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In der Kritik: Horst Seehofer bei einer Sitzung des CSU-Vorstands Mitte Dezember.

Zahl der Verletzten gestiegen

Amokfahrt von Bottrop: Linke gibt Seehofer indirekt Mitschuld an „Lynchakten“

Bei der Amokfahrt in Bottrop und Essen gab es acht Verletzte. Der Fahrer handelte wohl aus Hass auf Ausländer. Die Polizei prüft mögliche Kontakte zur rechtsextremen Szene.

10.50 Uhr: Die Linke-Innenexpertin Ulla Jelpke hat Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) indirekt eine Mitschuld an der mutmaßlich fremdenfeindlich motivierten Auto-Attacke von Bottrop und Essen gegeben. „Wer ständig suggeriert, dass der Rechtsstaat zu lasch und hilflos agiert und zugleich Migration zur ‚Mutter aller Probleme‘ erklärt, sollte sich nicht wundern, wenn rechte Wutbürger und Neonazis sich dadurch zu Lynchakten wie in Bottrop und Essen ermutigt fühlen“, schreibt Jelpke in einem Gastbeitrag für die linke Tageszeitung Junge Welt.

Sie kritisierte die Reaktion Seehofers auf die fast zeitgleich geschehenen Vorfälle von Bottrop und Amberg. Mit der Forderung nach etwaigen Gesetzesänderungen, um gewalttätige Asylbewerber abschieben zu können, spiele Seehofer „die altbekannte Klaviatur der Rechten“. Ein „Gesetzespaket gegen Rassismus“ habe der Innenminister mit Blick auf Amokfahrt aber nicht in der Schublade liegen.

Auch die Grünen-Politikerin Irene Mihalic attackierte Seehofer scharf. Der Bundesinnenminister wolle „schärfere Gesetze, bevor er die Frage beantworten kann, ob die bestehenden Gesetze ausreichen und auch angewandt werden“, schrieb sie am Mittwochabend auf Twitter. „So leistet man keinen Beitrag zur Kriminalitätsbekämpfung sondern kippt Wasser auf die Mühlen von Rechtsextremen.“

Amokfahrt von Bottrop: Bundesregierung reagiert mit Statement - Die Meldungen vom 2. Januar

16.05 Uhr: Die Bundesregierung hat die Gewaltattacken von Asylsuchenden in Amberg sowie den Angriff eines Deutschen aus Fremdenhass in Bottrop und Essen verurteilt. Die Bundesregierung sei bestürzt, sagte eine Regierungssprecherin am Mittwoch in Berlin. In Deutschland gebe es keinen Platz für Extremismus und Intoleranz, „egal von welcher Seite ein solches Verhalten kommt“.

Amokfahrer von Bottrop: Kein Hinweis auf rechtsextreme Kontakte

15.26 Uhr: Nach den mutmaßlich fremdenfeindlichen Autoattacken im Ruhrgebiet haben die Ermittler nach Angaben des nordrhein-westfälischen Innenministers Herbert Reul (CDU) bislang keine Hinweise auf Kontakte des tatverdächtigen Deutschen zur rechtsextremen Szene. Bisher habe die Polizei "keinen Ansatzpunkt gefunden, dass dieser Mann irgendwelche Verbindungen hat oder dass er selber in irgendwelchen rechtsradikalen Kreisen sich bewegt", sagte Reul am Mittwoch im Radiosender WDR 5. 

Es scheine eher so zu sein, dass der 50-jährige Essener "aus einer persönlichen Betroffenheit und Unmut heraus dann Hass auf Fremde entwickelt hat", fügte Reul hinzu. Allerdings müssten die weiteren Ermittlungsergebnisse abgewartet werden. Mit Blick auf eine mögliche psychische Erkrankung des Tatverdächtigen sagte Reul, es gebe bislang nur die Erkenntnis, dass der Mann in früheren Zeiten "in Behandlung" gewesen sei. 

Der Mann war in der Silvesternacht mit seinem Auto in Bottrop und Essen mehrfach in Menschenansammlungen gefahren - laut Reul in der festen Absicht, Ausländer zu töten. Dabei wurden insgesamt acht Menschen verletzt. Allein bei der Tat in Bottrop trugen sieben Menschen teils schwere Verletzungen davon. Der 50-Jährige sitzt mittlerweile wegen mehrfachen Mordversuchs in Untersuchungshaft.

Bottrop: Absperrband der Polizei an der Osterfelder Straße. Auf dem Boden liegen verbrannte Feuerwerkskörper.

Amokfahrt in Bottrop und Essen: “Die klare Absicht, Ausländer zu töten“

8.42 Uhr: Im Internet sind Videos aufgetaucht, die Szenen des mutmaßlichen Terroranschlags von Bottrop und Essen zeigen. Die Polizei bittet jedoch, dass etwaige Tatvideos nicht im Internet gepostet werden sollen, sondern diese den Behörden direkt übergeben werden sollen. 

