+
Johnson vertritt die Auffassung, dass sein Land Zugang zum Binnenmarkt behalten könne, ohne die Arbeitnehmerfreizügigkeit für EU-Bürger akzeptieren zu müssen. Foto: Andrej Cukic

Undiplomatischer Außenminister

Briten diskutieren über Johnsons "Prosecco-Beleidigung"

Boris Johnson ist bekannt für seine flapsigen Äußerungen. Dass dies nicht unbedingt ein Vorzug von Chefdiplomaten ist, dämmerte den Briten bereits seit seiner Ernennung zum Außenamtschef. Nun ist er wegen einer Äußerung zu den Prosecco-Exporten Italiens in der Kritik.

London (dpa) - Der britische Außenminister Boris Johnson soll den italienischen Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Carlo Calenda, vor einem Einbruch der italienischen Prosecco-Absätze gewarnt haben, sollte die EU Großbritannien keinen freien Zugang zum EU-Binnenmarkt gewähren.

Das sagte Calenda dem US-Sender Bloomberg-TV am Mittwoch und fügte hinzu, er habe die Äußerungen als "etwas beleidigend" empfunden. Calenda konterte eigenen Angaben zufolge damit, Großbritannien verliere dann im Export von Fish and Chips.

Aus Kreisen des britischen Außenministeriums verlautete der BBC zufolge, die Bemerkung über die Prosecco-Exporte seien nicht als Beleidigung gemeint gewesen, sondern Teil einer "konstruktiven" Diskussion. Der britische Außenminister vertritt die Auffassung, dass sein Land Zugang zum Binnenmarkt behalten könne, ohne die Arbeitnehmerfreizügigkeit für EU-Bürger akzeptieren zu müssen.

Diese Haltung, die bei seinen Landsleuten verfangen mag, trifft bei EU-Politikern auf Unverständnis. Der niederländische Finanzminister und Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem bezeichnete Johnsons Haltung im BBC-Fernsehen als "intellektuell unmöglich".

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Bayerische Landesgruppe überprüft Führungsteam
An der Spitze der AfD-Landesgruppe zeichnet sich ein Wechsel ab. Die 14 Bundestagsabgeordneten aus Bayern wählen nach Informationen unserer Zeitung in dieser Woche den …
Bayerische Landesgruppe überprüft Führungsteam
Meuthen wendet sich gegen Aufrufe zu politischer Gewalt
AfD-Chef Jörg Meuthen hat in einer Botschaft an Parteianhänger betont, dass die AfD sich als Rechtsstaatspartei begreift und gewaltsame Veränderungen in Deutschland …
Meuthen wendet sich gegen Aufrufe zu politischer Gewalt
Biden attackiert Trump-Regierung: Versagen beim Kampf gegen Krebs
Der frühere US-Vizepräsident Joe Biden hat der Regierung von US-Präsident Donald Trump ein Versagen beim Kampf gegen Krebs vorgeworfen.
Biden attackiert Trump-Regierung: Versagen beim Kampf gegen Krebs
Merkel will Nachfolger von Generalsekretär Tauber benennen
Peter Tauber war seit Dezember 2013 Parteimanager der CDU, nun räumt er seinen Posten. In der Partei wird erwartet, dass Kanzlerin Merkel mit seinem Nachfolger ein …
Merkel will Nachfolger von Generalsekretär Tauber benennen

Kommentare