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Lula küsst seinen Stimmzettel – Brasilien hat gewählt: „Der Präsident ist ein großer Feigling“

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Von: Bettina Menzel, Jan-Frederik Wendt, Andreas Apetz

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Der erste Durchgang der Präsidentschaftswahl in Brasilien ist entschieden - es kommt zur Stichwahl zwischen Lula und Bolsonaro. Alle Ergebnisse und Hochrechnungen im Überblick.

Update vom 3. Oktober, 10.59 Uhr: Sowohl das Lula- als auch das Bolsonaro-Wähler-Lager ist nach der ersten Runde der Brasilien-Wahl ernüchert, berichtet Ippen.Media-Korrespondentin Lisa Kuner aus Rio de Janeiro. „Ich bin sehr traurig, dass dieses Monster, das Brasilien in den vergangen vier Jahren regiert hat, in die Stichwahl kommt“, sagte ihr zum Beispiel Nelson de Oliveira Santana mit Blick auf Amtsinhaber Jair Bolsonaro. „Wir müssen uns jetzt alle zusammenschließen damit Lula gewinnt und wir diesen Faschisten aus dem Amt heben. Bolsonaro hat viel Geld für den Wahlkampf ausgegeben und an Politiker verteilt, das führt auch dazu, dass Leute ihn wählen.“

Optimistischer zeigte sich hingegen etwa Reinaldo Guzmán Costa: „Ich bin glücklich. Wir haben gewonnen. Der aktuelle Präsident ist ein großer Feigling. Ich stehe hinter der PT, ich halte zu Lula. In der Stichwahl gewinnen wir.“

Wählerstimmen zur Brasilien-Wahl: „Haben die Nase voll von der ganzen Korruption“

Update vom 3. Oktober, 9.15 Uhr: Der linke Ex-Präsident Lufa feiert bei der Brasilien-Wahl 2022 ein Comeback. Nach einem hitzigen Wahlkampf schlug er in den ersten Runde den rechten Amtsinhaber Bolsonaro knapp. Bei seiner Stimmabgabe in Sao Paulo küsste Lula seinen Stimmzettel, wie Fotos zeigen. IPPEN..MEDIA-Korrespondentin Lisa Kuner hat am Wahltag in Rio de Janeiro Stimmen von Bürgern eingeholt.

„Ich finde gut, dass die Wahlen gezeigt haben, was die Leute wollen – ganz ohne Betrug“, sagte zum Beispiel der Unternehmer Max Baier. „Es gibt eine große Polarisierung. Jetzt hängt es davon ab, welche Parteien wen unterstützen. Aber der größte Teil der Brasilianer will eine extrem rechte Regierung, im Sinne von Liberalisierung und der Möglichkeit dein eigenes Unternehmen aufzubauen“, fuhr er fort. Dann sein Ausblick: „Unsere Angst ist, wie Venezuela, Kuba oder Argentinien zu enden. Außerdem hat die Bevölkerung die Nase voll von der ganzen Korruption. Wir kämpfen auch gegen den Sozialismus. Ich hoffe, dass Brasilien Lateinamerikas einzige rechte Demokratie bleibt.“

Ganz anders sah das eine Passantin, die nicht namentlich genannt werden wollte: „Das war Betrug! Auf den Straßen unterstützen alle Bolsonaro, das sieht man. Fast niemand unterstützt Lula. Lula schafft es gar nicht Menschen zusammenzukriegen, ohne dafür zu bezahlen. Wir unterstützen Bolsonaro umsonst.“

Brasilien-Wahl 2022: Luiz Inacio Lula da Silva küsst in Sao Paulo seinen Stimmzettel
Luiz Inacio Lula da Silva küsst in Sao Paulo seinen Stimmzettel. © Nelson Almeida/AFP

Brasilien-Wahl: Lula gewinnt erste Runde – Stichwahl am 30. Oktober

Update vom Montag, 3. Oktober, 6.33 Uhr: Mit einem wider Erwarten knappen Sieg hat der linke Spitzenkandidat Luiz Inácio Lula da Silva die erste Runde der Präsidentschaftswahl in Brasilien für sich entschieden. Wie das Oberste Wahlgericht (TSE) am Sonntagabend (Ortszeit) auf seiner Webseite mitteilte, gewann Lula 47,97 Prozent. Amtsinhaber Jair Bolsonaro konnte 43,6 Prozent der Stimmen für sich verbuchen. Damit treten die beiden Kandidaten am 30. Oktober in einer Stichwahl gegeneinander an.

