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Sorge vor Krieg auf dem Balkan: Jetzt wollen bosnische Serben auch noch eigenständige Armee zusammenziehen

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Von: Josef Forster

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Milorad Dodik Bosnien
Milorad Dodik, Mitglied der bosnischen Dreier-Präsidentschaft, kündigte an, eine eigenständige Armee aufzubauen © Laszlo Balogh/dpa

Die politische Lage im Balkan ist angespannt. Nun wachsen auch die Sorgen in Bosnien: Die bosnischen Serben wollen eine eigene Armee zusammenziehen.

Sarajevo/Pristina - Die Lage auf dem Balkan bereitet Europa wieder große Sorgen: Inmitten der angespannten politischen Lage in der Region haben die bosnischen Serben nun Pläne zur Bildung einer eigenen Armee bekanntgegeben.

Milorad Dodik, das serbische Mitglied der bosnischen Dreier-Präsidentschaft, gab bekannt, dass die Serben ihre Zustimmung zu einer gemeinsamen bosnischen Armee zurückziehen. Die Ankündigung birgt Zündstoff, da die gemeinsame serbisch-kroatisch-bosnische Armee als bedeutend für die territoriale Integrität Bosniens angesehen wird. Nun wollen die Serben aus dem Bündnis aussteigen. Eine eigenständige Armee soll „innerhalb der nächsten Monate“ gebildet werden. Für das kroatische Präsidentschaftsmitglied Zeljko Komsic ein „krimineller Akt der Rebellion“.

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Seit dem Ende des Bosnienkrieges (1992 bis 1995) ist Bosnien in zwei halbautonome Teilrepubliken aufgeteilt, eine serbische und eine kroatisch-bosnische. Jeder Teil hat seine eigene Regierung und sein Parlament. Zugleich gibt es eine gemeinsame serbisch-kroatisch-bosnische Zentralregierung.

Seit Juli boykottieren die bosnischen Serben die Arbeit der zentralen Institutionen des Balkanstaates. Sie protestieren gegen ein Verbot der Leugnung von Völkermord in dem Land. Der damalige UN-Gesandte für Bosnien und Herzegowina, Valentin Inzko, führte das Verbot ein, um auf den serbischen Umgang mit dem Massaker von Srebrenica von 1995 einzugehen. Zahlreiche serbische Vertreter und Politiker streiten in der Regel ab, dass es sich bei dem Massaker um einen Völkermord handelte.

Aufgrund seiner weitreichenden Befugnisse kommt dem Hohen Repräsentanten der internationalen Gemeinschaft eine wichtige Rolle bei der Umsetzung von Reformen und der Überwindung von politischen Gegensätzen in Bosnien und Herzegowina zu. Im August hatte der Deutsche Christian Schmidt dieses Amt übernommen.

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Bosnien ist nicht der einzige Konfliktherd in der Region. Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet, hat Serbien unterdessen seine Militärpräsenz an der Grenze zum Kosovo verstärkt. Die Nato-geführte Kosovo-Truppe KFOR erklärte in Pristina, sie beobachte die Lage genau, um gemäß ihrem UN-Mandat eine „sichere Umgebung und Bewegungsfreiheit für alle Bevölkerungsgruppen im Kosovo sicherzustellen“. Demnach wurden die Routine-Patrouillen der KFOR verstärkt, auch im Nord-Kosovo. Es bleibt abzuwarten, ob das Säbelrassen folgenlos bleibt. Die internationale Gemeinschaft sprach sich für eine Deeskalation aus. (AFP/jif)

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