„Über 100.000 für die Einrichtung“

„Albtraum“: Goldene Tapeten in der Downing Street 10 - Johnson-Verlobte sorgt für Aufregung

  • Josef Forster
    vonJosef Forster
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Boris Johnson, Premierminister des Vereinigten Königreichs, plant einen Umbau seines Amtssitzes. Da dieser wohl den Rahmen sprengt, sollen Spenden bei der Renovierung helfen

London - Sie ist wohl eine der bekanntesten Adressen der Welt: Die Downing Street 10. Im Herzen Londons prangen von der Eingangstür des britischen Regierungssitzes die weißen Letter von der schwarzen, unscheinbaren Eingangstür. Seit 1902 dient der Gebäudekomplex als Amtssitz des britischen Premierministers, schon Winston Churchill und Margaret Thatcher machten hier Weltpolitik. Seit 2019 bewohnt ihre Nachfolger im Amt, Boris Johnson, das Gebäude mit seiner Verlobten Carrie Symonds. Wie britische Medien berichten, planen die beiden einen extravaganten Umbau des Gebäudekomplexes. Mit Hilfe von Spenden.

Boris Johnson soll Renovierung durch Spenden finanzieren

Boris Johnson und seine Verlobte leben mit ihrem gemeinsamen Sohn Wilfred Lawrie Nicholas im Nachbargebäude der Downing Street 10. Die Häuser bilden einen Komplex, in dem der Premierminister wohnt und arbeitet. Wie die Tageszeitung Guardian berichtet, ruft Johnson einen Spendentopf ins Leben, mit dem unter anderem die Vier-Schlafzimmer-Wohnung der Familie renoviert werden soll. Der Grund für diesen unkonventionellen Schritt: Für die Umgestaltung der Räume stehen dem Premierminister und seiner Verlobten ein Budget von etwa 35.000 Euro zur Verfügung. Wie es scheint, zu wenig für die Extra-Wünsche der Familie.

Johnsons Verlobte, Carrie Symonds, gab in einem Interview mit dem Tatler-Magazin eine Einschätzung zur derzeitigen Einrichtung des Regierungssitzes ab. Es sei ein „John-Lewis-Albtraum“, klagte die 32-Jährige. John Lewis ist ein Möbelhaus, das Einrichtungen im mittleren Preissegment anbietet. Die Aussage Symonds‘ ist als Kritik an die „Vormieter“ der Downing Street 10 zu verstehen, die den Regierungs- und Wohnsitz nach ihrem Geschmack gestalteten. Jetzt soll also umgebaut werden. Mit Spenden potenter Geldgeber.

Boris Johnson orientiert sich beim Spendensammeln wohl an US-amerikanischem Vorbild

Wie die Daily Mail schreibt, habe sich Premierminister Boris Johnson bei Parteifreunden über die ausufernden Kosten der Renovierung beschwert. „Über 100.000“ habe seine Verlobte für die neue Einrichtung ausgegeben - inklusive goldener Tapeten, die die Finanzplanung wohl besonders belasten.

Da die extravaganten Umbaumaßnahmen das vorgesehene Budget sprengen, sieht sich der Premierminister nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten um. Wie britische Medien berichten, könnte der Spendentopf offiziell für den „Denkmalschutz“ verwendet werden. Ein Regierungssprecher schlägt in dieselbe Kerbe: Der Gebäudekomplex an der Downing Street sei ein „Arbeitsgebäude“, heißt es. „Wartungsarbeiten und Umbauten“ geschähen regelmäßig, zitiert der Guardian.

Für die Umbauarbeiten am Gebäude soll nun ein Fördertopf nach US-amerikanischem Vorbild entstehen. Wie die Daily Mail berichtet, hat die Präsidentenfamilie in den USA einen Betrag von 100.000 US-Dollar zur Verfügung, mit dem sie die das Weiße Haus umgestalten kann.

Ob die extravaganten Renovierungspläne des britischen Premierministers und seiner Familie bei der Bevölkerung auf Verständnis stoßen, bleibt abzuwarten. Großbritannien ist durch die Corona-Pandemie besonders schwer betroffen, viele Menschen verloren durch die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie ihren Job. Der Luxus-Umbau des Regierungs- und Wohnsitzes könnte dem Premierminister in der Krise Sympathien kosten. (jjf)

Rubriklistenbild: © Victoria Jones/picture alliance/dpa/PA Wire

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