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Bei einem Luftangriff wurden 18 Menschen getötet. 

Israel warnt Einwohner vor Angriffen

Blutigster Tag im Nahost-Konflikt: Stündlich Tote

Gaza - Am sechsten Tag der massiven israelischen Luftangriffe im Gazastreifen ist die Zahl der palästinensischen Toten auf 166 gestiegen. Auch in Israel gingen Hamas-Raketen nieder.

Im Gaza-Konflikt ist trotz steigender Opferzahlen und internationaler Friedensappelle kein schnelles Ende des Blutvergießens in Sicht. Knapp eine Woche nach Beginn ihrer Offensive weitete die israelische Armee am Sonntag ihren Einsatz gegen militante Palästinenser noch aus. Erstmals drangen Elitesoldaten in den Gazastreifen am Mittelmeer ein.

Israels Streitkräfte bombardieren als Reaktion auf den ständigen Raketenbeschuss seit Dienstag massiv Ziele aus der Luft. Die Zahl der Opfer stieg praktisch stündlich - auf zuletzt mindestens 166 Tote und 1120 Verletzte.

Die internationalen Bemühungen um eine Waffenruhe nahmen angesichts der Zuspitzung an Fahrt auf. Am Sonntag trafen die Außenminister Deutschlands, der USA, Großbritanniens und Frankreichs am Rande der Iran-Atomgespräche in Wien zusammen. „Es ist dringend nötig, die Gewalt zu beenden und den Waffenstillstand vom November 2012 wieder herzustellen“, sagte der britische Ressortchef William Hague in der österreichischen Hauptstadt. Auch Papst Franziskus rief zu Frieden auf.

Netanjahu: Bodenoffensive bleibt eine Option

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier wird Montag und Dienstag zur Vermittlung im Nahen Osten erwartet. Die Arabische Liga berief für Montag eine Dringlichkeitssitzung in Kairo ein. Der UN-Sicherheitsrat in New York kommt am selben Tag erneut zu einer Sondersitzung zusammen. Auch italienische Außenministerin Federica Mogherini will am Montag in die Konfliktregion reisen. „Der israelisch-palästinensische Konflikt hat schon zu viele Generationen zerstört. Es braucht einen sofortigen Waffenstillstand“, erklärte sie.

Die israelischen Elitesoldaten landeten in der Nacht zum Sonntag an der Küste des Gazastreifens, um besonders häufig genutzte Abschussrampen der islamistischen Hamas zu zerstören. Dabei lieferten sich die Kampfschwimmer einen Schusswechsel mit Kämpfern der Palästinensern, vier Soldaten wurden verletzt.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hält sich die Option einer größeren Bodenoffensive offen, sollte der Beschuss aus dem Gazastreifen nicht aufhören. Er bekräftigte am Sonntag in einem Interview des US-Senders CBS: „Wir werden tun, was auch immer nötig ist, um unser Volk zu schützen.“ Auf die Frage nach einer möglichen Feuerpause antwortete er, es sei Israels Ziel, „dauerhafte Ruhe“ zu erreichen.

Israels Streitkräfte haben seit Beginn der Offensive nach eigenen Angaben 1320 Ziele in der Mittelmeer-Enklave angegriffen. Gleichzeitig gingen demnach mehr als 800 Raketen der Hamas auf israelischem Gebiet nieder, rund 140 wurden von der Raketenabwehr abgefangen. Der Gazastreifen ist flächenmäßig etwa so groß wie Köln, allerdings leben dort mit 1,8 Millionen Menschen beinahe doppelt so viele wie in der Stadt am Rhein.

Raketen auf Tel Aviv - Tote im Gazastreifen

Raketen auf Tel Aviv - Tote im Gazastreifen

Der Samstag war mit rund 60 Toten für die Palästinenser der bislang verlustreichste Tag der jüngsten Auseinandersetzungen. Allein beim Angriff auf das Haus von Gazas Polizeikommandeur Taisir al-Batsch wurden mindestens 18 seiner Familienmitglieder getötet.

Auch am Sonntag hielt der gegenseitige Beschuss an. Die israelische Luftwaffe bombardierte Ziele im nördlichen Teil des Gazastreifens. Die Armee hatte die Menschen zuvor mit Flugblättern aufgerufen, ihre Häuser vorübergehend zu verlassen. Nach Angaben des Hilfswerks der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) haben inzwischen mehr als 10 000 Menschen Zuflucht in UNRWA-Einrichtungen in Gaza gesucht.

Militante Palästinenser nahmen derweil erneut den internationalen Flughafen Ben Gurion unter Beschuss. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas forderte internationalen Schutz für die Palästinenser. In einem Brief an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon wolle er darum bitten, „den Staat Palästina offiziell dem internationalen UN-Schutzprogramm zu unterstellen“, teilte die Politikerin Hanan Aschrawi mit.

In mehreren deutschen Städten demonstrierten Tausende gegen die israelischen Angriffe.

Die Bemühungen um einen Nahost-Frieden unter amerikanischer Vermittlung waren im April gescheitert. Auslöser der jüngsten Eskalation der Gewalt waren die Entführung und Ermordung von drei israelischen Teenagern und der mutmaßliche Rachemord an einem palästinensischen Jungen. Eine 2012 vereinbarte Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas, die seit 2007 im Gazastreifen herrscht, wurde daraufhin endgültig Makulatur.

dpa

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