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Ein Screenshot aus einem der Videos der Björn-Höcke-Rede.

Über diesen Auftritt diskutiert Deutschland

Höcke: Hier sehen Sie die Skandal-Rede des AfD-Manns in Dresden im YouTube-Video

Dresden - Über die Rede des Thüringer AfD-Politikers Björn in Dresden diskutiert Deutschland. Jeder politisch Interessierte sollte sie gesehen haben. Wir zeigen das YouTube-Video.

Der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke hat am Dienstagabend auf einer Veranstaltung der Jungen Alternative in Dresden eine Rede gehalten. Und damit einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Es war womöglich ein kalkulierter Tabubruch - aber das macht die Aufregung nicht kleiner. Viele Politiker anderer Parteien haben sich bereits geäußert, und die Höcke-Rede wird Politik-Deutschland wohl noch Tage beschäftigen.

Björn Höcke: Rede des AfD-Politikers in Dresden im YouTube-Video

Aber worüber sprechen wir überhaupt? Damit Sie sich selbst eine Meinung über die Björn-Höcke-Rede in Dresden bilden können, sehen Sie hier zunächst das YouTube-Video.

Es gibt verschiedene YouTube-Videos der Rede - um einen Kompletteindruck zu bieten, haben wir uns dafür entschieden, die Aufzeichnung eines vollständigen Streams des Abends einzubetten. Die Rede von Björn Höcke beginnt in diesem YouTube-Video nach etwa 1:44 Stunden, Sie sollten also „vorspulen“, wenn Sie direkt die Rede sehen wollen:

Björn Höcke: Auszüge der Rede in Dresden im Wortlaut

Die Deutsche Presse-Agentur dokumentiert Passagen aus der Höcke-Rede in Dresden im Wortlaut:

„Und bis heute sind wir nicht in der Lage, unsere eigenen Opfer zu betrauern.“

„Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“

„Anstatt die nachwachsende Generation mit den großen Wohltätern, den bekannten, weltbewegenden Philosophen, den Musikern, den genialen Entdeckern und Erfindern in Berührung zu bringen, von denen wir ja so viele haben,...vielleicht mehr als jedes andere Volk auf dieser Welt..., und anstatt unsere Schüler in den Schulen mit dieser Geschichte in Berührung zu bringen, wird die Geschichte, die deutsche Geschichte, mies und lächerlich gemacht.“

„So kann es, so darf es und so wird es nicht weitergehen. Es gibt keine moralische Pflicht zur Selbstauflösung.“

„Und diese dämliche Bewältigungspolitik, die lähmt uns heute noch viel mehr als zu Franz Josef Strauß' Zeiten. Wir brauchen nichts anderes als eine erinnerungspolitische Wende um 180 Grad.“

„Wir brauchen eine lebendige Erinnerungskultur, die uns vor allen Dingen und zu allererst mit den großartigen Leistungen der Altvorderen in Berührung bringt.“

„Unser liebes Volk ist im Inneren tief gespalten und durch den Geburtenrückgang sowie die Masseneinwanderung erstmals in seiner Existenz tatsächlich elementar bedroht.“

Björn Höcke: Darum ging es in der Rede

Die meiste Empörung löst Höckes massive Kritik am Holocaust-Gedenken aus. Offensichtlich mit Blick auf das Holocaust-Mahnmal in Berlin, sagte Höcke: „Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“ Der AfD-Politiker sprach von einer „dämlichen Bewältigungspolitik“ und forderte eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“. Bis jetzt sei der deutsche Gemütszustand der „eines brutal besiegten Volkes“.

