+
Rund 10.000 Teilnehmer nahmen an der Gedenkveranstaltung bei Bleiburg teil.

Verbale und körperliche Attacken

Angriff von rechtsextremem Moderator - Keine Anzeige gegen FR-Reporter

Riesen-Aufregung im österreichischen Bleiburg: Bei einer Gedenkfeier gerät ein  FR-Journalist in höchste Gefahr. Die Polizei kann das Schlimmste gerade noch verhindern. 

Aktualisierung vom 20.5.: FR-Journalist Danijel Majic äußert sich noch einmal auf Twitter zu dem Fall: Ihm sei vom Pressesprecher der Landespolizeidirektion Kärnten telefonisch bestätigt worden, dass es keine Anzeige gegen ihn gab. Außerdem sei er nicht festgenommen worden.

Erstmeldung: Rundschau-Reporter angegriffen

Bleiburg - Bei einer kroatischen Gedenkfeier im österreichischen Bleiburg ist ein Redakteur der Frankfurter Rundschau von Teilnehmern verbal und körperlich angegriffen worden. Unter anderem wurde der Journalist von dem rechtsextremen kroatischen TV-Moderator Velimir Bujanec bespuckt, woraufhin zahlreiche Teilnehmer der Gedenkveranstaltung begannen, ihn massiv zu beleidigen und nach ihm zu schlagen und zu treten. Durch das Eingreifen der österreichischen Polizei wurden schwere körperliche Übergriffe verhindert. Der FR-Redakteur trug keine Verletzungen davon.

Jährliche Gedenkfeier in Bleiburg

In Bleiburg an der österreichisch-slowenischen Grenze fand am Samstag laut Frankfurter Rundschau die jährliche Gedenkfeier für die sogenannte „Tragödie von Bleiburg“ statt. Bei der Veranstaltung, die unter der Schirmherrschaft des kroatischen Parlaments und der kroatisch-katholischen Kirche steht, wird an die Ereignisse vom Mai 1945 erinnert, als sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zehntausend Soldaten des faschistischen Ustascha-Regimes und Zivilisten nach Bleiburg flüchteten, um sich der britischen Armee zu ergeben. Die Briten allerdings lieferten sie an die mit ihnen verbündeten jugoslawischen Partisanen aus. In den Folgemonaten wurden mehrere Zehntausend Gefangene ermordet.

Lesen Sie hier einen Kommentar der FR-Chefredakteurin Bascha Mika zu dem Vorfall: Wenn Journalisten angegriffen werden, sind wir alle das Ziel

TV-Moderator Velimir Bujanec (Mitte).

Die Gedenkveranstaltung in Bleiburg ist seit langem umstritten, weil es immer wieder seitens der Teilnehmer zu offener Verherrlichung des Ustascha-Regimes gekommen war. Das österreichische Bistum Gurk-Klagenfurt hatte deswegen in diesem Jahr seine Unterstützung für die Feier zurückgezogen. Immer wieder wird über ein Verbot diskutiert. Dennoch beteiligten sich nach Angaben der Landespolizeidirektion Kärnten auch in diesem Jahr rund 10.000 Menschen an der Gedenkfeier.

Bleiburger Publikum geht Journalisten verbal und körperlich an

Der angegriffene FR-Redakteur hatte bereits in den Jahren 2013 und 2018 über das Gedenken in Bleiburg berichtet. Zu dem Angriff kam es, nachdem ein Begleiter von Velimir Bujanec, ein kroatischstämmiger Frankfurter Geschäftsmann und Fußballtrainer, ihn erkannt hatte. Nach Schilderung des FR-Journalisten begann erst Bujanecs Ehefrau ihn zu beschimpfen. Nachdem er sich abgewendet hatte, um den Ort des Geschehens zu verlassen, spuckte ihm Bujanec mindestens zwei Mal auf den Hinterkopf. Danach begann das umstehende Publikum den FR-Mann verbal und körperlich anzugehen.

Der FR-Journalist hatte in der Vergangenheit auch mehrfach über Auftritte von Bujanec in kroatisch-katholischen Gemeinden in Deutschland sowie allgemein über kroatischen Nationalismus geschrieben. Unmittelbar nach Vorfall erreichten den FR-Redakteur zudem zahlreiche Drohungen über die sozialen Netzwerke.

Unser Redakteur Danijel Majic  beabsichtigt, Anzeige gegen Velimir Bujanec zu erstatten.

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Haut die Linken, bis sie hinken“: AStA Frankfurt schmeißt Liberale Hochschulgruppe raus
Die Liberale Hochschulgruppe muss ihre Räume im Studierendenhaus räumen. Der Grund ist ein sexistisches und rechtsextremes Plakat.
„Haut die Linken, bis sie hinken“: AStA Frankfurt schmeißt Liberale Hochschulgruppe raus
Iran-Krise: Russland widerspricht Trump im Drohnen-Streit
Der Iran-Konflikt eskaliert immer weiter. Die Trump-Regierung kündigt neue Sanktionen an und will ein großes Bündnis gegen den Iran schmieden.
Iran-Krise: Russland widerspricht Trump im Drohnen-Streit
Nach derber Wahl-Schlappe in Istanbul: Jetzt spricht Erdogan
Bei der Istanbul-Wahl hat CHP-Kandidat Imamoglu gewonnen - er wird neuer Bürgermeister der Metropole. Für Erdogan und seine AKP ist das ein Debakel.
Nach derber Wahl-Schlappe in Istanbul: Jetzt spricht Erdogan
Pass nur bei „Einordnung in deutsche Lebensverhältnisse“ - GroKo verschärft Regeln
Noch vor der Sommerpause will die GroKo ein schärferes Einbürgerungsrecht beschließen. Doch es gibt Kritik - unter anderem an „schwammigen Kriterien“.
Pass nur bei „Einordnung in deutsche Lebensverhältnisse“ - GroKo verschärft Regeln

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion