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Unterricht in einer Grundschule. Der "IQB-Bildungstrend 2016" untersucht das Kompetenzniveau in den Fächern Deutsch und Mathematik der 4. Jahrgangsstufe. Foto: Peter Steffen

IQB-Bildungstrend 2016

Mathe, Zuhören, Rechtschreibung: Grundschüler fallen zurück

Probleme bei Mathe-Aufgaben und Mängel beim Rechtschreiben - das Niveau von Deutschlands Grundschülern ist in den vergangenen Jahren an zentralen Stellen gesunken. Doch von Land zu Land gibt es große Unterschiede.

Berlin (dpa) - Deutschlands Viertklässler sind innerhalb der vergangenen fünf Jahre in Mathematik, beim Zuhören und in Rechtschreibung zurückgefallen. Beim Lesen sind die Grundschüler dagegen im vergangenen Jahr auf ähnlichem Niveau geblieben wie 2011.

Das geht aus der Studie IQB-Bildungstrends hervor, die die Kultusministerkonferenz (KMK) in Berlin veröffentlichte. "Die Ergebnisse sind ernüchternd", sagte KMK-Präsidentin Susanne Eisenmann (CDU). "Die Ergebnisse der Studie zeigen einen bundesweiten Handlungsbedarf bei der Förderung in den Kernfächern Deutsch und Mathematik." Untersucht wurde, inwieweit Viertklässler bestimmte Bildungsstandards der KMK in beiden Fächern erreichen.

Verändert hat sich seit der vorherigen Erhebung 2011 aber auch die Zusammensetzung der Schülerschaft. Der Anteil der Viertklässler mit Migrationshintergrund erhöhte sich um mehr als ein Drittel auf 34 Prozent. Zudem besuchen auch mehr Kinder mit Behinderung eine allgemeine Schule. Eisenmann nannte es "erfreulich", dass angesichts dessen die Ergebnisse beim Lesen stabil geblieben sind.

Zwischen den Ländern gibt es große Unterschiede. Beispiel Zuhören: Seit 2011 hat sich der Anteil von Kindern, die Regelstandards mindestens erreichen, in fünf Ländern deutlich verkleinert: In Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt. Bei Mathe gab es hier in sechs Ländern Negativtrends: Baden-Württemberg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt.

Beim Lesen erreichte 2016 jeder achte Viertklässler in Deutschland nicht den Mindeststandard (12,5 Prozent). Besonders viele sind es in Bremen (25,5) und Berlin (20 Prozent). Über Bundesschnitt liegen Sachsen (7,2), Bayern (7,9), Schleswig-Holstein (8,8).

Beim Zuhören verfehlten bundesweit 10,8 Prozent den Mindeststandard, aber 20,8 Prozent in Bremen und 15,6 Prozent in Berlin. Bayern (6,5) und Schleswig-Holstein (8,3 Prozent) lagen über dem Bundeswert. Bei der Rechtschreibung lagen 22,1 Prozent der Viertklässler deutschlandweit unter Mindeststandard. Hier bildeten Bremen, Berlin, Niedersachsen und Hamburg Ausreißer nach unten, Bayern und das Saarland lagen deutlich über Bundesschnitt. 

In Mathematik landeten in ganz Deutschland 15,4 Prozent der Viertklässler unter dem Mindeststandard. Schlechter lagen Bremen (35,4), Berlin (27,6), Nordrhein-Westfalen (19,2) und Hamburg (21,2 Prozent). Besser ab schnitten Bayern (8,3), Sachsen (8,8), Sachsen-Anhalt (12,1) und Thüringen (12,6 Prozent). 

Die Studienautorin Petra Stanat erläuterte, der gestiegene Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund sei vor allem auf im Land geborene Kinder zurückzuführen. "Wir haben die Schüler, die 2015 mit Fluchterfahrung ins System gekommen sind, überwiegend noch nicht drin." Erst nach einem Jahr würden Schüler in die Test einbezogen. Sie erwarte aber dadurch keine starken Änderungen, denn bezogen auf eine Jahrgangsstufe seien es nicht so viele.  

Stanat betonte, der gestiegene Anteil an Zuwandererkindern sei nicht gleichbedeutend mit schlechteren Leistungen. Die Trends gingen bei deutsch- und migrationsstämmigen Kindern in eine ähnliche Richtung. Bei Zuwandererkindern sei oft auch die soziale Schlechterstellung der Hauptgrund für mögliche Probleme. Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) sagte unter Berufung auf Untersuchungen in Hamburg zudem, dass viele migrantenstämmige Kinder nicht dazu führten, dass Mitschüler ohne Migrationshintergrund anders oder schlechter landeten.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft warf den Ländern Vernachlässigung der Grundschulen vor. "Die Länder haben sich zu wenig darum gekümmert, dass ausreichend Lehrkräfte ausgebildet werden, sagte Vorstandsmitglied Ilka Hoffmann. Konkrete Maßnahmen gegen den Lehrermangel forderte der Verband Bildung und Erziehung.