Höcke weilte auf Einladung der AfD-Jugend in Dresden. Die asyl- und ausländerfeindliche Pegida-Bewegung hatte Ordner gestellt. Vor dem Gebäude demonstrierten gut 200 Menschen gegen Höcke. In seiner Rede hatte er auch führende Politiker als „erbärmliche Apparatschiks“ bezeichnet. Die Regierung Merkel sei „zu einem Regime mutiert.“

Björn Höcke: So erklärt der AfD-Politiker seine Rede

Björn Höcke wies „bösartige und bewusst verleumdende Interpretationen“ seiner Rede zurück. Er habe „den Holocaust, also den von Deutschen verübten Völkermord an den Juden, als Schande für unser Volk bezeichnet“. Er habe gesagt, „dass wir Deutsche diesem auch heute noch unfassbaren Verbrechen, also dieser Schuld und der damit verbundenen Schande mitten in Berlin, ein Denkmal gesetzt haben“.

Björn Höcke: Reaktionen innerhalb der AfD auf die Rede in Dresden

AfD-Vize Alexander Gauland nahm Björn Höcke in Schutz. „Die Frage, ob man das mitten in die deutsche Hauptstadt stellen muss“, sei vor der Errichtung des Mahnmals breit diskutiert worden, sagte Gauland. Dass Höcke diese Frage nun noch einmal aufgeworfen habe, tauge nicht zum Skandal.

Doch auch in der eigenen Partei hagelte es Kritik, etwa von Marcus Pretzell: „Zum wiederholten Male drückt sich Björn Höcke sehr missverständlich aus, um es vorsichtig zu formulieren. Zum wiederholten Male rührt er dabei mit größter Ignoranz an einer 12-jährigen Geschichtsepoche, deren Revision wahrlich nicht die Aufgabe der AfD ist“, sagte Nordrhein-Westfalens AfD-Vorsitzender Marcus Pretzell in der „Bild“-Zeitung. 

Ähnlich sieht es Frauke Petry: „Björn Höcke ist mit seinen Alleingängen und ständigen Querschüssen zu einer Belastung für die Partei geworden“, erklärte die AfD-Chefin in der Wochenzeitung und „Junge Freiheit“. Das wird als rechtskonservativ eingeordnet.

AfD-Bundesvorstandsmitglied Alice Weidel sagte: „Solche unsäglichen, rückwärtsgewandten Debatten sind überflüssig und kontraproduktiv. Herrn Höckes Alleingänge schaden der Akzeptanz der Partei bei den Bürgern.“

Björn Höcke: So reagieren Politiker anderer Parteien auf die Rede

Nicht nur bei der AfD, sondern auch bei anderen Parteien löste Höckes Rede Entrüstung aus. Die Fraktionschefs der Linken im Bundestag warfen Höcke Volksverhetzung vor. Sie würden deshalb gegen ihn Strafanzeige erstatten, kündigten Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch am Mittwoch an. Diether Dehm (Die Linke) stellte bereits eine entsprechende Anzeige. 

Der Zentralrat der Juden sieht Höckes Worte als „zutiefst empörend und völlig inakzeptabel“. Er trete das Andenken an die sechs Millionen Juden, die in der NS-Zeit ermordet wurden, mit Füßen. Mit seinen Worten relativiere der AfD-Politiker dieses schwerste und in dem Ausmaß einzigartige Menschheitsverbrechen, so der Zentralratsvorsitzende Josef Schuster.

Sigmar Gabriel (SPD) zeigte sich schockiert: „Björn Höcke verachtet das Deutschland, auf das ich stolz bin. Nie, niemals dürfen wir die Demagogie eines Björn Höcke unwidersprochen lassen“, schrieb Gabriel bei Facebook.  

Und auch vom Koalitionspartner gibt es harsche Kritik. CDU-Generalsekretär Peter Tauber wählte drastische Worte. Er nannte Höckes Äußerungen eine „widerliche Entgleisung“. Sie zeige „einmal mehr: die blaubraune Truppe ist keine Alternative für Deutschland“, schrieb Tauber auf Twitter.

Auch die Grünen-Vorsitzende Simone Peter meldete sich zu Wort. Sie bezeichnete die Höcke-Rede als „unsäglich“. 

mm/tz mit Material von dpa

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