„Wir werden die brasilianische Gesellschaft von unseren Vorschlägen überzeugen müssen“, sagte Lula vor enttäuschten Anhängern in Sao Paulo. Der Kampf gehe nun weiter „bis zum endgültigen Sieg, das ist unser Motto“, sagte der 76-jährige Ex-Präsident, der Brasilien bereits von 2003 bis 2010 regierte. Er versprach nun „mehr Reisen, mehr Auftritte“, um mehr Brasilianer für sich zu gewinnen.

Widersacher Bolsonaro zeigte sich trotz der Niederlage im ersten Wahldurchgang siegesgewiss. „Wir haben die Lüge besiegt“, erklärte der rechtsextreme Politiker nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses, das erheblich von den Vorhersagen des Meinungsforschungsinstitut Datafolha abwich.

Brasilien-Wahl: Bolsonaro liegt vor Lula

Update vom Sonntag, 2. Oktober, 23.44 Uhr: Mittlerweile wurden mehr als 16 Prozent aller Stimmen der Brasilien-Wahl ausgezählt. An erster Stelle liegt momentan Jair Bolsonaro mit 47,91 Prozent. Sein Herausforderer Lula da Silva ist weiterhin an zweiter Stelle mit 43,36 Prozent. Die beiden Rivalen trennen derzeit noch rund 800.000 Stimmen. Insgesamt haben am Wahlsonntag in Brasilien rund 116 Millionen Brasilianerinnen und Brasilianer abgestimmt.

Auszählung der Brasilien-Wahl hat begonnen – Bolsonaro knapp vorne

Update vom Sonntag, 2. Oktober, 22.25 Uhr: Die Auszählungen der Brasilien-Wahl haben begonnen. Laut dem Nachrichtenportal G1 wird dabei mit den auswärtigen Stimmen begonnen. Nach der Auswertung von rund 550.000 Stimmen liegt der amtierende Präsident Jair Bolsonaro mit 47,9 Prozent der Stimmen vor der seinem Herausforderer Lula da Silva, der bislang auf 41,15 Prozent kommt. Die bisher ausgezählten Stimmen entsprechen laut dem Tribunal Superior Eleitoral – dem Obersten Wahlgericht in Brasilien – etwa 0,5 Prozent der Gesamtheit aller Wahlberechtigten.

Update vom Sonntag, 2. Oktober, 22.00 Uhr: Die Wahllokale in Brasilien sind offiziell geschlossen. Nun werden alle abgegeben Stimmen elektronisch ausgewertet. Wahlberechtigte, die sich noch in einer Warteschlange befinden, sollen noch die Möglichkeit bekommen, ihre Stimme abzugeben. Das berichtet das brasilianische Nachrichtenportal G1. Ergebnisse und Hochrechnungen folgen in Kürze.

Bolsonaro rechnet mit Sieg bei Brasilien-Wahl: „Beweise“ für „mindestens 60 Prozent“

Update vom Sonntag, 2. Oktober, 21.27 Uhr: Trotz schlechter Resultate bei den letzten Wahlumfragen zeigt sich der amtierende Präsident Brasiliens, Jair Bolsonaro, zuversichtlich für seine Wiederwahl. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Alle „Beweise“ würden auf einen Wahlsieg hindeuten. „Wenn wir saubere Wahlen haben, werden wir heute mit mindestens 60 Prozent der Stimmen gewinnen“, sagte der amtierende Präsident am Wahlsonntag. Damit hätte Bolsonaro bereits im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit und würde ohne Stichwahl seine zweite Amtszeit antreten.

Eine mögliche Niederlage will Bolsonaro nach eigenen Angaben anfechten. Dies kündigte er schon lange im Vorfeld der Brasilien-Wahl an. Sein Herausforderer Lula da Silva sprach nach seiner Stimmabgabe am Sonntagmittag von einem „wichtigen Tag“. „Vor vier Jahren konnte ich nicht wählen, weil ich das Opfer einer Lüge war ... Ich möchte meinem Land helfen, zur Normalität zurückzukehren“, zitiert Reuters den Kontrahenten von Bolsonaro.

