch die russische Gegenseite in Gesprächen zu einer massiven Anschaffung von Waffen befinden soll. Partner dieses Deals soll demnach der Iran sein.

Das behauptete jedenfalls die USA: Am Dienstag verkündete Jake Sullivan, Berater von US-Präsident Joe Biden, dass der Iran Russland waffenfähige Drohnen für den Kampf in der Ukraine liefern wolle. Von „bis zu mehreren hundert“ solcher unbemannten Fluggeräte war die Rede. Die USA gingen gar davon aus, dass der Iran plane, russische Einheiten an den Drohnen auszubilden. Befeuert wird die Spekulation zusätzlich dadurch, dass Kreml-Machthaber Wladimir Putin am 19. Juli selber in den Iran reisen wird. Bei dem Treffen solle es laut der Agentur Interfax um Syrien gehen, der Iran bekräftigte außerdem mittlerweile, dass es keine Drohnenlieferungen an Russland geben werde. Biden-Berater Sullivan traut dem ganzen allerdings wohl noch immer nicht.

Kooperiert der Iran im Ukraine-Krieg mit Putin? Satellitenbilder sollen Treffen auf Militärbasis zeigen

Gegenüber dem US-Newssender CNN machte Sullivan nun nämlich brisante Details öffentlich. Demnach hätte nämlich eine russische Delegation bereits im letzten Monat gleich zweimal einen iranischen Luftwaffen-Stützpunkt besucht. Satellitenfotos, die CNN vorliegen, sollen dies beweisen. Bei dem Treffen sollen Drohnen vom Typ Shahed-191 und Shahed-129 präsentiert worden sein. Besagte Drohnen sind auch auf den Satellitenaufnahmen zu sehen. Ebenfalls soll ein Transporter einer russischen Delegation abgebildet sein. „Die veröffentlichten Bilder - aufgenommen im Juni - zeigen iranische UAVs (Unmanned Aerial Vehicles, Anm. d. Red.), die die russische Delegation sich an diesem Tag angesehen hat. Das suggeriert ein anhaltendes Interesse Russlands am Erwerb iranischer waffenfähiger UAVs“, zitiert CNN aus einem Statement von Biden-Berater Sullivan.

Eine Drohne vom Typ Shahed-129. Ein solches Modell soll sich eine russische Delegation laut Satellitenbildern im Iran angesehen haben.
Eine Drohne vom Typ Shahed-129. Ein solches Modell soll sich eine russische Delegation laut Satellitenbildern im Iran angesehen haben. © Sobhan Farajvan / IMAGO / Pacific Press Agency

Laut Wissensstand der USA sei das Juni-Treffen das erste jener Art gewesen, an dem sich russische Delegierte derartige Waffen hätten präsentieren lassen. Am 5. Juli sollen erneut russische Gesandte denselben Stützpunkt besucht haben. Drohnen spielen im Ukraine-Krieg eine wichtige Rolle. Russland setzte etwa früh auf sogenannte Kamikaze-Drohnen, die für die Ukraine dann auch zum Gamechanger wurden. Zuletzt wusste besonders die Ukraine mit aus der Türkei erworbenen Drohnen, Putin-Erfolge zu blockieren.

Neue Drohnen für Putin? Iran dementiert und spricht von „US-Propagandaakt“

Das iranische Dementi eines Drohnen-Deals mit Russland macht die Sache gar eher noch spannender. Irans Außenminister Hussein Amirabdollahian warf der USA in einem Gespräch mit Ukraine-Außenminister Dmytro Kuleba wegen Sullivans Thesen gar vor, die Behauptungen seien „grundlos und mehr ein Propagandaakt vor der Reise von US-Präsident Biden“. Biden befindet sich aktuell auf Besuchen im Mittleren Osten, war am Samstag etwa in Saudi-Arabien zu Gast. Auch eine Reise nach Israel ist geplant. Wie ein US-Offizier gegenüber CNN angibt, würde demnach genau die Verstärkung der Beziehungen zwischen Russland und dem Iran dafür sorgen, dass die USA ihre Präsenz und ihren Einfluss im Mittleren Osten verstärken müsse.

Was genau hinter den Satellitenfotos steckt, lässt sich nicht unabhängig überprüfen. Wie es im Drohnen-Rätsel weiter geht, wird sich vermutlich frühestens bei Putins Besuch am 19. Juli im Iran zeigen. Derweil tobt in der Ukraine weiterhin erbittert der Krieg. Und Ex-Merkel-Berater Vad sieht Putin dort bald unwiderruflich im Vorteil. (han)

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