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Camping: Angela Kasner bereitet im Juli 1973 - kurz nach ihrem Abitur - auf einer Feuerstelle eine Mahlzeit zu.

Kanzlerin heute in Trudering

Neue Merkel-Biografie

München – Viele Fragen, keine klare Antwort: Eine Biografie über die Bundeskanzlerin versucht pikante Details aus ihrem „ersten Leben“ zu enthüllen: Stand Angela Merkel zu DDR-Zeiten dem Sozialismus näher, als sie zugibt? Die Autoren sagen „ja“. Doch Experten haben Zweifel.

Der Buchtitel klingt nach einer vertraulichen Akte: streng geheim, nur für Insider bestimmt. „Das erste Leben der Angela M.“, prangt in roten Lettern auf dem Cover. Zu sehen ist das Schwarz-Weiß-Foto einer jungen Frau – mit dunklem Bubi-Kopf und schüchternem Blick. Diese Frau ist heute 58 Jahre alt. Sie heißt Angela Merkel. Sie ist Bundeskanzlerin.

Seit langer Zeit lebt Angela M. ihr zweites Leben – das aufs Engste mit der CDU verknüpft ist. Über das erste Leben, das in der DDR, wo sie als Pastorentochter aufwuchs, ein 1,0-Abitur machte, eifrig Naturwissenschaften studierte und danach in die Politik stolperte, ist wenig bekannt. „Dieses Leben war ein Leben außerhalb des Berufspolitischen, sodass ich eine verschärfte Seiteneinsteigerin bin. Das macht neugierig. Das verstehe ich“, sagte Merkel einst in einem Interview.

Ralf Georg Reuth und Günther Lachmann, ein Historiker und ein „Welt“-Redakteur, verstehen das offenbar auch. Deshalb wollen sie mit ihrer neuen Kanzlerin-Biografie (Piper-Verlag; 19,99 Euro) die Neugierde stillen. Natürlich fehlt in ihrem Buch nicht das Kapitel über die Kindheit – darüber, wie die kleine Angela in der schönen Uckermark groß wurde, im Wald herumrannte, Blaubeeren und Pilze sammelte. Man erfährt, dass sie schon als Teenager zur „CDU“ gehörte – in dem Fall war das allerdings der „Club der Ungeküssten“. Spätestens 1974 dürfte es mit einer Mitgliedschaft vorbei gewesen sein, da lernt die junge Angela Kasner Ulrich Merkel kennen – er studiert wie sie Physik. Sie ist 20, er ein gutes Jahr älter. 1977 heiraten die beiden, 1981 sind sie geschieden. Was bleibt, ist der Nachname Merkel. „Ich bin in die Ehe nicht mit der notwendigen Ernsthaftigkeit gegangen“, wird sie später sagen. Da ist sie längst zum zweiten Mal verheiratet, mit Joachim Sauer. Die Ehe hält bis heute.

Es stimmt schon: Die eine oder andere Episode liest sich amüsant. Für die Autoren sind diese kleinen Geschichten aber nur Beiwerk. Ihr Hauptanliegen ist ein anderes: Sie wollen ein Bild vom ersten Leben der Angela M. zeichnen, „das im Widerspruch steht zu demjenigen, welches sie selbst von sich entwirft“. Kurzum: Angela M. mag noch so oft behaupten, sie habe dem SED-Staat nie nahegestanden. Alles Blödsinn. Angela M. sei „durch ihren sozialistischen Vater“ Horst Kasner politisch geprägt worden. Von wegen Mitläuferin. Sie sei eine Funktionärin gewesen! Zum Beispiel in der FDJ, einem sozialistischen Jugendverband in der DDR. „Angela Merkel war Sekretärin für Agitation und Propaganda“, erzählt ein Studienkollege in dem Buch. Merkel selbst bezeichnete sich einst als „Kulturbeauftragte“.

Was stimmt? Werner Schulz, früherer DDR-Bürgerrechtler und heute Europa-Abgeordneter von Bündnis90/Grüne, erklärt: „Es gab tausende Sekretäre und Sekretärinnen für Agitation und Propaganda. Die FDJ, das war eine Mischung aus vorgegebenen Polit-Instruktionen und Freizeitbeschäftigungen mit Kunst, Literatur und Theater.“ Einen weiteren Vorwurf, Merkel sei eine „Reformkommunistin“ gewesen, wischt er ebenso vom Tisch. „Das ist Quatsch! Sie hat sich den Umständen entsprechend klug angepasst.“ Die Verfasser der Biografie hätten keine Ahnung vom Leben in der DDR.

Merkel selbst sagte erst kürzlich, sie habe „nie irgendwas verheimlicht“. Das mag sein – oder auch nicht. Was aber feststeht: Die Biografie liefert keine Antwort. Man ist nach dem Lesen kaum schlauer als zuvor.

Die Kanzlerin in Trudering

Angela Merkel kommt heute nach Trudering. Sie spricht ab 18 Uhr im Festzelt.

Barbara Nazarewska

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