Lange Schlangen vor den Wahllokalen in Brasilien

Update vom Sonntag, 2. Oktober, 19.52 Uhr: Wann kommen die ersten Wahlergebnisse? Noch etwas mehr als zwei Stunden sind die Wahlkabinen in Brasilien geöffnet. Wie viele Einwohnerinnen und Einwohner bis dahin abgestimmt haben werden, bleibt abzuwarten. Vor den Wahllokalen in sämtlichen Ballungsräumen Brasiliens haben sich lange Warteschlangen gebildet. Darüber berichtet das brasilianische Nachrichtenportal G1. In Rio de Janeiro warten Wahlberechtigte derzeit teils mehr als drei Stunden, um ihre Stimme abzugeben.

Laut Elton Leme, Verantwortlicher des elektronischen Wahlsystems, konnte die genaue Ursache für die extremen Verzögerungen beim Wahlvorgang noch nicht ausgemacht werden. Jeder, der bis zur Schließung der Wahllokale (17 Uhr, Ortszeit) noch keine Stimme abgeben konnte, soll eine alternative Möglichkeit zur Abstimmung erhalten, erklärt Leme.

Wahlverbrechen bei Brasilien-Wahl werden mehr

Update vom Sonntag, 2. Oktober, 17.59 Uhr: Mit Voranschreiten der Brasilien-Wahl steigt auch die Zahl der mutmaßlichen Straftaten. Wie BBC Brasil berichtet, spricht das brasilianische Justizministerium aktuell von 339 registrierten Wahldelikten. Die Beamten erwischten mehrere Wählerinnen und Wähler bei der Verletzung des Wahlgeheimnisses und der doppelten Vergabe ihrer Stimme. Außerdem meldet das Justizministerium mehrere Fälle von gekauften Stimmen.

Das brasilianische Nachrichtenportal G1 berichtet zudem von einer Messerattacke in einer Schule in Rio Grande do Sul, im Süden Brasiliens. Der Angriff ging von einem Wähler aus und richtete sich gegen einen der anwesenden Polizisten. Der Täter wurde dem Bericht zufolge sofort verhaftet und abgeführt. Nach Angaben der Zivilpolizei erlitt der Polizeibeamte leichte Verletzungen. Das Motiv für die Tat ist bislang ungeklärt.

Bolsonaro kassiert erste Niederlage bei Brasilien-Wahl – Eindeutiger Sieg für Lula in Neuseeland

Update vom Sonntag, 2. Oktober, 16.43 Uhr: Die Brasilien-Wahl findet auch außerhalb des Landes statt. In 29 Ländern weltweit wird heute darüber mitentschieden, wer der kommende Präsident wird: Jair Bolsonaro oder Luiz Inácio Lula da Silva. In Neuseeland sind die Wahllokale bereits geschlossen und alle Stimmen ausgezählt – mit einem eindeutigen Sieg für Lula da Silva.

Insgesamt 451 gültige Stimmen wurden auf dem Inselstaat am Sonntag abgegeben. Wie die brasilianische Nachrichtenplattform Rio Times berichtet, erhielt Bolsonaros linker Herausforderer Lula da Silva 329 der ausgezählten Stimmen. Dies entspricht 72,9 Prozent. Für Bolsonaro stimmten hingegen nur 15,7 Prozent der Wählerinnen und Wähler.

Update vom Sonntag, 2. Oktober, 15.20 Uhr: Die Wahllokale für die Brasilien-Wahl 2022 sind seit zwei Stunden geöffnet. 156 Millionen Wahlberechtigte entscheiden nun über die Zukunft des Landes. Bei der Wahl des Präsidenten steht der rechtsextreme Amtsinhaber Jair Bolsonaro seinem linken Kontrahenten Luiz Inácio Lula da Silva gegenüber.

Nach Angaben des Justizministeriums wurden seit dem Beginn der Wahlen am Sonntagmorgen bereits 275 Wahlverbrechen registriert. Insgesamt seien 121 Personen verhaftet worden, schreibt CNN Brasil. Zu den Straftaten bei Wahlen gehören nach Angaben des Ministeriums die Verletzung des Wahlgeheimnisses, der Kauf von Stimmen sowie die unerlaubte Abgabe von Stimmen. Laut dem brasilianischen Nachrichtenportal G1 erwartet Wahlbetrüger eine Freiheitsstrafe von bis zu sechs Monaten.

