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Breivik zeigt vor Gericht Hitlergruß und rechtsradikales Schild – „Man kann ihm nicht trauen“

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Von: Kai Hartwig

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Der verurteilte Massenmörder Anders Behring Breivik zeigt vor Gericht den Hitlergruß
Massenmörder Anders Behring Breivik provozierte vor Gericht mit dem Hitlergruß und einem rechtsradikalen Schild. © Ole Berg-Rusten/dpa

Seit mehr als zehn Jahren verbüßt Massenmörder Anders Behring Breivik seine Haftstrafe. Nun beantragte er Bewährung. Eine Psychiaterin warnt eindringlich vor ihm.

Oslo – Vor über zehn Jahren hatten brutale Anschläge im Osloer Regierungsviertel und auf der Insel Utøya Norwegen erschüttert. Die Brutalität, mit der Attentäter Anders Behring Breivik aus rechtsradikalen und islamfeindlichen Motiven insgesamt 77 Menschen tötete, hatte weltweit für Entsetzen gesorgt

Vor dem Bezirksgericht Telemark wird seit Dienstag (18. Januar) darüber verhandelt, ob der verurteilte Massenmörder Breivik auf freien Fuß gesetzt werden kann. Der inzwischen 42-Jährige hatte im Sommer 2012 die Höchststrafe von 21 Jahren Verwahrung bei einer Mindesthaftdauer von zehn Jahren kassiert.

Norwegen: Utøya-Mörder Breivik beantragt Bewährung – Psychiaterin hält ihn immer noch für gefährlich

Mit Ablauf der Mindeststrafe machte Breivik von seinem Recht Gebrauch, eine Bewährung zu beantragen. Als wohl wichtigste Zeugin gilt bei dem Verfahren Psychiaterin Randi Rosenqvist, die den norwegischen Mörder seit vielen Jahren begleitet. Sie hält Breivik immer noch für extrem gefährlich. „Er ist nicht konsistent in dem, was er sagt. Und deshalb kann man ihm nicht trauen“, befand Rosenqvist während der Gerichtsverhandlung.

Ihre Einschätzung der Person Breivik, der sich mittlerweile Fjotolf Hansen nennt, habe sich seit den ersten beiden Gutachten in den Jahren 2012 und 2013 nicht geändert. Daher könne man auch nicht wissen, was dieser im Falle einer möglichen Haftentlassung auf Bewährung machen werde. Dies wisse nicht einmal er selbst, befand Rosenqvist.

Die Aussagen der Psychiaterin dürften Breiviks schon zuvor als gering eingestufte Aussichten, eine Bewährung genehmigt zu bekommen, weiter schmälern. Bei seinem Auftritt vor Gericht provozierte der Norweger am ersten Verhandlungstag (18. Januar) mit dem Hitlergruß und hielt einen Zettel mit einer rechtsradikalen Botschaft hoch. Richter Dag Bjørvik machte dem ein Ende. „Breivik, Schluss jetzt mit dem Plakat! Ich dulde solche Dinge hier nicht unter den Ausführungen der Staatsanwaltschaft“, rief er dem verurteilten Mörder zu.

„Die wichtigste Diagnose lautet, dass er eine dissoziale und narzisstische Persönlichkeit hat und dass er selbstverherrlichend ist“, urteilte Rosenqvist. „Man hat ja gestern (Dienstag, 18. Januar; Anmerk. d. Red.) einen Eindruck davon bekommen, wie es in seinem Universum aussieht.“

Norwegen: Massenmörder Breivik klagt bei Berufungsverfahren über strenge Haftbedingungen

Über die eigenen Haftbedingungen beschwerte sich Breivik ebenfalls. Es mangele ihm an sozialen Kontakten, gab er während einer Befragung durch Verteidiger Øystein Storrvik an. Man behandele ihn wie ein Tier, klagte Breivik. Er sei jeden einzelnen Tag Demütigungen ausgesetzt.

Unterdessen soll die Gerichtsverhandlung noch bis voraussichtlich Donnerstag (20. Januar) andauern. Eine Entscheidung, ob Breiviks Bewährungsantrag Erfolg hat oder nicht, soll aber erst zu einem späteren Zeitpunkt fallen. Der Beschluss des Gerichts könnte womöglich schon in der Woche darauf bekanntgegeben werden. (kh)

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