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Carsten Meyer-Heder (r), Spitzenkandidat der CDU und Carsten Sieling (SPD, l), Bürgermeister von Bremen.

CDU rechnet sich Chancen aus

Bürgerschaftswahl in Bremen: Die letzte rote Hochburg ist in Gefahr - mit Auswirkungen für Berlin

In Bremen wird am 26. Mai ein neuer Landtag gewählt. Seit 73 Jahren regiert die SPD, die CDU rechnet sich aber Chancen aus.

Bremen/Berlin – Bremen ist das kleinste deutsche Bundesland – und doch gibt es nicht wenige Politiker, die vom Ausgang der Landtagswahl gravierendere Folgen für die Große Koalition im Bund erwarten als vom Europawahl-Ergebnis am selben Tag. Zumindest für den Fall, dass in Bremen die CDU am 26. Mai die Nase vorne hat – denn sollte die SPD auch noch ihr Stammland im Norden verlieren, in dem sie seit 73 Jahren ununterbrochen regiert, könnten die Schockwellen selbst in der SPD-Bundeszentrale im Willy-Brandt-Haus vieles durcheinanderwirbeln. Und auch die Statik der ohnehin wackeligen Bundesregierung bedrohen. 

Wahl in Bremen: CDU rechnet sich Chancen aus

In den Szenarien, die in der Hauptstadt um die Folgen des Groß-Wahltermins am 26. Mai mit Europawahl, Bremen-Wahl und Kommunalwahlen in zehn Bundesländern kursieren, spielt die Landtagswahl in Bremen eine zentrale Rolle. Hört man sich in der Bundes-CDU um, bekommt man optimistische Antworten zu einem möglichen Wahlsieg der Partei.

Natürlich werde schon sondiert, ob ein Jamaika-Bündnis in Bremen mit FDP und Grünen an der Ökopartei scheitern könnte, heißt es. Es scheint, als ob man bei der CDU Signale erhalten hat, die auf ein aussichtsreiches Werben bei den Grünen für eine Regierung mit der CDU und den Liberalen deuten. Die FDP wäre wohl dabei. „Wir arbeiten an Jamaika“, ist von Unionsmitgliedern des Kabinetts Merkel zu hören, wenn es um den Stadtstaat geht.

Ob das am Wahlabend realistisch ist, erfahren Sie in unserer Berichterstattung zum Ergebnis der Bremen-Wahl 2019. In unserem Live-Ticker halten wir Sie zudem zur Bremen-Wahl 2019 auf dem Laufenden.

Bremer Bürgerschaftswahl: Grüne noch unentschlossen mit wem sie Koalieren wollen

Die Bremer Grünen wissen um ihre Schlüsselrolle als „Zünglein an der Waage“. Wie der quirlige Landesverband entscheidet, wird davon abhängen, wie deutlich der Abstand zwischen SPD und CDU ist. Die Grünen in Bremen wären wohl bereit, auch mit einer zweitplatzierten SPD zu regieren. Wenn die CDU ihr Ziel von „30 Prozent plus x“ aber auch nur annähernd erreichte, wäre ein Wechsel zu Jamaika begründbar.

Im „Vorwahlfarbenspiel“ wird ein Bündnis aus SPD und CDU an der Weser von Anbeginn an nur als Notlösung gehandelt. Viele Linke sind immer noch wenig glücklich mit der Großen Koalition im Bund. Für Bremen erhoffen sie sich Rot-Rot-Grün als klares Signal für Mehrheiten jenseits der Union. Würde die SPD die Koalition in Berlin verlassen, halten viele in der Union eine vorgezogene Neuwahl des Bundestags schon im Herbst nach einer Übergangsfrist mit einer CDU/CSU-Minderheitsregierung für recht wahrscheinlich.

Ungewisser Wahlausgang in Bremen

Doch die Auswirkungen der Wahl in Bremen bleiben abzuwarten. Zumindest personell haben die Bremer eine echte Alternative, denn unterschiedlicher könnten die beiden Top-Spitzenkandidaten nicht sein. Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) ist ein absoluter Polit-Profi mit langer Erfahrung, Carsten Meyer-Heder ein kompletter Quereinsteiger, den vor gut einem Jahr noch nicht mal die CDU-Mitglieder kannten. Selten war eine Bremer Wahl so spannend und der Ausgang knapp zwei Wochen vor dem Wahltermin so offen.

„Wir haben ein Alleinstellungsmerkmal, das keine andere Partei hat: Wir regieren das Bundesland ununterbrochen seit 73 Jahren“, betont Sieling. Wilhelm Kaisen, Hans Koschnick, Henning Scherf – die politische Ahnengalerie der SPD-Bürgermeister ist lang und der inzwischen 60 Jahre alte Carsten Sieling will nicht als derjenige in die Geschichte eingehen, der als erster seit Kriegsende einem CDU-Kandidaten Platz machen muss. 

Jörg Kastendiek, der Bremer CDU-Landesvorsitzende und Ex-Wirtschaftssenator, ist im Alter von 54 Jahren gestorben. Er gehörte dem Landtag über 25 Jahre an.

J. BlANK, B. WEGENER UND H. REUTER

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