Auch im Ausland wurde bereits ein erster Versuch des Wahlbetrugs registriert. In Portugal, Lissabon, griff die Federal Highway Police ein, als ein auswärtiger Wahlberechtigter versucht hatte, seine Stimme doppelt abzugeben. Insgesamt geben heute fast 700.000 Brasilianerinnen und Brasilianer außerhalb des Landes ihre Stimme ab. Laut CNN Brasil sind die Vereinigten Staaten mit 183.000 Wahlberechtigten das Land mit dem größten Anteil an auswärtigen Wählerinnen und Wählern.

Brasilien-Wahl hat für 156 Millionen Wahlberechtigte begonnen

Update vom Sonntag, 2. Oktober, 13.42 Uhr: Die 156 Millionen Wahlberechtigten bei den Präsidentschaftswahlen in Brasilien können bis um 17.00 Uhr Ortszeit (22.00 Uhr deutscher Zeit) ihre Stimme abgeben. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Genial/Quaest vom Samstag sieht den ehemaligen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva (PT) mit 49 Prozent der gültigen Stimmen im ersten Wahlgang vorn, gefolgt vom amtierenden Präsident Jair Bolsonaro (PL) mit 38 Prozent.

Die Daten basieren auf einer persönlichen Befragung von 3600 Personen am 30. September und Samstag, 1. Oktober, wie CNN Brasil berichtete. Die Fehlerspanne liegt bei zwei Prozentpunkten. Zuvor war das Meinungsfsorschungsinstitut Datafolha auf einen größeren Vorsprung für Herausforderer Lula gekommen: Demnach hätte der linke Herausforderer 50 Prozent der Stimmen der Befragten erhalten, der rechte Amtsinhaber Bolsonaro indes nur 36 Prozent.

Umfrage sieht Herausforderer Lula mit 50 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang vorn

Update vom Sonntag 2. Oktober, 9.55 Uhr: Angaben des brasilianischen Meinungsforschungsinstituts Datafolha zufolge liegt der linke Herausforderer Luiz Inacio Lula da Silva bei den Wahlen in Brasilien auf 50 Prozent der gültigen Stimmen, der rechte Amtsinhaber Jair Bolsonaro bei 36 Prozent, wie CNN Brasil berichtete. Die Meinungsforscher befragten hierzu zwischen Freitag (30. September) und Samstag (1. Oktober) 6800 Personen persönlich. Das tatsächliche Ergebnis kann den Statistikern von Datafolha zufolge zwei Prozentpunkte abweichen.

Amtsinhaber Bolsonaro hatte angesichts einer bevorstehenden Niederlage bereits im Vorfeld Zweifel am brasilianischen Wahlsystem gesät. Politikbeobachter halten es deshalb für entscheidend, dass Herausforderer Lula bereits im ersten Wahlgang über die Hälfte der Stimmen erhält. Dann wäre kein zweiter Wahlgang nötig. Ansonsten würde am 30. Oktober eine Stichwahl der beiden stärksten Kandidaten stattfinden. Vor der Präsidentenwahl wurden bereits 34 Menschen wegen versuchter Wahlmanipulation festgenommen worden, wie das Justizministerium am Samstag mitteilte. Allein am Samstag, dem Tag vor der ersten Wahlrunde, seien elf Verdächtige festgenommen und 90 000 Reais (17 000 Euro) beschlagnahmt worden, hieß es. In sieben Fällen habe es sich um den versuchten Kauf von Stimmen gehandelt.

Brasilien ist 24-mal so groß wie Deutschland und hat rund 210 Millionen Einwohner. Damit ist es der flächenmäßig fünftgrößte und in Bezug auf die Bevölkerung sechstgrößte Staat der Erde. Aufgrund der schieren Größe und der enormen natürlichen Ressourcen kommt Brasilien bei der internationalen Sicherheitspolitik, beim Welthandel und beim Klimaschutz eine wichtige Rolle zu.

Militär in Brasilien kündigt an, Wahlen mittels Stichprobenzählung eigenständig zu begleiten

Update vom Sonntag 2. Oktober, 8.23 Uhr: In Brasilien wird am heutigen Sonntag gewählt. Mehr als 156 Millionen Wahlberechtigte sind aufgefordert, über ihren neuen Staatschef abzustimmen. Mit ersten Ergebnissen ist in der Nacht auf Montag zu rechnen. Zur Wahl stehen der rechtsradikale Amtsinhaber Jair Bolsonaro und der linksgerichtete Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva. In Umfragen liegt Lula, der Brasilien bereits von 2003 bis 2010 regierte, deutlich vor Bolsonaro.