An der Studie nahmen 29 259 Schüler aus allen 16 Ländern teil.

Grundschüler sacken ab: Schülertest sorgt für Ratlosigkeit

Bei ihren Schülertests verwenden die Forscher des Berliner Instituts verschiedene Aufgaben. Beispiele:

Um das Zuhören zu testen wird den Schülern etwa ein Text zu Gehör gebracht, in dem ein Junge aus Südamerika aus seinem Leben erzählt. Hinterher müssen die Schüler einen Fragebogen beantworten - etwa was der Junge mit bestimmten Äußerungen in dem Text meint.

In Mathematik wird den Schülern etwa eine Aufgabe mit Kärtchen mit den Ziffern zwischen 1 und 9 gestellt. Damit sind vierstellige Zahlen zu legen und jede Karte höchstens einmal zu verwenden. Wie heißt die kleinste mögliche Zahl? Richtig: 1234. Wie heißt die größte Zahl? Richtig: 9876.

Dann soll die Zahl gelegt werden, die am nächsten bei 5000 liegt. Eine Anja sagt in der Aufgabe: "Leg die Zahl 4321". Doch eine Ute meint, dies sei nicht richtig. Welche Zahl liegt am nächsten bei 5000? Richtig: 4987.

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Kommentare

paul
(0)(0)

Mein Enkel geht in Thüringen in die Schule.
Noch gibt es da keine Migrantenkinder aber das Niveau ist dennoch ideologisch gewollt gesunken.
Genannt "Jenaplan" gibt es die ersten 2 Schuljahre keine Noten. Die Erstklässler sitzen mit den Zweitklässern in einer Klasse zusammen die ersten beiden Jahre.
In der dritten Klasse gibt es die Geburt zu sehen. In der Vierten Klasse wird das Familienbild mit zwei sich Küssenden Männern im Lesebuch geformt.
Schreibschrift wird nicht mehr gelernt dafür aber ganz viel Bio und Öko.
Schreiben nach Gehör rundet das Bild dann ab.
Und wenn mein Enkel in Mathe von 23 Punkten 22 erreicht bekommt er dank Notenschlüssel eine 2 - in einem TV Beitrag sah ich in NRW ein Kind das in Mathe bei genauso eine Punktevergabe das Kind von 23 Punkten 22 erreichte und dankt den dortigen Notenschlüssel eine 1 bekommen hat - ungerechter geht’s nimmer!

DerMichiAntwort
(1)(0)

Touché, es gibt auch Grundschullehrer (und Lehrer anderer Schulformen), die ihre Aufgabe ernst nehmen. Es ist nur mittlerweile zu beobachten - und das war vor 20 Jahren auch schon so - dass irgendwelche Kompetenzen vermittelt werden müssen. Also keine Bildung mehr, sondern Kompetenzen. Zu dem oben erwähnten Einmal-Eins-Lernen wurde mir genau Dieses gesagt: "Es macht keinen Spaß, es ist nur Drill. Und im Umgang mit einem Taschenrechner wird auch die digitale Kompetenz gefördert." - einfach nur haarsträubend.
Liest man Bewerbungsschreiben von Universitätsabsolventen (Master-Studiengänge), so rollen sich einem die Fußnägel hoch. Etwa 80% der Bewerber sind (nach 16 bis 20 Jahren Ausbildung!) nicht in der Lage eine fehlerfreie Bewerbung zu versenden. Selbst nach einigen Jahren Berufserfahrung sind diese jungen Menschen nicht in der Lage eine fehlerfreie Dokumentation ihrer Arbeit zu verfassen - Dank MS Office Rechtschreib- und Grammatik-Korrektur wird es meist lesbar und verständlich. Und genau deswegen wird sich auch nicht angestrengt ein qualitativ gutes Arbeitsergebis zu liefern, das digitale Helferlein wird's schon richten - glaubt man. Aber wenn die automatische Korrektur mehr als eine Variante anbietet, tja, dann ist's wie Würfeln. So schaut's heute aus.
Es gibt noch gute Lehrer, es gibt auch noch Schüler, die Lernen wollen - aber es sind nicht mehr viele.

Leon GrünwalderAntwort
(1)(0)

Ein guter Verkäufer hört in erster Linie zu, ich weiß von was ich rede. Ich verkaufe sehr spezielle und hochpreisige Artikel, lass aber den Kunden palavern, dann entscheide ich was für einen Artikel mit welcher Ausstattung er will und tüte den Auftrag ein. Palimpalim, so geht das.