Nach dem Anschlag hat sich die Zahl der Verletzten mittlerweile auf acht erhöht. Eines der Opfer sei schwer verletzt worden, als ein Mann in der Silvesternacht aus Fremdenhass mit seinem Auto mehrfach in Menschengruppen gefahren sei, teilte die Polizei am Mittwochmorgen mit. Bislang war die Polizei von fünf Verletzten ausgegangen. Der 50 Jahre alte Deutsche soll seinen Wagen auf seiner Fahrt nicht nur in Bottrop, sondern auch in Essen bewusst mehrfach auf feiernde Menschen zugesteuert haben.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte nach den ersten Vernehmungen des Festgenommenen: „Es gab die klare Absicht von diesem Mann, Ausländer zu töten.“ Unter den Verletzten sind Syrer und Afghanen. Staatsanwaltschaft und Polizei sprachen von einem „gezielten Anschlag“. Gegen den Amokfahrer ist mttlerweile ein Haftbefehl erlassen worden. Hier ist eine Szene der Amokfahrt auf Youtube zu sehen. 

Video: Wer saß beim Anschlag von Bottrop am Steuer?

Amokfahrt in Bottrop und Essen: Die Nachrichten 1. Januar 2019

Update: 22.16 Uhr: Nach den Informationen des Tagespiegels wird die Amokfahrt des 50-Jährigen als terroristischer Anschlag eingestuft. Demnach prüft die Bundesanwaltschaft, ob sie den Fall übernimmt. Das Verhalten des Täters könne mit dem von radikalisierten Islamisten verglichen werden. 

Update: 17.25 Uhr: Nach der Tat eines 50-Jährigen, der in Bottrop mit einem Auto in eine feiernde Menschenmenge gefahren ist, sprechen die Ermittler nun von insgesamt vier Tatorten und mindestens fünf Verletzten. Der Mann habe in der Silvesternacht in der Nachbarstadt Essen noch ein viertes Mal probiert, in eine Personengruppe zu fahren. Dabei sei eine Person leicht verletzt worden, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Dienstag in Bottrop.

Zuvor waren auf dem Berliner Platz in Bottrop kurz nach Mitternacht mindestens vier Personen verletzt worden, als der Mann in die Menge der Feiernden fuhr. Eine 46 Jahre alte Frau habe zeitweilig in Lebensgefahr geschwebt, sagte Reul. Auch ein Kind sei verletzt worden. Er hatte die „klare Absicht, Ausländer zu töten“, so Reuk weiter. 

Seehofer möchte auch den Vorfall in Bottrop, neben dem Vorfall in Amberg mit vier Jugendlichen Schlägern, näher untersuchen. 

Auf diesem Platz fuhr in der Silvesternacht ein 50-Jähriger gezielt in eine feiernde Menschengruppe.

Polizei sucht Zeugen der Taten in Bottrop und Essen

Update 15.25 Uhr: Auch bei der Polizei sind zu den Hintergründen und dem genauen Ablauf der Tat noch viele Fragen offen. Es ist derzeit noch nicht klar, warum ein zweiter Anschlagsversuch in Essen gescheitert sei, sagte eine Polizeisprecherin der Deutschen Presse-Agentur. „Vielleicht sind Leute weggerannt, vielleicht hat das aus anderen Gründen nicht funktioniert. All das zu klären, ist jetzt unsere Aufgabe.“ Es müssten jetzt Zeugen befragt werden.

Erstmeldung: Auto fährt in Bottrop in eine Menschengruppe - Fremdenfeindliches Motiv?

Bottrop - Ein Autofahrer hat in Bottrop (Nordrhein-Westfalen) in der Silvesternacht seinen Wagen in eine Fußgängergruppe gesteuert und mindestens vier Menschen zum Teil schwer verletzt. „Die Ermittlungsbehörden gehen derzeit von einem gezielten Anschlag aus, der möglicherweise in der fremdenfeindlichen Einstellung des Fahrers begründet ist“, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstag mit. Die Ermittler haben „erste Informationen über eine psychische Erkrankung des Fahrers“.

Amokfahrt führte von Bottrop bis nach Essen

Die Polizei teilte mit, dass der Fahrer bereits zuvor um kurz nach Mitternacht auf eine einzelne Person zugefahren war. Der Fußgänger konnte sich retten. Anschließend fuhr der aus Essen stammende Autofahrer weiter in Richtung der Bottroper Innenstadt. Dort fuhr er erneut auf eine Menschengruppe zu. Hier wurden mindestens vier Personen, darunter auch syrische und afghanische Staatsangehörige, zum Teil schwer verletzt.

Anschließend flüchtete der Fahrer in Richtung Essen, wo er schließlich von Polizisten angehalten werden konnte. Die Beamten nahmen den Fahrer vorläufig fest. Bereits bei seiner Festnahme äußerte sich der Fahrer mit fremdenfeindlichen Bemerkungen.

Anschlag in Essen ging ohne Verletzte aus

Zwischenzeitlich hatte der 50-jährige Fahrer auch in Essen versucht, mit seinem Auto gezielt in eine Menschengruppe zu fahren, die an einer Bushaltestelle an der Schlossstraße wartete.

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dpa/rm

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