Die Wahl wird von der Angst vor möglichen Unruhen überschattet. Ähnlich wie der frühere US-Präsident Donald Trump hat Bolsonaro bereits angedeutet, das Ergebnis möglicherweise nicht anzuerkennen. Er hatte im Vorfeld der Brasilien-Wahl bereits mehrfach die Verlässlichkeit des elektronischen Wahlsystems angezweifelt.

Viele seiner Anhänger verfügen über Waffen und fordern einen Militärputsch. „Ob es nach der Wahl zu einer friedlichen Übergabe kommt, kann die Demokratie stärken oder schwächen“, sagte Oliver Stuenkel von der Stiftung Getúlio Vargas der Deutschen Presse-Agentur. „Und das ist angesichts von Brasiliens Größe wichtig für die Demokratie weltweit.“ Das Militär hat angekündigt, die Wahlen mittels einer Stichprobenzählung eigenständig zu begleiten und zu prüfen. Dies berichtet das Portal Entwicklungspolitik Online. Sollte das offizielle Ergebnis von ihrer Zählung abweichen, wolle das Militär die Wahl beanstanden.

Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro begrüßt seine Anhänger während einer Wahlkampfveranstaltung in Sao Paulo. Die Brasilianer entscheiden bei der Präsidentschaftswahl an diesem Sonntag über ihre Zukunft.
Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro begrüßt seine Anhänger während einer Wahlkampfveranstaltung in Sao Paulo. Die Brasilianer entscheiden bei der Präsidentschaftswahl an diesem Sonntag über ihre Zukunft. © Marcelo Chello/dpa

Brasilien-Wahl: Umfragen sehen Herausforderer Lula vorn

Erstmeldung: Brasilia – Am kommenden Sonntag finden in Brasilien Wahlen statt. 156 Millionen Wahlberechtigte sind dazu aufgerufen, ihre Stimme abzugeben und einen Präsidenten zu wählen. Aktuelle Umfragen deuten darauf hin, dass der rechte Amtsinhaber Jair Bolsonaro (PL) mit einer Niederlage gegen seinen linksgerichteten Herausforderer Luiz Inacio Lula da Silva (PT) rechnen muss.

Bolsonaro schürt wohl auch deshalb vorsorglich Zweifel am Wahlsystem in Brasilien und droht sogar dem Gerichtshof des Landes. Die Stimmung im Land ist aufgeheizt. Mindestens zwei Lula-Anhänger bezahlten ihre Unterstützung für den Gegenkandidaten bereits mit dem Tod.

Brasilien Wahlen: Herausforderer Luiz Inacio Lula da Silva liegt mit zweistelligem Abstand vorn

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Die brasilianischen Präsidentschaftskandidaten (von links nach rechts im Uhrzeigersinn): Präsident und Kandidat für die Wiederwahl Jair Bolsonaro (PL), der ehemalige Präsident (2003-2010) und Kandidat der linken Arbeiterpartei (PT) Luiz Inacio Lula da Silva, Ciro Gomes (PDT) und Simone Tebet (MDB). © Miguel SCHINCARIOL / AFP

Kaum eine Wahl in der jüngeren Geschichte Brasiliens polarisierte die Bevölkerung so sehr - und es steht viel auf dem Spiel. Es gibt zwar mehrere Kandidaten, Umfragen zufolge wird die Entscheidung aber zwischen zwei prominenten Namen fallen: Dem rechten amtierenden Präsidenten Jair Bolsonaro und dem linksgerichteten Luiz Inacio Lula da Silva, der das Land bereits von 2003 bis 2010 regierte. Im Jahr 2018 war der Ex-Präsident wegen Korruption zu einer Gefängnisstrafe verurteilt und inhaftiert worden. Allerdings hob der Oberste Gerichtshof das Urteil auf, der Gründer der Arbeiterpartei PT kam nach 580 Tagen frei. Laut Lula nannte das Verfahren „politisch motiviert“. Ziel sei gewesen, seine Teilnahme an der Präsidentschaftswahl 2018 zu verhindern - die damals Bolsonaro gewann.

