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Boris Johnson war Bürgermeister von London, dann stürzte er sich in den Pro-Brexit-Wahlkampf.

Nach dem EU-Referendum

Brexit-Gewinner Boris Johnson: Wird er der nächste Premierminister?

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London - Boris Johnson ist ein bisschen durchgeknallt: Er stolpert, stürzt und pöbelt in aller Öffentlichkeit und genau dafür lieben ihn die Briten. Wird er der nächste britische Premierminister?

Er ist der Mann, den die Briten nur Boris nennen. Dass er sich an die Spitze der Pro-Brexit-Kampagne stellte, hatte er ganz kurzfristig entschieden: Im Februar 2016 trat er vor die Kameras. Seinem Parteikollegen und Brexit-Gegner David Cameron teilte er seinen Schritt nur ein paar Minuten vorher per SMS mit.

Er kam, sah und siegte. Das Votum der Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union geht zu einem nicht unerheblichen Teil wohl auch auf sein Konto. Johnson führt das Lager der Brexit-Befürworter an, er wollte also genau das erreichen, was nun Realität wird: Raus aus der EU. Zu verlieren hatte er damit eigentlich nichts. Der Mann, der ein bisschen durchgeknallt ist und fast nie einen Fettnapf auslässt, wurde in Umfragen immer wieder zum beliebtesten Politiker Großbritanniens gekürt. Wahrscheinlich hätte er auch die Bürgermeisterwahl in London noch einmal gewonnen, wenn er erneut angetreten wäre. Doch Boris Johnson, so glauben viele, strebt nach Höherem. Dass er sein Gewicht in die Waagschale der Brexit-Befürworter warf, dürfte wohl kaum ohne Hintergedanken geschehen sein.

Die Gegensätzlichen: Boris Johnson und David Cameron

Boris Johnson ist nicht nur optisch das genaue Gegenteil von David Cameron: Beide gehören zum Establishment, beide gingen auf das Eliteinternat Eton. Anders als der stets gepflegt auftretende Premier versteht es Johnson aber, den einfachen Mann anzusprechen. Er schneidet Grimassen auf Fotos, kleckert unbeholfen mit Speiseeis, stolpert, stürzt und pöbelt.

Auf dem Höhepunkt der Böhmermann-Affäre schreibt er ein Schmähgedicht über einen „jungen Kerl aus Ankara“ und gewinnt damit einen zweifelhaften Wettbewerb für das „beleidigendste Gedicht über Präsident Erdogan“. Als US-Präsident Barack Obama in London für einen Verbleib Großbritanniens in der EU wirbt, spekuliert Johnson in einem Zeitungsartikel über dessen kenianische Wurzeln und eine daraus resultierende Abneigung gegen Winston Churchill und das britische Kolonialreich. Größter Ausrutscher Johnsons aus deutscher Sicht ist seine Behauptung, die EU wolle einen Superstaat errichten - wie einst Napoleon und Hitler.

"Johnson hätte gute Chancen auf den Job"

Doch all das, die vermeintlichen Entgleisungen, scheinen ihm nicht zu schaden. Im Gegenteil, Umfragen zufolge schenken die Briten Johnson sehr viel mehr Glauben als dem noch aktuellen Premierminister David Cameron. Anders als dieser hatte er in dem Referendum über die EU-Mitgliedschaft nicht viel zu verlieren. Der Politikwissenschaftler Tony Travers von der London School of Economics glaubt sogar, dass Johnson gute Chancen hat, nächster Regierungschef zu werden: „Im Falle eines Austritts aus der EU wird Cameron nicht mehr lange Premierminister sein, dann hätte Johnson als prominenter Unterstützer dieses Lagers gute Chancen auf den Job.“

Um 8.15 Uhr Lokalzeit am Freitag in der Früh verkündete David Cameron, dass er von seinem Amt als Premierminister zurücktreten wird. Boris Johnson hat nun also die besten Chancen auf den Posten.

Wir verfolgen die Berichterstattung nach dem Brexit den gesamten Tag über im Live-Ticker. Hier können Sie nachlesen, welche Folgen der Brexit für Deutschland und Europa hat.

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