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Boris Johnson: Fatales Weihnachtsvideo bringt Premier in Bedrängnis – erster Rücktritt unter Tränen

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Von: Kathrin Reikowski

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Boris Johnson
Großbritanniens Premierminister Boris Johnson gerät in Bedrängnis wegen einer Weihnachtsfeier 2020. © Hollie Adams/Getty Images Pool/AP/dpa

Kurz vor Weihnachten bringt ein Video aus dem letzten Jahr Boris Johnson in Bedrängnis. Regierungsmitarbeiter sollen mitten im Lockdown ausgelassen gefeiert haben.

London - Sie sollen nicht nur ausgelassen und ohne Hygienemaßnahmen gefeiert haben, während das Land im Lockdown saß und Hunderte Menschen am Tag starben, sie machten sich offenbar auch wenige Tage später noch darüber lustig: Regierungsmitarbeiter in der Londoner Downing Street bringen den Premier Boris Johnson in Bedrängnis. Nun trat seine Regierungssprecherin zurück - unter Tränen.

Was dem Premier zum Verhängnis werden könnte: Im Raum steht auch, dass Johnson, der demnach nicht an der Party teilnahm, über das Ereignis gelogen hat. Im britischen Parlament schlug dem Premier am Mittwoch eine aufgeheizte Stimmung entgegen, Buhrufe begleiteten Johnson auf dem Weg zu seinem Platz. Lautstark wurde der Premier zum Rücktritt aufgerufen.

Boris Johnson: 63 Prozent der Briten glauben, dass Premier lügt

Vor allem geht es um ein Video, in dem engste Vertraute des Premiers sich offensichtlich lachend überlegen, wie sie die Party schönreden könnten. Dazu sagte Johnson im Parlament: „Ich entschuldige mich vorbehaltlos für den Anstoß, den es im ganzen Land erregt hat, und entschuldige mich für den Eindruck, den es erweckt.“ Es werde eine interne Untersuchung geben, und die Regierung werde mit der Polizei kooperieren, versicherte er.

Weiterhin betonte Johnson aber, ihm sei wiederholt versichert worden, dass es weder eine Party gegeben habe noch Corona-Regeln gebrochen worden seien. Die mögliche Verantwortung schob Johnson den Mitarbeitern zu: Sollten doch Regeln gebrochen worden sein, werde es ernste Konsequenzen geben. Die Metropolitan Police kündigte am Abend an, es lägen bislang keine klaren Hinweise auf Regelverstöße gegen Corona-Auflagen vor, daher werde zunächst nicht ermittelt. Wie eine Umfrage im Auftrag des Nachrichtensenders Sky News ergab, sind 63 Prozent der Briten der Ansicht, dass Johnson nicht die Wahrheit sagt. Weniger als jeder Zehnte gab an, den Beteuerungen des Premiers Glauben zu schenken.

Boris Johnson: Darum geht es im Video zur Weihnachtsfeier in der Downing-Street

Noch am Mittwoch folgte der erste Rücktritt. Johnsons ehemalige Sprecherin Allegra Stratton entschuldigte sich unter Tränen für ihre Bemerkungen in dem veröffentlichten Video und stellte ihr Amt als Regierungssprecherin für die UN-Klimakonferenz zur Verfügung. 

Allegra Stratton, weinend
Allegra Stratton, ehemalige Regierungssprecherin von Boris Johnson trat am Mittwoch unter Tränen zurück ©  Jonathan Brady/PA Wire/dpa

Boris Johnsons damalige Sprecherin Stratton scherzt im Video

Johnson hingegen zeigte sich im Parlament demonstrativ unbeeindruckt von den Anschuldigungen und Rücktrittsforderungen. Der Opposition warf er vor, alte Geschichten hervorzukramen, um politische Spielchen zu spielen. Er hingegen blicke nach vorne und führe das Land aus der Corona-Krise.

Und das, obwohl der Sender ITV am Dienstagabend ein Video veröffentlichte, das ein paar Tage nach der mutmaßlichen Feier, am 22. Dezember 2020, in der Downing Street aufgezeichnet wurde. In der Hauptrolle: Johnsons damalige Sprecherin Stratton, die für eine Pressekonferenz probt. Scherzhaft befragt ein Mitarbeiter Stratton nach einer Feier, die Anwesenden witzeln über „Wein und Käse“. „Bei dieser fiktionalen Party hat es sich um ein Geschäftstreffen gehandelt, und es gab keine sozialen Abstandsregeln“, antwortet Stratton lachend.

Das Echo: verheerend. ITV-Moderator Tom Bradby sagte seinem Millionenpublikum: „Sie lachen uns aus. Euch, mich, uns alle.“ Am schlimmsten dürfte Johnson aber die mittlerweile offene Kritik aus den Reihen seiner eigenen Partei treffen. Der Chef der schottischen Konservativen, Douglas Ross, sagte, sollte Johnson das Parlament getäuscht haben, müsse er zurücktreten. Mehrere Abgeordnete erinnerten daran, dass viele Menschen sich damals nicht von sterbenden Verwandten und Freunden verabschieden durften. Am 18. Dezember 2020 meldete die Regierung 514 Corona-Tote an einem Tag. Das Video fällt in eine Zeit, in der in Europa die Corona-Zahlen steigen - und auch Boris Johnson wieder strengere Regeln einführt. (dpa/kat)

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