Brasilien ist sowohl angesichts der Verurteilung als auch ob der Freilassung gespaltener Meinung. Aktuellen Umfragen zufolge könnte es mit Lula als Bolsonaros Gegenkandidaten in der Wahl zum Präsidenten einen knappen Ausgang geben. Das Meinungsforschungsinstitut Datafolha ermittelte am Donnerstag auf 45 bis 47 Prozent Zustimmung für den Ex-Präsidenten Lula und 33 Prozent für den rechten Amtsinhaber Bolsonaro.

Zwar sind Wahlumfragen in der Regel Momentaufnahmen, doch sie können durchaus eine Tendenz im Wahlkampf sichtbar machen. Datalfolha veröffentlichte auch eine weitere Erhebung, die das politische Klima im Land eindrücklich beleuchtet. Demnach haben rund 70 Prozent der Menschen in Brasilien Angst, wegen ihrer politischen Einstellung angegriffen zu werden. Das kommt nicht von ungefähr: In den vergangenen Monaten wurden mindestens zwei Lula-Anhänger von mutmaßlichen Bolsonaro-Fans getötet.

Vergiftetes Klima bei Brasilien Wahlen: Bolsonaro fährt „Trump-ähnliche“ Geschütze auf

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Menschen gehen an einer leeren Plakatwand in der Favela Rocinha in Rio de Janeiro vorbei. Die Parlamentswahlen in Brasilien sind für den 02. Oktober 2022 angesetzt (Bild vom 27. September). © Brasilien, Rio De Janeiro: Silvia Izquierdo/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Wie einst der ehemalige US-Präsident Donald Trump ist Bolsonaro angesichts einer drohenden Niederlage bei der Präsidentschaftswahl dazu übergegangen, das Wahlsystem anzuzweifeln – ohne jedoch konkrete Beweise zu liefern. Seit 1996 verwendet Brasilien elektronische Wahlgeräte, die jährlich Sicherheitstests durchlaufen und nicht mit dem Internet verbunden sind. Bereits 2018 hatte der rechte Amtsinhaber behauptet, die damalige Präsidentschaftswahl in der ersten Runde gewonnen zu haben – und nicht erst in der Stichwahl. Bolsonaro gilt als glühender Verehrer von Trump, weshalb Kritiker ihn auch als „Tropen-Trump“ bezeichnen. Die jüngsten Behauptungen des noch amtierenden brasilianischen Staatschefs riefen das Oberste Gericht auf den Plan, das Vorermittlungen gegen Bolsonaro einleitete.

Brasilien Wahlen: Bolsonaro droht Oberstem Gerichtshof und seinen politischen Gegnern

Rund eine Woche vor der Präsidentschaftswahl drohte der rechte Politiker dem Obersten Gerichtshof in Brasilien bei einer Wahlkampfveranstaltung unverhohlen. „Ihr wisst, dass eure Freiheit jeden Tag mehr und mehr von einer anderen Staatsgewalt bedroht ist, die nicht die Exekutive ist“, sagte Bolsonaro am Freitag in Anspielung auf die Ermittlungen des Obersten Gerichtshofs, wie die brasilianische Zeitung Folha de S. Paulo berichtete. „Und wir wissen, dass wir diesem Missbrauch ein Ende setzen müssen.“ Politische Gegner seien Feinde, die „aus dem öffentlichen Leben ausgerottet“ werden müssen, sagte der Amtsinhaber zudem etwa im September.

Ähnliches war aus Parteikreisen zu hören: Francisco Cavalcante, ein Abgeordneter von Bolsonaros Partei Partido Liberal sagte kürzlich: „Wenn wir nicht an den Urnen gewinnen, dann gewinnen wir mit Kugeln.“ Neben der Wahl zum Präsidenten können Brasilianerinnen und Brasilianer am 2. Oktober außerdem ihre Stimme für neue Gouverneure, Senatoren und Abgeordnete im Parlament abgeben. Dabei gibt es auch viele bizarre Kandidaten, Namen und Wahlsprüche. Ein kleinwüchsiger Kandidat tritt etwa mit dem Slogan „Ich bin das kleinste eurer Probleme“ an. Andere Politiker wählten die Spitznamen „Wolverine“, „Mario Boss“ oder „Bill Clinton do Amapá“ – laut brasilianischem Wahlrecht dürfen sich Kandidaten Spitznamen geben. (bm)

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